DAX:Nur ein Hauch bis zum nächsten Kursrutsch
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 9. März 2009, 08:00 Uhr
ENL5454
Der Jahrsauftakt 2009 gibt sich alle Mühe dem missratenen Börsenjahr 2008 Konkurrenz zu machen. Scheinbar haben sich die Bären den März als besonders geeigneten Börsenmonat für ihre Attacken auserkoren. Verlor der Index im letzten Jahr vom Jahresanfang bis Mitte März rund 23,4 Prozent, sind es bisher schon 23,8 Prozent und bisher deutet nichts darauf hin, dass den Bären die Luft ausgeht. Zu viele Unsicherheiten bestimmen derzeit das Börsenbild: Immer noch instabile Banken, zunehmende Nachfrageinbrüche in der Industrie, politische Uneinigkeit bei den Lösungsansätzen für die Kreditklemme. Nicht unlieb wäre es den Börsianern, wenn die Bundestagswahl statt am 27.9. ein halbes Jahr früher stattfinden würde, bliebe ihnen doch noch eine weitere Phase der Unsicherheit zumindest in dieser Hinsicht erspart. Etwas Hoffnung vermittelt die Tatsache, dass der März häufig als Monat für einen zyklischen Tiefpunkt bekannt ist. Nicht nur in 2008 auch in 2003, im Rahmen der letzten Baisse war das so. Mit dem Näherrücken des Weltfinanzgipfels Anfang April in London würde es nicht verwundern, wenn die Volatilität wieder zunehmen würde.
Späte Dow-Rallye könnte DAX stützen
Die Entwicklung der US-Indizes sieht nach wie vor kritisch aus. Ein Hoffnungsschimmer offenbarte sich aber in der letzten Handelsstunde, als der Dow eine Rallye von 160 Punkten hinlegte und noch im Plus schließen konnte. Allerdings gelang den überaus schwachen Technologiewerten dieser Turnaround nicht. Es bleibt somit abzuwarten, welches Signal diese Schlussrallye zu Beginn der neuen Woche aussendet. Der DAX konnte nachbörslich nur ein paar Punkte zulegen, das Polster gegen einen weiteren Angriff der Bären ist sehr dünn.
Erster Anlauf auf zentrale DAX-Unterstützungszone abgewehrt
Der erste Anlauf auf die zentrale Unterstützungszone bei 3.618/3.645 Punkten wurde am Freitag mit dem neuen Jahres-Tief bei 3.638 Punkten unternommen, die Rückkehr der Käufer an der Wall Street führte zu einer erfolgreichen Abwehr durch die Bullen. Die Aufwärtsreaktion dürfte sich heute mit Handelseröffnung fortsetzen. Da dem DAX aber praktisch derzeit jedes Eigenleben fehlt, geht der Blick anschließend wieder direkt nach New York. Im Prinzip ist der deutsche Standardwerte-Index nur einen Hauch vom nächsten Kursrutsch in Richtung 3.300 Punkte entfernt. Die wieder steigende Volatilität, die nur knapp unter 50 Prozent notiert, könnte ein Indiz für einen neuerlichen Kursrutsch sein. Auslöser bieten sich genug an, sei es eine GM-Insolvenz oder neue Finanzlöcher bei den Banken. Das Positive daran: Die Baisse würde ihrem Ende ein weiteres Stück näher kommen, die Marktbereinigung sich beschleunigen.
G-10 Notenbankgouverneure nehmen Stellung zu Bilanzierungsregeln
Heute endet das Treffen der G-10-Notenbankgouverneure in Basel. Die G-10 repräsentieren die wichtigsten zehn Industrienationen, eine Koordination in der Währungs- und Finanzpolitik in der aktuellen Krise gehörte zu einer der ersten Maßnahmen. Kaum einer der Notenbankgouverneure rechnete allerdings mit einem Quasi-Kollaps des Bankensystems. Die heutige Presskonferenz wird deshalb von den Märkten aufmerksam verfolgt werden, denn eines der Hauptprobleme des Bankensektors ist sind die aktuellen Bilanzierungsvorschriften, die von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel erarbeitet und koordiniert wurden. Sollten die Notenbank-Chefs sich für eine stärkere Flexibilisierung aussprechen, könnte dies auch für stärkere Bewegung an den Aktienmärkten sorgen. Zudem dürfte auf etwaige Einschätzungen zur Zinspolitik geachtet werden, die auf die Beurteilung hinsichtlich einer möglichen Deflation in den USA und Europa hinweisen könnte
Continental und Postbank mit Geschäftszahlen
Gleich zu Wochenbeginn stellen mit Continental und der Deutschen Postbank zwei deutsche Standardwerte ihre Geschäftszahlen für das Gesamtjahr 2008 und damit verbunden den Ausblick für 2009 vor. Im Zusammenhang mit Continental wird die Börse auf weitere Details zum weiteren Verlauf des Zusammengehens mit Scheffler achten. Aufgrund der hohen Verschuldung der Scheffler-Gruppe beabsichtigen die Banken auch Teile von Continental zum Verkauf zu stellen. Je nachdem welche Sparten sich am besten geschlagen haben, dürfte dies die Spekulation in nochmals stärker anheizen. Die Postbank, die nun früher in den Machtbereich der Deutschen Bank gelangt ist und unter anderem deshalb auch aus dem DAX absteigen muss, dürfte mit ihren angepassten Abschreibungsbedarf für das 2008 kaum noch die Aktie der Deutschen Bank belasten. Interessant dürfte hingegen die Einschätzung des Vorstandes im Bezug auf den Geschäftsverlauf 2009 sein. Vermutlich geht es zurück zum klassischen Ansatz: Maßvolles Kreditgeschäft, dafür Stärkung des Einlagen- und Privatkundengeschäfts.
Konjunkturdaten: -------------
Unternehmen: Jahreszahlen: Continental, Deutsche Postbank
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 3.591; 3.618; 3.645
Widerstände: 3.733; 3.812; 3.867
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
