Deflation: halten die Argumente?!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 24. März 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
es ist ja nun so, dass das Schreckgespenst welches dieser Tage die Zentralbanker und Politiker vor allem in den westlichen Industrienationen, zumindest offiziell des Nachts heimsucht, jenes mit dem abscheulichen Namen Deflation ist.
Und da sie nun zu nächtlicher Stunde von der Deflation bedroht werden, dürfen sie ganz bewusst nach der Wiederkehr der Inflation rufen (siehe insbesondere die Handlungen der FED).
Doch noch immer stellt sich die Frage: Handelt es sich wirklich um eine Deflation?
Ich möchte diese Frage nach wie vor mit einem Jein beantworten. Sicher, der Rückgang der Aktienmärkte seit letztem Jahr und auch der Sturz der Immobilienpreise in vielen Ländern, weisen durchaus deflationären Charakter auf. Doch wie ich schon mehrmals schrieb, handelt es sich in meinen Augen hierbei um eine Sonderform der Deflation: die Vermögensdeflation.
Diese Vermögensdeflation wird insbesondere in den USA mit - ich sage einmal - inflationären Maßnahmen bekämpft.
So weit nichts Neues!
Doch die Frage, die den Einzelnen beschäftigt oder zumindest beschäftigen sollte, ist viel eher, ob wir es tatsächlich auch mit einer Deflation bei Konsumgütern zu tun haben.
Der RBA Commodity Price Index (Sie erinnern sich sicher an den gestrigen Daily) sagt Nein. Zumindest nicht außerhalb der US-Währung. Fragen Sie sich selbst! Haben Sie bereits beim täglichen oder wöchentlichen Einkauf der wichtigsten Konsumgüter des täglichen Lebens - also beim Kauf verarbeiteter Agrarrohstoffe -einen signifikanten Preisrückgang bemerkt. Um ehrlich zu sein, ich nicht! (Auf der anderen Seite sind die Reinflationierungsbemühungen der EZB aktuell auch nicht so gewaltig wie die der FED.)
Grundsätzlich ist die Argumentation folgende: wenn die Rohstoffpreise fallen, dann sinken die Kosten und am Ende auch die Preise die der Konsument bezahlt. Daraus - so die Angst - entsteht ein deflationäres Szenario, welches die Zentralbanken wiederum - durch Zinssenkungen im einfachen Fall oder massives Quantitative Easing im schweren Fall - verhindern müssen. Wobei man sie dann am Ende dafür beglückwünschen muss, wen sie die Inflation wieder auf die Beine gebracht haben.
Aber haben sie auch Recht?
Ich sage es frei heraus: sofern es um die Agrarrohstoffe geht, haben sie meiner Meinung nach nicht Recht.
Warum ich dieser Meinung bin verrate ich Ihnen im zweiten Teil....