Deflation noch nicht tot
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 14. August 2003 18:00 Uhr
ENL5454
In der heutigen Ausgabe des Investor's Daily versuche ich, Ihnen mehr für Ihr Geld zu geben – was nicht zu schwer sein sollte, da Sie dafür ja nichts bezahlt haben.
Zunächst einmal die essentielle Einsicht: Inflation folgt auf Deflation, Deflation folgt auf Inflation.
Seit den 1930ern ist in den USA immer nur Inflation auf Inflation gefolgt. Wird jetzt einmal die Deflation an der Reihe sein? Ich denke schon.
Aber nicht notwendigerweise die Deflation, mit der man rechnet. Die Inflation auf Konsumentenpreisebene fällt seit den 1970ern. Vor kurzem ist sie Richtung Null gegangen. Und mich würde es nicht überraschen, wenn sie wie in Japan unter Null fallen würde ... das würde meinen Schlaf nicht stören.
Was hingegen vielen Amerikanern schlaflose Nächte bringen würde, wäre eine "Deflation" bei den Aktienkursen. Niemand beschwert sich, wenn Aktienkurse, Anleihen oder Immobilien mit zweistelligen Prozentraten wachsen.
Wir befinden uns in der Mitte eines Topps bei den Aktienkursen. Die Aktien sind fast 20 Jahre gestiegen ... und jetzt haben sie in den USA ein KGV von durchschnittlich 32. Sie sind 4 Mal so teuer als zu Beginn des Bullenmarktes. Und auch die Anleihenkurse befanden sich bis vor 2 Monaten in einem 21jährigen Bullenmarkt. Die Renditen sind immer noch so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr. Und auch der Dollar ist in den letzten 20 Jahren gegenüber dem realen Geld – dem Gold – gestiegen. All diese Dinge werden jetzt eine "Deflation" erleben.
Man kann es auch als "globale Schuldenblase" sehen, so der britische "Business Standard." Die privaten Schulden als Anteil des Bruttoinlandsproduktes (BIP) sind in Großbritannien auf 189 % gestiegen, so der Business Standard. In Deutschland und den USA liegt dieser Wert bei 145 %. Schulden stehen hinter allem ... all die Spekulationsblasen sind mit Schulden angeheizt worden, die immer weiter gestiegen sind, auch während des letzten Abschwungs. Konsumentenkredite (und besonders die Hypotheken) haben den Leuten das Geld gegeben, das sie zum Konsumieren haben wollten. Es waren auch Kredite, die den US-Unternehmen Gewinne gebracht haben. 1982 kamen weniger als 10 % der Unternehmensgewinne aus den Finanzabteilungen der Unternehmen (Finanzierungen, etc.). Jetzt liegt dieser Anteil bei 40 %.
"Der Markt hängt von niedrigen und fallenden Zinssätzen ab", so der Business Standard.
Aber jetzt steigen die Zinsen wieder. Und eine Schlagzeile in der Los Angeles Times sagt uns, dass die "Anträge auf Kredite im Juli um 22 % gefallen sind."
Irgendwann, irgendwie, wird auf die Inflation der letzten 2 Jahrzehnte eine Deflation folgen. Wann? Wie? Das ist das Thema dieser täglichen Chronik ... deshalb bleiben sie dran.
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