„Day Turbos“ – was davon zu halten ist
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 11. Dezember 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Öfter mal was Neues.
Wenn Sie (wie ich) mit Zertifikaten traden, dann haben Sie vielleicht mitbekommen, dass es nun auch „Day Turbos" gibt.
Das sind Hebel-Zertifikate (Hebel bis zu 100!) auf gängige Basiswerte wie den DAX-Future.
Laufzeit: Nur einen Tag. Spätestens um 22 Uhr am jeweiligen Tag ist Feierabend, sprich der innere Wert wird dann ausbezahlt. Und wie bei allen Turbos gibt es eine Knock-Out-Barriere: Wenn die innerhalb des Tages erreicht wird, dann verfällt der Schein wertlos.
Als Rheinländer frage ich mich bei solchen Dingen zunächst einmal redegewandt: „Wat soll dä Quatsch?"
Was ist davon zu halten? Warum ist ein Turbo mit hohem Hebel und einem Tag Laufzeit besser oder schlechter als ein Turbo mit hohem Hebel und Endlos-Laufzeit?
Es gibt einen Punkt.
Und zwar das „Gap-Risiko".
Das bedeutet dies:
Der Emittent sichert sich natürlich ab, wenn er solche Scheine verkauft. Und zwar kann er dies via Eingehen von Positionen auf den DAX-Future. Wenn der Emittent Scheine ohne Laufzeitbegrenzung ausgegeben hat, kann es passieren, dass diese Scheine „über Nacht" ausgeknockt werden.
Wenn z.B. der DAX Future an einem Morgen wegen irgendwelchen schlechten Zahlen aus den USA z.B. direkt um 2% niedriger eröffnet, als er am Vortag geschlossen hat.
Dann kann es sein, dass an einem Morgen direkt 1 oder 2% unter der Knock-Out-Barriere eröffnet.
Nehmen wir an, es handelt sich um ein Long-Zertifikat und der Schein ist dann verfallen. Dann hat auch der Emittent einen Nachteil...denn er hat sich abgesichert auf dem Niveau des „Knock-Outs".
Die Differenz zwischen „Knock-Out-Niveau" und dem tatsächlichen Kurs, zu dem er seine Sicherungspositionen glattstellen kann, ist dann der Verlust des Emittenten.
Nennt sich „Gap Risiko". Gap heißt auf englisch „Lücke", und genau diese Lücke ist gemeint: Zwischen dem Schlusskurs des Vortags und dem Eröffnungskurs des Folgetags.
Dieses Risiko lässt sich der Emittent finanzieren. Es gibt bei Turbos ohne Laufzeitbegrenzung entsprechend einen entsprechenden, gewissen Risikoaufschlag. Der ist relativ gering, aber er existiert.
*** Und nun zurück zu den Eintagsfliegen = „Day Turbos". (Nach dem Motto: „Eintagsfliegen leben länger.")
Da fällt das „Gap Risiko" weg, da die Scheine nicht über Nacht laufen. Ergo hat der Emittent ein geringeres Risiko, und der Schein wird deshalb ein paar Cents günstiger gepreist.
Also ein minimaler Vorteil gegenüber den „herkömmlichen Turbos", was die Gebühren angeht. Das für sich ist alleine natürlich noch lange kein Kaufgrund. Aber es kann nicht schaden, wenn Sie als Trader von „Turbos" diese Details kennen.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!
Ihr
Michael Vaupel