Deflation größere Gefahr als Inflation!
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 09. Juli 2004 18:00 Uhr
ENL5454
*** "Aktuell ist die Aufmerksamkeit der Investoren eher auf die Drohung einer Inflation – steigender Preise – gerichtet als auf eine Deflation", schreibt mein alter Freund Martin Spring.
Aber die Inflation könnte meiner Ansicht nach eine geringere Bedrohung sein als die Deflation. Weil ...
- Die Verbreitung des Internets ... die Kosten gesenkt und die Produktivität erhöht hat.
- Der Wettbewerbsdruck aus den asiatischen Ländern wird mit dem Aufstieg Chinas stärker. Auch im Bereich Dienstleistungen (Verwaltung, Kundendienstleistungen, Programmieren, Entwicklung und Forschung).
- Der Wettbewerb wird sich intensivieren als Konsequenz von Deregulierungen, Liberalisierung des Welthandels, Privatisierung, der Verbreitung des Kapitalismus in der freien Welt. Das hat zu globalen Überkapazitäten bei allen Arten von Gütern und Dienstleistungen, alt wie neu, geführt ...
- Das Aufkommen eines internationalen Währungssystems, das einer Inflation feindlich gegenüber steht. Die Zentralbanker haben gemeinsam, dass sie die Preise stabil halten wollen. Bei den ersten Zeichen eines Inflationsproblems wird das globale Kapital aus der entsprechenden Währung fliehen, während die Anleiheninvestoren die Zinsen hochtreiben werden – was zu sofortigen unangenehmen politischen Konsequenzen für die betreffenden Regierungen führen wird.
Es gibt Fed-Gouverneure wie Ben Bernanke, die eine mögliche Deflation als kein Problem ansehen. Denn "wir haben eine Technologie, die sich Notenpresse nennt", meint er. Nun, in Japan, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, haben sie eine solche Politik des "leichten Geldes" jahrelang ausprobiert. Seit dem Platzen der Spekulationsblasen am japanischen Aktien- und Immobilienmarkt.
Man könnte argumentieren, dass Japan ohne diese Politik des leichten Geldes nicht nur eine jahrelange Stagnation, sondern eine jahrelange Depression erlitten hätte.
Jedenfalls hat die japanische Regierung so große Ausgabenprogramme mit geliehenem Geld gestartet, dass die japanischen Anleihen das Ranking eines Dritte-Welt-Landes bekommen haben. Und in den letzten 5 Jahren hat die Bank of Japan Geld "gedruckt", indem sie den Banken Kredite zu Zinsen von nahezu 0 % hat zukommen lassen.
Und dennoch sind die Preise gefallen.