Deflation und Inflation...
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 23. Oktober 2008, 20:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
als treuer Daily-Leser werden Sie sich sicher daran erinnern, dass ich Ende August bis Anfang September schon einmal mehrere Daily-Ausgaben darauf verwandt hatte mich mit dem Thema Inflation und Deflation auseinander zu setzen.
Dies noch bevor die akute Phase der Bankenkrise ihren verhängnisvollen Beginn mit der Entscheidung Ben und Henrys die Lehman Brüder in die Insolvenz ziehen zu lassen genommen hat. Und auch vor dem Beginn der akuten Phase zeichnete sich schon ein dramatisches Bild ab: wie Sie sich sicher erinnern mögen berichtete ich am 2.September, dass das Geldmengenwachstum der USA rückläufig war. Das Londoner Research Institut Lombard Street hatte kurz zuvor gewarnt, dass das so genannte Broad Money (welches Lombard Street anstelle der Geldmenge M 3, welche in den USA nicht mehr veröffentlicht wird) dramatisch eingebrochen war.
Damals zog ich den Schluss, dass Mr.Market sich gegenwärtig in einer depressiven Phase befindet die zu einer Deflation führt. (natürlich hatte auch ich nicht mit einer derart dramatischen Entwicklung gerechnet, wie sie uns schließlich heimgesucht hat; aber wer hätte schon erwartet, dass sie tatsächlich eine so große Bank wie die Lehmans Pleite gehen lassen würden?!)
Nun gut, damals ging ich gleich einen Schritt weiter mit meiner Überlegung und auch heute noch stehe ich zu diesen Überlegungen:
Nach wie vor gehe ich davon aus, dass Mr. Market eine bipolare Störung aufweist und dementsprechend seine depressive Phase auch wieder gegen eine manische Phase eintauschen wird. Wann das passiert kann ich Ihnen natürlich nicht sagen...schließlich bin ich ja kein Hellseher! Aber das es geschehen wird, davon bin ich felsenfest überzeugt.
Doch, von welchen Faktoren hängt es ab, damit der Phasenwechsel vonstatten gehen kann?!
Betrachten wir zunächst einmal die Gegenwart: die Immobilienpreise sind im Keller, die Aktien sind spottbillig, die Rohstoffpreise sind so günstig, dass die Produzenten der Reihe nach schließen müssen. Hier sind Depression und ein deflationärer Faktor am Werk.
Die Preise für Sachwerte sind gefallen ,was augenscheinlich den Wert von Geld (im Moment vor allem den des US-Dollars der die Krise finanziert und den des japanischen Yens aufgrund von Carry-Trade-Auflösung und hoher Risikoaversion oder auch des Schweizer Frankens als ewig sichere Währung) erhöht.
Woran liegt das? Nun, in erster Linie daran, dass die Nachfrage nach diesen Sachwerten gefallen ist. Dies einerseits aufgrund von notgedrungenen Verkäufen von Seiten der in Not Geratenen und andererseits aufgrund von Panik, Angst und Zurückhaltung von Seiten derjenigen die kaufen könnten (mit Ausnahme des legendären Warren Buffett).
Und dies ist die Liquiditätskrise! So lange jeder vor Angst (und damit meine ich vor allem die Banken und andere Kreditgeber) sein Geld hortet, muss Cash als lohnenswerteste Anlageform erscheinen. Damit verstärkt sich allerdings der deflationäre Druck ebenso, wie die depressiven Auswirkungen auf die Realwirtschaft.
Auf der anderen Seite stehen nun aber die Zentralbanken und Staaten. Sie haben erkannt, welche verheerenden Auswirkungen das Cash-Horten der Institutionellen auf die Realwirtschaft hat. Um also diesen Auswirkungen entgegen zu stehen pumpen sie nun Unsummen an Liquidität ins System.
Was heißt das?
Dies bietet gerade die Ausgangslage für das Wahr werden" des oben genannten weiteren Schrittes in meinen Überlegungen.
Die Zentralbanken und Staaten sorgen dafür, dass weiterhin Liquidität vorhanden ist...nur muss sie jetzt nun auch noch genutzt werden.
Gegenwärtig ist das noch nicht der Fall! Noch sind die Banken bockig und widerspenstig.
Doch bedenken Sie folgendes: günstig zur Verfügung gestellte Liquidität ist einer der Hauptfaktoren für eine neue Blase.
Gegenwärtig hängt also alles von den Banken ab. Wenn diese endlich anfangen die ihnen zur Verfügung gestellte Liquidität zu nutzen, mit ihr zu arbeiten, sie zu verleihen, dann befindet sich nicht nur die Wirtschaft wieder auf dem Weg der Erholung, dann tritt auch Mr. Market wieder in eine manische Phase über.
Und genau dann könnte es wohl in Konsequenz des Übermaßes an Liquidität zum zweiten Schritt in meinen Überlegungen kommen: zum inflationären Szenario.
Was dann wertvoller ist als Geld? Alles andere und vor allem Gold.
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