DAX:Technische Gegenreaktion
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 13. August 2009, 08:00 Uhr
ENL5462
Die in der gestrigen Analyse so nebenbei erwähnte20-Tage-Linie bremste gestern den frühen Elan der Bären. Bei 5.252 Punkten drehte der Markt nach oben und leitete die technische Gegenreaktion auf die Verluste des Vortages ein. An der Widerstandsmarke von 5.350 Punkten verließ die Bullen im Angesicht der bevorstehenden Leitzinsentscheidung der US-Notenbank dann der Mut. Dabei bestand dazu überhaupt kein Anlass, den die Notenbanker gaben genau das von mir erwartete Statement ab. Im Prinzip erkennen sie eine leichte Verbesserung der Lage der US-Wirtschaft an, die eingeleiteten Maßnahmen zur Sicherstellung liquider Märkte bleiben aber auf absehbare Zeit noch erhalten. Eine Zinserhöhung ist damit noch in weiter Ferne, und wird wohl vermutlich nicht vor Mitte 2010 erfolgen. Die US-Aktienmärte nutzte diese positive Nachricht zu einer kleinen Rally, die aber wieder schnell in sich zusammen fiel. Die Ausgangsposition bleibt damit unverändert: Die Bullen müssen noch einen Zahn zulegen, wenn sie vor einer weiteren Abwärtswelle bewahrt werden wollen. Die wahre Reaktion des US-Marktes auf die Notenbankentscheidung wird sich aber erst heute zeigen. In der Regel muss man das Statement der Federal Reserve zwei bis drei Mal lesen, um alle Botschaften des Gremiums herauszufinden. Findet sich auch nach mehrmaligem Erfassen der Zeilen kein Hinweis auf eine Verringerung der Liquiditätsausstattung für die US-Wirtschaft, dürfte die Rally an den Aktienmärkten mit frischem Winde versorgt werden.
Versorger setzen zum Höhenflug an
Für einen deutlichen stabilisierenden Faktor im DAX sorgten gestern die Versorger-Titel. Da ihre Gewichtung zu den stärksten im deutschen Standardwerte-Index zählt,konnten die frühen Verluste im Bereich der Finanzaktien, deren Gewichtung ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist, mehr als ausgeglichen werden. Ob sich damit eine längerfristige Outperformance gegenüber anderen Sektoren entwickeln wird, muss man sehen . In jedem Fall dürfte die Vernachlässigung der Branche durch die Anleger in den vergangenen Monaten ihr Ende gefunden haben.
Noch keine Entwarnung für die Bullen
So leicht geben sich die Bullen nicht geschlagen, der ersten größeren Abwärtsbewegung seit fünf Wochen folgte umgehend der Rebreak der Widerstandszone um 5.296 Punkte. So weit, so gut. Die zweite wichtige Hürde bei 5.351 Punkten wurde hingegen ganz knapp nicht überwunden. Nur wenn den Bullen dies heute nachhaltig gelingt, dürfte eine zweite Abwärtswelle in Richtung 5.177 Punkten ausbleiben. Richtig bullisch wird es ohnehin erst wieder oberhalb der jungen Abwärtstrendlinie bei 5.446 Punkten. Die Kursziele sind dafür nach wie vor klar definiert. Nach einer kleinen Zwischenstation bei 5.502 Punkten wäre der nächste Anlaufpunkt 5.639 Punkte. Wer auf der sicheren Seite sein will, wartet ein neues Kaufsignal ab. Für die Bären ist allerdings wichtig, dass ihr frisches Verkaufssignal nicht durch die Bullen wieder aufgehoben wird. Sie brauchen jetzt ebenfalls einen nachhaltigen Terraingewinn bis mindestens 5.177 Punkten, um den Käufern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Es sei nochmals erwähnt, dass sich der Markt momentan extrem schnell bewegt und Kehrtwendungen sehr abrupt vornehmen kann. Der Grundton spricht aber immer noch für die Bullen.
Bruttoinlandsprodukt im Euroraum erholt sich
Endlich wieder gute Nachrichten auch aus der Eurozone. Nach dem Ergebnis des traurigen ersten Quartals verspricht das Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal wieder einen Hoffnungsschimmer auf bessere Zeiten. Nach Schätzung der befragten Volkswirte soll die Schrumpfung nach 2,5 Prozent im ersten Quartal nur noch 0,4 Prozent im zweiten Quartal betragen. Wie in den USA handelt es sich bei der ersten Zahl aber nur um eine Schätzung, die reale Wachstumsquote wird erst in vier Wochen veröffentlicht. Psychologisch von größerer Bedeutung wäre aber, wenn unter dem Strich wieder ein positives BIP stehen würde. Dies würde jenen Ökonomen Auftrieb geben, die eine V-förmige Erholung der Wirtschaft unterstellen. Viele Aktienindizes haben dieses Szenario in ihren Charts schon abgebildet. Es wäre sicher den meisten Investoren recht, wenn die Börse wie vor einem Jahr beim negativen Szenario auch in der positiven Prognose recht behalten würde. Dem Euro könnte eine solche Entwicklung ebenfalls gut tun.
Einzelhandelsumsätze in den USA bleiben schwach
Achillesferse der wirtschaftlichen Erholung in den USA bleiben die Verbraucher. Auch wenn die Arbeitslosenquote im vergangenen Monat leicht nachgegeben hat, dürften die Konsumenten ihre Zurückhaltung beim Shoppen kaum aufgegeben haben. Ähnliches vermuten die von Bloomberg befragten Analysten, die davon ausgehen, dass die Juli-Einzelhandelsumsätze im Vergleich zum Vormonat nur noch um 0,4 Prozent gewachsen sind. Im Juni lag die Wachstumsquote noch bei 0,6 Prozent. Einen größeren Aufwärtsimpuls erwarten Marktbeobachter ohnehin erst wieder im September, wenn die Sommersaison beendet ist und viele Verbraucher sich auf das Weihnachtsgeschäft einstellen. Für die Bewertung durch die US-Notenbank bleibt von Bedeutung, dass die Amerikaner den Geschäften nicht völlig fern bleiben und so eine bisher noch vermiedene Deflationsspirale in Gang setzen. Kommt die Wirtschaft Ende des Jahres stärker zum laufen, könnte das auch den Konsum und damit das Kreditgeschäft wiederbeleben.
Konjunkturdaten: DE: 11.00 Uhr: BIP Euroraum (zweites Quartal); USA: 14.30 Uhr: Handelsbilanzsaldo Juni, 20.00 Uhr: US-Staatshaushalt Juli , 20.15 Uhr: Zinsentscheid US-Notenbank
Unternehmenszahlen: Q2-Zahlen: RWE, Salzgitter, K+S, Rheinmetall, Solarworld, Bilfinger+Berger, Celesio, Jenoptik, Q-Cells, Stada,Klöckner, WalMart.
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.177; 5.235; 5.296
Widerstände: 5.351; 5.451; 5.502
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
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