Deflationsängste und Rohstoffe
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 6. Oktober 2008, 20:00 Uhr
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Kommen wir noch einmal auf den Patienten USA zu sprechen. Der hängt an der Herz-Lungen-Maschine und nun das: jetzt wird auch noch im Schwesternzimmer gemunkelt, die Ärzte machten sich Sorgen um eine Deflation.
Woher kommt das? Einfache Antwort: die Rohstoffpreise haben massiv korrigiert (wissen wir ja). [Hedge-Fonds und institutionelle Investoren müssen und mussten ihr Kapital abziehen, nachdem sie es panikartig seit Ende des letzten Jahres in Rohstoffen geparkt und damit die Preise in den Himmel getrieben hatten - war doch auch von vornherein klar] Im Vergleich heißt das: der Laborbericht hat ergeben, dass der Cholesterinspiegel zu hoch ist. Das Risiko auf einen weiteren arteriellen Verschluss hat sich erhöht. (gut, auch die Häuserpreise sind natürlich massiv gefallen, aber lassen wir das mal).
OK, die Besorgnis ist da! Nun werden die Therapiemöglichkeiten erörtert: da steht nun eine Zinssenkung im Raum.
Hmmm...warum nicht?! Hat ja schon einmal funktioniert"! (bewusst in Anführungszeichen) Unter Alan Greenspan, der den Leitzins für ein Jahr auf 1 % senkte und damit wohl erst die nächste Blase los trat deren Platzen uns gerade einen Hörsturz verursacht.
Wissen Sie was?! Ich hoffe, dass Ben von Alan gelernt hat. Ich freue mich auf die nächste Blase, denn - ganz unter uns - ich fange an Blasen zu mögen. Ein Blase ist ja auch grundsätzlich nichts schlimmes - man muss nur früh genug auf- und vor allem rechtzeitig wieder abspringen.
Gut, ich gebe zu, der Begriff Blase ist sehr negativ behaftet. Also sagen wir es lieber in den Worten von Benjamin Graham: ich mag es wenn der manisch-depressive Mr.Market in eine euphorische Phase übertritt.
Nun gehen wir davon aus, dass Mr.Market auch dieses Mal über kurz oder lang die depressive Phase verlassen wird. Wissen Sie wo ich schlussendlich immer lande, wenn ich mir dies vorstelle: bei den Rohstoffen.
Denn wissen Sie was just in diesem Augenblick geschieht, während die Rohstoffpreise durch den Abzug des Panik-Kapitals in den Keller getrieben werden?!
Die Unternehmen fahren ihre Produktion zurück, hören auf zu expandieren oder schließen gleich ganz. Über kurz oder lang steht uns da eine Angebotsverknappung an Rohstoffen bevor.
Jetzt können Sie natürlich geknickt argumentieren: aber die Amis gehen doch in die Rezession und die Europäer vielleicht hinterher...
Tja, die Amis ganz sicher-fragt sich nur wie lange! Und die Europäer? Kommt auf die Lösungsmöglichkeiten jetzt und auf die Absatzmärkte etwas später an. Abgesehen davon, ist Europa nach wie vor kein homogener Raum und auch diese Krise wird wohl nicht zu Harmonie und Homogenität beitragen.
Aber dann sind da noch die Chinesen und die sind von einer Rezession wohl am weitesten entfernt, zudem aber auch die größten Industriemetallverbraucher rund um den Planeten. Zudem steigt ihr Energieverbrauch überproportional. Wenn sich aber die Chinesen halten, dann halten sich auch andere, die wiederum im Einklang mit dem chinesischen Wachstum stehen. Rohstofflieferanten z.B.
Und so bin ich wieder bei meinem Phönix aus der Asche angekommen, natürlich muss dazu erst einmal das Feuer ausgegangen sein.
Edelmetalle dagegen sind ein Mittel der Werterhaltung und damit immer zu schätzen, werden von den meisten allerdings vor allem in Krisenzeiten gekauft.
Bleiben noch die Agrarrohstoffe! Nun, was soll ich sagen?! Essen muss der Mensch immer, selbst wenn er mal ne Zeit lang weniger Häuser und Straßen baut. In diesem Sektor bedeuten tiefe Preise allerdings sehr rasch eine Reaktion von der Angebotsseite her. Tiefe Preise = ziemlich schnell reduziert sich das Angebot. Und dann steigt natürlich auch schon wieder der Preis.
Mein Fazit: der beste Kandidat für eine neue kommende Phase der Euphorie, sind in meinen Augen neben China und dem billigen Russland nach wie vor die Rohstoffe.
So long liebe Leser...so viel für heute einmal...natürlich muss zunächst einmal Europa seine Probleme unter Kontrolle bringen und schließlich der verflixte Interbankenmarkt endlich wieder aus dem Koma erwachen...liebe Banker, denkt daran: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser...;-) bis morgen
Ihre Miriam Kraus
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