Deflation vor Inflation ?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 11. Juni 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Oh la là ...
Kaum hatte ich daran gedacht, Gold zu kaufen – als der Preis meines Lieblingsmetalls um 6,60 Dollar fiel.
Weiß ich, wovon ich spreche, könnten Leser(innen) fragen?
Warum ... nein ... sachlich gesehen, weiß ich das nicht.
Meine Einbildung ist nicht, dass ich alles weiß – sondern dass ich weiß, dass das nicht der Fall ist. Diese Bescheidenheit gibt mir einen Vorteil ... so viel Vertrauen in meine eigene unwissende Überlegenheit, dass ich nicht anders kann, als reizend bescheiden zu sein. Und deswegen gleichzeitig unerträglich aufgeblasen.
Zu den vielen Dinge, die ich nicht weiß, gehört der Grund für den Rückgang des Goldpreises. Denn der Goldpreis fällt, obwohl wir derzeit den größten Zuwachs an Papiergeld und Krediten sehen, den die Welt je erlebt hat. Ich in meiner andauernden Bescheidenheit habe keine Idee, warum der Goldpreis trotzdem fällt. Aber in meiner unerträglichen Aufgeblasenheit ... habe ich eine Theorie.
Meine Theorie ist dieselbe, an der ich schon seit Jahren festhalte: Amerikas auf Krediten basierender, degenerierter Kapitalismus ist ein Schwindel; die "Wirtschaftserholung" ist unecht ... und deshalb gibt es keinen realen inflationären Druck.
Der Goldpreis sollte steigen. Die ganze Welt rechnet mit einer Inflation; die braucht sie. Besonders Amerika. Aber der Goldpreis entwickelt sich nicht so, dass wir den Atem anhalten müssten. Der Dollarkurs ist gegenüber dem Euro wieder gestiegen – auch das flüstert uns eine Warnung zu: Die Inflation könnte unterwegs ein ... aber noch nicht sofort.
Denn die Gütermassen, die aus China importiert werden, wachsen jeden Tag. Und die Arbeitskosten – der größte Kostenblock bei den meisten Gütern und Dienstleistungen – fallen. Ein bisschen Deflation vor der Inflation ist deshalb durchaus drin.
Ich weiß nicht, wann dieser deflationäre Abschwung in den USA und Großbritannien wirklich beginnen wird – oder ob er überhaupt beginnen wird. Aber ich ermuntere meine Leser(innen), so zu handeln, als ob er gestern begonnen hätte.
Und jetzt zu meinem Kollegen in Nordamerika für mehr Informationen: