DAXSec. Automobile: Ganz neue Perspektiven
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 4. Juni 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
das Trauerspiel um die dahinsiechenden US-Autohersteller General Motors und Chrysler hat mit lautem Getöse sein (erwartetes) Ende gefunden. Während hierzulande noch über staatliche Hilfen für Opel diskutiert wird, sortiert sich die Branche völlig neu. Immerhin war General Motors bis zum vergangenen Jahr der größte Automobilhersteller der Welt. Diesen Nimbus wird das Unternehmen, wenn überhaupt, auf absehbare Zeit kaum noch erreichen. Umso mehr ist es für die verbliebenen Wettbewerber besonders wichtig sich jetzt die Pool-Position für die Zeit nach der Weltwirtschaftskrise zu sichern. Mag auch aktuell noch großes Wehgeschrei die Rhetorik der Automobilmanager bestimmen, hinter den Kulissen haben sie ihre Chance längst erkannt und forcieren die Marktbereinigung nach besten Kräften. Inwieweit der eine oder andere Hersteller zurzeit wirklich noch auf direkte staatliche Hilfen angewiesen sein, bleibt dahingestellt. Tatsache ist, wer am schnellsten aus dieser Krise heraus kommt, wird auch den größten Anteil am von GM und Chrysler übrig gelassenen Kuchen bekommen. Das sich vorrangig VW und Toyota als potentielle Nachfolger der Amerikaner ein großes Stück sichern werden, dürfte unstrittig sein.
Daimler und BMW bleiben gute Hausnummern
Kurzfristig noch mit Problemen kämpfen vor allem die sogenannten „Premiumhersteller" wie Daimler und BMW. Das Hauptgeschäft mit den Businesskunden liegt nach wie vor brach und wird noch einige Zeit benötigen, bis eine nachhaltige Erholung einsetzt. Nach Einbrüchen bei den Absatzzahlen im dritten und vierten Quartal 2008 sowie im ersten Quartal 2009 stellt sich langsam eine Stabilisierung ein. Die von der Abwrackprämie entfachte Sonderkonjunktur, von der nur die kleinen Modelle der beiden Hersteller profitieren, wird in ihrer stimulierenden Wirkung spätestens im vierten Quartal 2009 nachlassen. Von da an ist mit einem nochmaligen Absatzeinbruch zu rechnen, den Analysten mit einem Minus in der gleichen Höhe über das Jahr 2010 rechnen wie in diesem Jahr: - 7 Prozent. Unabhängig davon, ob diese pessimistische Prognose so eintrifft oder nicht, die Talsohle haben die Aktienkurse bereits eingepreist. Viel mehr bewegen strategische Überlegungen der Zukunft schon wieder die Preise der Anteilsscheine. So waren Automobilaktien seit Beginn der siebziger Jahre nur dreimal ähnlich günstig bewertet wie jetzt. Die beiden Ölkrisen 1973 und 1981 sowie das Ende des deutschen Widervereinigungsbooms 1994 erwiesen sich als ideale Gelegenheiten nach mittelfristigen Gesichtspunkten Autoaktien preiswert zu erwerben. Das Ende der auf der Grundlage von Benzin betriebenen Autos wird zwar nicht in den nächsten fünf Jahren zu erwarten sein, der politische Druck emissionsfreie, marktreife Fahrzeuge für ein breites Publikum zu entwickeln, wird allerdings zunehmen. Hieraus werden sich neue Bündnisse knüpfen, wie das zum Beispiel Daimler schon mit dem Stromzulieferer E.ON eingegangen ist. Keine Frage, Qualitätshersteller wie Daimler und BMW werden auch in Zukunft zu guten Hausnummern der weltweiten Autoindustrie gehören.
Konzentrationsprozess in der Zulieferindustrie
Von stärkeren Erschütterungen werden hingegen die Zulieferunternehmen in der Autoindustrie getroffen. Der US-Zulieferer Delphi rutschte schon weit vor seinem Hauptauftraggeber GM in die Insolvenz, weil der Automobilhersteller seine eigenen Probleme zunächst an die schwächsten Mitglieder der Lieferkette weitergab. Ähnliche Tendenzen sind auch in der europäischen Autoindustrie zu erkennen, wo nicht nur das fränkische Unternehmen Scheffler und der niedersächsische Konzern Continental ins Schlingern gerieten. Auch Elring-Klinger oder Valeo, in der Branche als wichtige Komponentenhersteller geschätzt, mussten erhebliche Einbußen hinnehmen. Der Konzentrationsprozess wird sich deshalb in nächster Zeit noch verschärfen, denn die abspeckenden Autohersteller werden ihre Lieferkette nach weiteren Einsparmöglichkeiten durchforsten. Dabei werden die Anforderungen an die künftigen Partner im Hinblick auf Flexibilität und technologischer Marktführerschaft noch steigen. Für viele mittelständische Firmen bedeutet das den Zwang zu Übernahmen und Fusionen. Sind die Voraussetzungen an den Finanzmärkten soweit gediehen, dass Übernahmefinanzierungen wieder problemlos zu bewerkstelligen sind, werden eigenkapitalstarke Betriebe ihre eigenen Anstrengungen zur Expansion verstärken. Vor dem Hintergrund eines sich stark verändernden Wettbewerbsumfeldes werden viele Aktienkurse in der Autobranche von dieser Entwicklung überdurchschnittlich profitieren.
Aufwärtstrend setzt sich kurzfristig fort
Die Automobilaktien erreichten den absoluten Tiefpunkt der seit Anfang 2008 laufenden Baisse bereits eine Woche vor dem Gesamtmarkt mit 370 Punkten am 2. März dieses Jahres. Seither ging es unter Schwankungen bis zur 200-Tage-Linie aufwärts. Nach Kursgewinnen von 50 Prozent innerhalb von zwei Monaten konsolidierte der DAXSector Automobile über den gesamten Monat Mai. Hauptursache war ohne Zweifel die Insolvenz von Chrysler Anfang Mai und die Unsicherheit über die Zukunft von GM. Das Ende der Hängepartie zu Beginn dieser Woche löste ein neues Kursfeuerwerk bei Auto-Aktien sowie ein weiteres Kaufsignal aus. Der Rückschlag des gestrigen Tages hat an dem positiven Chart-Bild nicht geändert, der Pull-Back auf die 200-Tage-Linie stellt lediglich eine Trendbestätigung dar. Das nächste Kursziel der Aufwärtsbewegung liegt im Bereich der nächsten Widerstandszone um 600 Punkte. Unterstützt wird das positive Gesamtbild von Kaufsignalen in den Trendindikatoren MACD und CCI. Nach einer weiteren Konsolidierung ist eine weitere Aufwärtswelle bis an den sehr starken Widerstand bei 632 Punkten zu erwarten. Von dort aus sollte der Index dann eine längere Seitwärtskonsolidierung einleiten, die wohl erst im Spätherbst dieses Jahres beendet werden wird.
