DAX:....und wieder ein Schritt zurück
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 18. März 2009, 08:00 Uhr
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Dreimal haben sich die Bullen im Verlauf der vergangenen drei Handelstage daran versucht, den Widerstandsbereich 4.054/4.060 Punkten zu überwinden. Nicht einmal war ihnen ein Erfolg beschieden, mit Ausnahme des Montags, der einen Schlusskurs nur knapp unterhalb der Widerstandszone aufwies. Der gestrige Rückschritt aufgrund der schwächlichen Wall Street-Entwicklung war nicht von einem Automatismus gekennzeichnet. Die Sprünge, die die US-Futures im Tagesverlauf vollzogen, stellten allerdings ein deutliches Signal der Unsicherheit an den Märkten dar. Befördert wurde das Ganze von der Mitteilung des Kreditkartenunternehmens American Express über eine höhere Ausfallquote bei Auto- und allgemeinen Verbraucherkrediten. Würde es sich um eine normale Handelswoche handeln, hätten Investoren keinen Augenblick gezögert und die Indizes wieder konsequent auf Talfahrt geschickt. Im Angesicht des bevorstehenden Terminverfalls am kommenden Freitag können aber viele institutionelle Anleger offenbar nicht so wie sie wollen.
Volatilität noch immer auf zu hohem Niveau
Die Tagesschwankungen von zum Teil mehr als 100 Punkte haben bewirkt, dass der VDAX-New, der die wahrscheinliche Schwankungsbreite in den nächsten 30 Tagen angibt, noch immer oberhalb der Schwelle von 40 Prozent notiert. Um dieses Niveau deutlich zu verringern müsste der DAX länger als die typischen fünf bis sechs Tage einer Bärenmarktrallye am Stück stark steigen. Die Bereitschaft der Investoren sich aber angesichts des nach wie vor schwammigen ökonomischen Umfelds länger am Markt zu engagieren ist immer noch zu schwach. Auch die wenig ausgeprägte Marktbreite der Aufwärtsbewegung ist nicht gerad ein Zeichen von Nachhaltigkeit. Während der Finanzsektor seine Gewinne bisher wenigstens weitgehend verteidigen konnte, haben Automobile und Chemie bereits wieder Rückschläge einstecken müssen. Ein gewisses Maß an Kontinuität als eine Voraussetzung für eine Fortsetzung der Stabilisierung ist noch nicht vorhanden.
Aufwärtsdynamik des MACD noch intakt
Die moderaten Kursverluste vom Dienstag haben dazu geführt, dass der jüngste Aufwärtstrendkanal des DAX zur Disposition steht. Gelingt den Bullen heute nicht ganz schnell eine Korrektur dieses Ausrutschers, dürfte es zu weiteren Kursverlusten bis mindestens 3.900 Punkte kommen. Unterschreitet der DAX auch diese Unterstützung werden die Bären wieder den Bereich um 3.820 Punkte in Angriff nehmen. Noch können die Bullen aber darauf hoffen, dass die intakte Aufwärtsdynamik des MACD-Indikators eine Fortsetzung der Rallye bis in die Widerstandsbereiche bei 4.127 und 4.240 Punkten ermöglicht. In jedem Fall steht der jüngste Aufwärtsimpuls nun auf Messers Schneide und benötigt dringend weitere Unterstützung in Form von zusätzlichen Umsätzen. Bleiben die aus, haben die Bullen erst einmal ausgespielt.
MDAX-Werte im Stresstest
Die Bilanzsaison steht heute im Zeichen des MDAX. Mit SGL Carbon, Lanxess, Krones und Wacker Chemie berichten heute vier Unternehmen aus dem Nebenwertebereich über den Verlauf des letzten Geschäftsjahres und ihre Erwartungen für 2009. Nachdem sich die BMW-Erbin Susanne Klatten sich mit einem kleinen Obolus an dem Grafithersteller SGL Carbon einen Anteil von zunächst acht Prozent gesichert hat, dürfte das Interesse der Analysten vor allem bei diesem Titel liegen. Nach Kursgewinnen von zuletzt mehr als 25 Prozent ging es gestern mal wieder deutlicher nach unten. Vermutlich erwarten Investoren nicht gerade freundliche Nachrichten von Seiten des Vorstandes im Hinblick auf den weiteren Geschäftsverlauf für dieses Jahr. Die übrigen drei Unternehmen werden wohl auch kaum für überschäumenden Optimismus sorgen, zeigen sich doch weder in der Chemie noch beim Maschinenbau kurzfristige Belebungssignale.
US-Konjunkturdaten klären Deflationsbefürchtungen
Noch immer hält eine Mehrzahl der Ökonomen die Wahrscheinlichkeit für eine Deflation in den USA aufgrund der zahlreichen Belastungen für die Verbraucher nicht für gering. Die heute zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten könnten dazu beitragen, mehr Klarheit in diese Diskussion zu bringen. Die Vorhersagen für die Verbraucher-und Erzeugerpreisen im Februar gehen von einer Fortsetzung des Abwärtstrends der vergangenen vier Monate aus. Die nach wie vor ungebremste Zunahme der Arbeitslosigkeit sowie die Rekordanzahl an Versteigerungen von Immobilien dürfte dementsprechend auch der Inflationsrate zugesetzt haben. Vom Ausmaß des Rückgangs wird es abhängen, ob die Deflationsfurcht neu belebt wird oder sich zumindest eine Stabilisierung andeutet. In Sachen Leistungsbilanzdefizit dürfte sich im Vergleich zum Vormonat kaum eine Veränderung ergeben haben. Den leicht rückläufigen Investitionen in den USA steht eine noch geringere Investitionslust der Amerikaner im Ausland entgegen. Sollte der Wert des US-Dollars in den nächsten Monaten aber doch noch einmal gegenüber den wichtigsten Währungen Euro, Yen und Yuan stärker abwerten, könnte dies zu Produktionsverlagerungen in die USA führen. Hierzu müsste allerdings die Regierung Obama die Rahmenbedingungen für Investitionen ein Stück weit aus ihrem bürokratischen Korsett herauslösen. Vor dem Hintergrund einer bald zu erwartenden Arbeitslosenrate von offiziell 10 Prozent könnte der Handlungsbedarf sehr schnell zunehmen.
Konjunkturdaten: USA: 13.30 Uhr: Verbraucher- und Erzeugerpreise, Inflationsrate (Februar), 14.45 Uhr: Leistungsbilanz viertes Quartal
Unternehmen: Jahreszahlen: BMW, Krones, Lanxess, SGL Carbon, Wacker Chemie; Zahlen zum dritten Quartal: Nike, Oracle
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 3.912; 3.945; 3.983
Widerstände: 4.053; 4.127; 4.240
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
