Delirium, "Zufälle" und steigende Krankenkassenbeiträge
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 5. Juli 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
eigentlich fallen für mich Veranstaltungen wie die Fußball WM in den Bereich "Brot und Spiele" und verwandte, "von oben" organisierte Ablenkungen des Volkes; jedoch müsste ich lügen, wenn ich sagen würde, dass mir das Spiel gegen Argentinien nicht gefallen hätte. Herrlich anzusehen und gute Leistung.
Leider wurde die Partie nur immer mal wieder durch eine meinerseits eher ungewünschte und als wenig bereichernd empfundene Einblendung einer seltsam verkrampft wirkend klatschenden, älteren Dame im roten Blazer deutlich im Spaß gebremst und gestört, welche sich wohl auf Steuerzahlerkosten zum Fußballschauen nach Südafrika gemacht hatte (natürlich gab es offiziell sicher "hochwichtige" Termine, die gerade in diesen Zeitraum fielen und dass das Fußballspiel gerade lief, war sicherlich nur ein glücklicher Zufall. Alleine wegen eines Viertelfinal-Fußballspiels würde doch sicher kein Politiker nach Südafrika reisen, sondern viel lieber in Zeiten von Krisen maßvoll mit Steuergeldern wirtschaften...).
Wenn wir gerade beim "maßvollen" Wirtschaften mit Geldern sind, so komme ich selbstverständlich nicht drumherum, an das aktuelle Thema der steigenden Krankenkassenbeiträge zu denken, welches mit Sicherheit auch ganz zufällig während der WM-Euphorie auf der Agenda steht. Sicher war das nicht absichtlich und hat sich wahrscheinlich auch einfach so ergeben.
Die Versuchung ist groß, hierzu wieder einmal einen sehr bissigen und bösartigen Kommentar über das hemmungslose Aussaugen von Bürgern, dem falschen Glauben an den als "Vater Staat" bezeichneten Bürokratie-Götzen, Party-"Patriotismus" und völlig "abgeschossene", im städtischen Brunnen liegende und im entsprechenden Delirium grölende, dreiviertelsnackte Alkoholleichen (mit eigenen Augen in einer größeren deutschen Stadt leider mehrfach ungewollt gesehen) zu schreiben. Alternativ ließe sich sicher auch die Wechselwirkung von zu viel Sonne auf dem Haupt, zu wenig Blut im Kopf und einem zu hohen Alkoholspiegel erörtern. Doch ich werde Sie heute nicht unter einer erneuten Tirade meinerseits leiden lassen.
Verzichten wir heute auch darauf, uns zu überlegen, wie gut es einem Land gehen muss, wenn es sich offenbar nur noch mit solchen "Spektakeln" derart überdreht identifizieren kann.
Werfen wir stattdessen lieber einen Blick auf die Märkte.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Morlock Dieter (05.07. 2010 16:19 Uhr):
Hallo Hr. Hahn richtig kommentiert als Fussballreporter, ich gehe noch ein ganzes Stück weiter. Warum ist es nicht möglich von den allen Krankenkassen ca. 110 - 100 zu schließen - auch da kann sehr viel Geld gespart werden???
Antworten - Kommentar von Hartmut (05.07. 2010 18:17 Uhr):
Die Erhöhung der GKV-Beiträge hat aber überhaupt nichts mit dem Aussaugen der Bürger zu tun, sondern mit den steigenden strukturellen Kosten. Solange der Sozialstaat Freibier für alle garantiert und keine Leistungsbegrenzungen mit Kosten-Nutzen-Restriktionen z. B. für hoffnungslos Moribunde oder auch Süchtige einführt, werden die Kosten im Gesundheitswesen - ob öffentlich oder privat - weiter unbegrenzt explodieren. Aber geundheitsökonomische Maßnahmen sind ja äußerst unbeliebt und widersprechen unserer Anspruchsmentalität und im Verständnis vieler auch der Menschenwürde, sind also tabu.
Antworten- Antwort von Ingrid Blum (06.07. 2010 12:20 Uhr):
Ganz ausgezeichnet weitergedacht. Wer sein Haus fahrlässig in Brand steckt, kriegt nichts. Das muß auf die KV übertragen werden. Mehr Selbstverantwortung.
- Antwort von Ingrid Blum (06.07. 2010 12:34 Uhr):
Nicht nur Pharmaindustrie und Verteilungsbürokratie sind kostentreibend. Dank der technischen und medizinischen Revolution konnten mehr Menschen überleben, die es früher nicht geschafft hätten. Meine Familie hat davon profitiert: ein todgeweihtes Neugeborenes wurde gerettet, aber nur durch lebenslange ärztliche Bemühungen. Die Kosten trägt die Allgemeinheit, sonst wäre es nicht gegangen. Jeder neue Überlebenserfolg kann gewaltige Folgekosten haben, aber auch neue Überlebenstechniken erschließen.
- Antwort von Ingrid Blum (06.07. 2010 12:20 Uhr):
- Kommentar von Alex (05.07. 2010 19:45 Uhr):
Hallo, der Artikel spricht mir aus der Seele. Habe schon gedacht bin ganz allein der so denkt. Mir ist es auch ein Rätsel wie man um etwas relativ unwichtiges wie Fußball so einen Terz machen kann. Danke
Antworten - Kommentar von fishman (05.07. 2010 19:48 Uhr):
Hallo Herr Hahn . Ihr Kommentar findet wie so häufig, meine Zustimmung in dieser Sache. Sie lasen vor einiger Zeit das Neue Buch von Rogoff, - Diesmal ist alles anders; und empfahlen es Ihrer Leserschaft. Nach dem Lesen des Vorwortes mit anschließendem Einsteigen in die derzeitige Krise stelle ich fest, dass Krisen offenbar nichts neues sind. Der Grund für diese Krisen unterschiedlichster Natur hätte jedoch immer wieder vermieden werden können, wenn der Nüchterne, nicht von der Krise profitierende Geist die Oberhand behielte und in der Lage wäre, notwendige Schranken herabzulassen. Als Ziel dieses Buches scheint mir die Unvermeidbarkeit von Finanzkrisen in unserem System dem interessierten Leser beizupuhlen wie angebrannte Kartoffeln, was ja schließlich auch immer mal wieder passieren kann.Über die derzeitige Krise habe ich mir ein eigenes Urteil dank vieler unterschiedlicher Informationsmöglichkeiten bilden können. Von daher fällt mein Urteil über das Buch trotz seines Informationsgehaltes in die Kategorie Propaganda. Ich grüße Sie Ihr Volker Thaele
Antworten - Kommentar von Werner Geißler (05.07. 2010 19:57 Uhr):
Dass gerade Sie Herr Hahn sich über eine positive Stimmung im Land, durch was auch immer hervorgerufen, beklagen verwundert mich schon. Man kann doch nicht davon ausgehen, dass jeder Bundesbürger den vollen Durchblick in Sachen wirtschaftliche Zusammenhänge hat, genau so wenig wie ich. Es kann doch aber nicht von Nachteil sein, wenn positiv gestimmte Menschen den Umsatz ankurbeln. Gruß Werner Geißler
Antworten
- Kommentar von Dr Papp Ernoene Ungarn (05.07. 2010 20:36 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn! Wo ich den Anfang Ihres heutigen Beitrages gelesen habe, wurde ich sehr traurig. Traurig, weil ich zum ersten mal mit dem Inhalt des ersten Teiles einverstanden war. Im Gegenteil. Da Ungarn bekanntlich schon seit Jahrzehnten keine Karten mehr im internationalen Fußball spielt, und da ich mich aus diversen Gründen mit Deutschland, dem Deutschen Volk sehr verbunden fühle, habe ich mit Leib und Seele für Deutschland den Daumen gedrückt. Auch bei diesem Spiel. Und: ich habe das Erscheinen der Bundeskanzlerin nebenbei, er war nicht nur ein roter Blazer, sondern ein rotes Kostüm, was sie trug;, u.zw. gemeinsam mit der Deutschen Nationalmannschaft, und die Hymne mit ihnen zusammen singend als sehr-sehr positiv empfunden. Ich denke, dass das auch der Mannschaft seelisch viel geholfen hat. Die Bundeskanzlerin hat damit bewiesen, dass sie da ist, dass sie auch mit ihren Bürgern, Spielern ist, wenn sie eine harte Aufgabe zu meistern haben. Somit hat sie eine große seelische Kraft den Spielern gegeben. Ehrlich gesagt habe ich mich darüber sehr gefreut. Denn in der letzten Zeit schienen mir die Deutschen Politiker eher vom Volk abgewandt, die sich nur um ihren eigenen Interessen kümmern. Und genau das Erscheinen der Bundeskanzlerin hat den Gegenteil bewiesen. Ausserdem hat ja dort nicht irgendeine Mannschaft gespielt, sondern die Deutsche Nationalelf. Und diese Spieler haben Deutschland als solches representiert. Und meiner Meinung nach gehört eine Bundeskanzlerin auch dazu. Ihrer Verbundenheit öffentlich Kund zu geben. Fußball ist nun mal weltweit Sport des Sportes. Und diese Spiel war entscheidend, und Argentinien war ja ein gefährlicher Gegner. Es mag schon sein, dass dem Fußball weltweit zu viel Aufmerksamkeit schenkt. Aber das ist nun mal so. Und ein WM ist ein WM. Und wenn eine schon von vornherein geschwächte Mannschaft, 4 Spieler konnten wegen Unfällen nicht spielen, es so weit schafft, dann gehört eine Bundeskanzlerin auf alle Fälle hinzu. Es ist wahr, dass die große Massen möglicherweise viel schwerere Aufgaben alltäglich zu meistern haben, und niemand beachtet si, geschweige denn überträgt man im Fernsehen weltweit ihre tägliche Kämpfe um das tägliche Brot. Ja, es ist ungerecht. Es ist ungerecht, dass einige Fotomodelle, Schauspieler, usw. ohne große Leistungen viel mehr Aufmerksamkeit von der Presse, usw. bekommen, als sie es bekommen sollten. Und auch viel höhere Gagen. Ist auch ungerecht. Die Welt ist aber nun mal so. Wir alle haben es durch Jahrhunderte so gestaltet. Und bitte zeigen Sie mir mal einen Staat wo so etwas nicht geschieht. Den zweiten Teil kann ich nicht beurteilen, denn ich lebe ja nicht in Deutschland. Und ich denke, dass eine solche Reise der Bundeskanzlerin den Staatbudget nichts anhaben kann. Falls ja, na dann gute Nacht Marie! Die Bundeskanzlerin hat dort Deutschland representiert. Warum hätte sie auf privatkosten reisen müssen? Aber wie gesagt, wenn dadurch nun jetzt Deutschland bankrott geht, dann war Deutschland auch ohne Fußball WM bankrott. Ihre Kritiken über die führenden Staatspersönlichkeiten der heutigen Zeit sind immer berechtigt. Die Politiker auf der ganzen Welt ergötzen sich in ihren eigenen Schönheit und streiten sich untereinander, als ob es überhaupt keinen Volk geben würde. Und das muss sich ändern. Und ich freue mich auch im weiteren auf Ihre kritische Meinung. Der zweite Teil des Beitrages ist einmalig! Und die Rhetorik! Wusste gar nicht, dass diese Damen und Herren so viel trinken. Und abschließend: Warum werden sie dann immer wieder gewählt? Mit freundlichen Grüßen:
Antworten - Kommentar von Thomas (05.07. 2010 20:50 Uhr):
Danke, dass Sie Ihre "Weltkritik" kurz gefasst haben. Bedenken Sie doch bitte, dass die Leser (zumindest ich) Infos zum Investieren erwarten und keine politische Meinungäußerung.
Antworten - Kommentar von Gerd Panknin (06.07. 2010 11:09 Uhr):
Recht hat er, der Herr Hahn!!! Permanente Volksverblödung seit Wochen, dank der geschickt gelenkten Medien - und das Volk dankt es IHR auch noch durch "große Freude" beim persönlichen Erscheinen .... Aber offensichtlich bekommt jede Generation, was sie verdient!
Antworten- Antwort von Heinz Eimansberger (09.07. 2010 06:46 Uhr):
....richtig "Brot u. Spiele" und die Massen merken od. wolle es nicht merken. Dazu noch das "Reduzieren des Aufuhr-Potenzials", naehmlich einziehen der her-umliegenden Waffen in der Bevoelkerung, wie eben gehabt. Das riecht nach der naechsten Abzocke. Ob es nur mit ein paar Jahren 2-stelliger Inflation getan ist, bezweifle ich enrsthaft. Der weltweite Finanzcrash ist sicher nicht vom Tisch.
- Antwort von Heinz Eimansberger (09.07. 2010 06:46 Uhr):