Deflation – oder doch Inflation?
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 5. November 2008, 20:00 Uhr
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Liebe Leser,
zuerst wollte ich es ja nicht tun, doch jetzt muss ich doch noch einen kurzen Kommentar zur US-Wahl abgeben: Also Sympathieträger Obama wird - wie erwartet - der 44. Präsident der USA! Das freut mich für all diejenigen die nun mit mehr Hoffnung in die Zukunft blicken. Hoffnung ist schließlich der Antriebsmotor des Menschen. Alles in allem muss ich sagen, dass auch ich den Mann zwar sympathisch finde, dennoch bleibt er am Ende eben doch nur ein US-amerikanischer Präsident. Obwohl es schon etwas besonderes ist, dass ausgerechnet ein Politiker zum großen Sympathieträger der Menschen - auch und vor allem außerhalb seines Landes - wird. Das kommt wohl in jeder Generation nur einmal vor. Und dennoch, auch Obama kann nicht übers Wasser laufen und wird sehr wahrscheinlich Entscheidungen treffen, die er vielleicht nicht gerne trifft und die ihn auch wieder Sympathiepunkte kosten können. Jedenfalls steht der Mann (und sein Team) gleich zu Beginn seiner Amtszeit vor einer harten Bewährungsprobe. Er und sein Team sehen sich in diesem Moment mit der politischen Führung eines Landes konfrontiert, welches noch immer knietief im Morast steckt. Die Auswirkungen der Finanzkrise sind nicht verschwunden, weil Barrack Obama den ungeliebten George W. Bush abgelöst hat. Ehrlich gesagt, ich wäre in diesen Zeiten nicht gerne US-Präsident geworden! Dennoch, wünsche ich ihm Glück, dem Sympathieträger!
So viel dazu, man wird sehen wie und ob sich Obama bewährt. (na ja, zumindest sollte er die Legislative hinter sich haben - Mehrheit der Demokraten im Kongress).
So jetzt aber genug...zurück zum Thema!
Deflation in aller Munde
Gegenwärtig hören wir von allen Seiten, dass es die Inflation nicht mehr gibt. Das neue Schlagwort ist Deflation! Zentralbankchefs rund um den Planeten versichern uns, dass im Moment die Inflation kein Thema mehr für sie ist und sie sich stattdessen große Sorgen wegen der Deflation machen.
Hmmm...ganz Unrecht haben sie ja nicht. Ich hätte diese Aussagen allerdings schon im August erwartet. Schon damals ließ Lombard Street die Bombe platzen und berichtete von einem massiven Einbruch des Broad Money (welches Lombard Street anstelle der von den USA nicht mehr veröffentlichten Geldmenge M3 berechnet). Sie mögen sich erinnern, ich habe Ende August/Anfang September davon berichtet. Ja, ein massives Anzeichen für die Finanzkrisenlawine die uns kurze Zeit später überrollt hat (gut, ich gebe zu, auch ich hatte eigentlich mit etwas sanfteren Auswirkungen/Übergängen gerechnet, welche vielleicht auch sanfter geblieben wären, hätten Ben und Henry nicht den Versuch gestartet einmal eine große Investmentbank so richtig pleite gehen zu lassen...aber lassen wir das). Jedenfalls verhallte Lombard Streets Bömbchen nur von wenigen wahr genommen.
Und heute?
Nun wir haben mit angesehen, wie Unmengen an Kapital an den Aktienmärkten vernichtet wurde. Wir haben zugesehen wie die Rohstoffpreise in den Keller gedrückt wurden. Wir sehen die Immobilienpreise in den Immobilienblasenländern fallen.
Aber haben wir auch eine Deflation?
Nun, betrachtet man die Preise der Vermögenswerte kommt man schon auf die Idee. In den vergangenen zwei Monaten wurde dermaßen viel Kapital aus den Märkten abgezogen, dass die Vermögenswerte deflationieren.
Ich persönlich halte das, was wir gegenwärtig sehen allerdings für einen Spezialfall: eine Vermögensdeflation.
Erfahrungsgemäß müsste eine Deflation auch mit einer Verringerung der umlaufenden Geldmenge einhergehen. Es lohnt sich heute also einen Blick auf das aktuelle Volumen der Geldmenge zu werfen.
Geldmenge in den USA steigt wieder massiv an
Um diese Aussage zu belegen habe ich Ihnen im zweiten Teil des Dailies eine aussagekräftige Grafik mitgebracht, welche Sie sich unbedingt anschauen sollten. Die Quelle des Charts ist die Federal Reserve Bank of St.Louis. Der Zentralbank zufolge hat sich die Geldbasis in den USA seit Anfang September fast verdoppelt.
Helikopter-Ben
...so wird Ben Bernanke oft schmählich betitelt, weil er einst vorschlug zur Lösung einer Krise, wie wir sie gegenwärtig erleben, wenn nötig per Helikopter Dollar-Noten abzuwerfen. Aber Ben ist kein dummer Mensch! Er hat ausgiebig die Geschichte studiert und versucht Lösungsstrategien für alte Fehler zu entwickeln. So glaubt er, die Zeit der Great Depression hätte durchaus verkürzt werden können, wenn damals die Regierung schneller und umfassender reagiert hätte. Ben hat also sowohl eine Vorstellung von dem was er zu tun hat, als auch ein Ziel. Und er tut schlicht und ergreifend das was er für richtig hält: Dollar-Noten abwerfen (metaphorisch gesprochen).
Und er ist dabei nicht alleine! Weltweit pumpen die Zentralbanken massenweise Liquidität ins (Banken)system. (Bis auf die Chinesen, die pumpen auch in die großen Unternehmen der Realwirtschaft).
Nur, dass diese Liquidität im Moment noch nirgends ankommt und stattdessen irgendwo bei den Banken (na ja, ich möchte nicht sagen verrottet), ähm übergangsweise verbleibt. Die lugen nämlich immer noch ängstlich und nur zaghaft unter dem Schreibtisch hervor und reichen nur zögerlich mal eine Dollar-Note heraus.
Aber wir alle wissen, dass dieser Zustand nicht lange anhalten kann (darf). Irgendwann werden die Banker sich wieder an den Schreibtisch setzen und die günstige Liquidität offenherzig weiter verteilen. Irgendwann werden sie ihre Ängste immer mehr ablegen und sich neuer Risikobereitschaft erfreuen. Vielleicht nicht unbedingt deshalb, weil sie alle so herzensgut wären und ihnen die Realwirtschaft am Herzen liegt, sondern weil ihnen irgendwann klar wird welche Chancen sich durch billiges Geld nach einer Krise ergeben.
Die Folgen
Mr. Market findet zurück in die Manie. In Kindlebergers Kreislauf gesprochen: zunächst zieht das Wirtschaftswachstum wieder an, Zufriedenheit (Wohlstand) macht sich breit und die nächste Blase kann beginnen.
Konkrete Folgen im aktuellen Fall für den US-Dollar: Die US-Währung muss inflationieren und abwerten (wohl eher langsam dank China). Und vielleicht wird es Zeit sich Gedanken über eine Statusänderung des US-Dollar zu machen. Ähnliches müsste für den Euro gelten; auch diese Währung müsste abwerten. Man wird sehen was aus ihr wird!
Sich daraus ergebende Folgen: Bester Inflations/Krisenschutz ist und bleibt Gold! Die neue Euphorie braucht neue Kanäle in die sie ihre Euphorie, sprich das Geld lenken kann. Oft sind neue Boomthemen solche die am Anfang fundamental sind. Was wäre fundamentaler als Infrastruktur-Rohstoffe und China? Besonderes Augenmerk für ein nächstes wahrhaftiges Blasenthema sollte man vielleicht auf die Alternativen Energien richten. (doch dazu in einem späteren Daily mehr und ausführlich)