DAX:Mai besser als sein Ruf
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 29. Mai 2009, 08:00 Uhr
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Wenn heute nicht noch ein großer Bär über das Parkett läuft, dürfte der Mai unter dem Strich mindestens mit einem Plus von 2 Prozent enden. Bei 4.769 Punkten stand der DAX zum Ende des Aprils und der Verkaufsdruck dürfte bei vielen Einzelwerten begrenzt sein. Die Handelsspanne im gestrigen Tagesverlauf blieb mit knapp 100 Punkten innerhalb der zu erwartenden Grenzen. Die Fortsetzung der schwachen Immobiliendatenreihe brachte das deutsche Standardwertebarometer am Nachmittag aber deutlicher unter Druck, ohne die Unterstützungsmarke bei 4.860 Punkten zu berühren (Tagestief: 4.885 Punkte). Auf der Oberseite blieb ein Anlauf auf die 5.000er Marke bei 4.987 Punkten stecken. Die Gefahr einer Topbildung nimmt im DAX allerdings nun beständig zu, denn mittlerweile werden die Widerstände in Richtung 5.000 Punkte größer. Schien es noch vorgestern so, als das die Bullen diese Marke problemlos hinter sich lassen könnten, offenbaren sie aktuell eine gewisse Zaghaftigkeit. Bereits in den nächsten drei bis vier Handelstagen wird sich entscheiden, ob die Bullen die Kraft für einen weiteren kräftigen Klimmzug haben oder die Bären die Chance nutzen werden, um eine größere Konsolidierung einzuleiten.
GM- Buy on bad news
Das Ausbleiben der groß angekündigten Entscheidung zu einem Investor für Opel hat vor allem die deutschen Automobilwerte deutlich ins Minus gezogen. Eine Rettung von Opel würde auch den Druck von anderen Herstellern nehmen, denn mit einer Insolvenz wären auch erhebliche Konsequenzen für viele Zulieferbetriebe verbunden. Über schnelle und unkomplizierte Stützungsmaßnahmen für diese Unternehmen wird zwar kaum gesprochen, dringend notwendig wären sie aber allemal. Die Weltwirtschaftskrise, die die Autoindustrie insgesamt hart trifft, lässt den Herstellern im Falle der Insolvenz von wichtigen Zulieferbetrieben kaum große Alternativen. Eine Opel-Pleite könnte sich somit auch für andere Produzenten verhängnisvoll auswirken. Erleichtert werden die Aktienmärkte sein, wenn die schon seit Tagen so gut wie feststehende Insolvenz von GM auch tatsächlich bekannt gegeben wird. Spätestens am Montag wird es soweit sein, weil dann die Frist der US-Regierung für die Einreichung eines Sanierungskonzepts abgelaufen ist. Da die Gläubiger keinen notwenigen Forderungsverzicht üben wollen, kann nur das Insolvenzrecht eine dringende Sanierung des einstigen Automobilriesen gewährleisten. In der Regel reagiert die Börse auf schlechte Nachrichten mit Kurssprüngen nach oben, es gilt dann die Devise: Es kann nur noch besser werden.
Bullen bleiben noch am Drücker
Lieblingsbewegungsfeld von Bullen und Bären ist seit Tagen die Handelsspanne zwischen 4.860 Punkten und der 5.000er Marke. Ausreißer zur einen oder anderen Seite wurden relativ rasch wieder eingefangen. Nach den negativen Vorgaben der Wall Street vom Mittwoch haben die Bären zwar etwas Kapital für sich daraus schlagen können, wirklich weiter sind sie damit aber nicht gekommen. Denn der gestrige Verlauf der Wall Street hat die Vorzeichen wieder gedreht und gibt nun wieder den Bullen eine Chance, vor den wichtigen Entscheidungen der nächsten Woche im Hinblick auf GM den DAX entscheidend nach Norden voran zu bringen. Die entscheidenden Hürden, 4.860 Punkte nach unten und 5.038 Punkte nach oben auf Schlusskursbasis, gelten weiterhin. Dazwischen bleibt die Sache unentschieden.
Neue Konjunkturstimmungsbilder aus den USA
Die heute zur Veröffentlichung vorgesehenen US-Konjunkturindikatoren sind dazu geeignet, den Märkten wieder deutlichere Impulse zu verleihen. Ganz besonderes Interesse ruft dabei der US-Einkaufsmanagerindex für den Mai hervor. Befragte Analysten erwarten im Durchschnitt einen Anstieg des Wertes von 40,1 auf 42 Punkte. Erst ein Wert über 50 Punkte signalisiert allerdings wieder eine expandierende Wirtschaft. Je näher der heutige Wert als dieser Marke kommt, desto intensiver wird ein möglicher Aufwärtsimpuls an den Börsen ausfallen. Bleibt der Anstieg des Indikators aber hinter den Erwartungen zurück, dürfte es auch ebenso deutlich mit den Aktienmärkten nach unten gehen. Beim Verbrauchervertrauen der Universität Michigan sind die Erwartungen hingegen wesentlich gedämpfter, denn die steigende Arbeitslosigkeit bleibt der größte Hemmschuh neben den Belastungen aus Hypothekenverbindlichkeiten für die US-Verbraucher. Die Mehrheitsmeinung geht von einer geringen Verbesserung von 67,9 auf 68 Punkte aus. Da bereits eine andere Erhebung, die sich ebenfalls mit den Verbrauchervertrauen befasst, am vergangenen Montag leicht hinter den Erwartungen zurück blieb, dürfte selbst bei moderaten Abweichungen der Einfluss auf die Kurse begrenzt sein.
Ende der Verbotsfrist für Leerverkäufe bei Banken
Heute endet die Frist für sogenannte ungedeckte Leerverkäufe für elf Bankaktien, die das Bafin in der Mitte des vergangenen Jahres erlassen hatte. Dabei handelte es sich um eine Reaktion auf die Pleite der Investmentbank Bear Stearns, die angeblich auch durch spekulative Leerverkäufe beschleunigt wurde. Nach der Stabilisierung der Kurse in den vergangenen drei Monaten wird es zwar zunächst keine Verlängerung der Beschränkungen geben, allein die Tatsache dass die Bafin dieses Mittel bei Bedarf jederzeit wieder einsetzen kann, mahnt zumindest die Trader zur Vorsicht. Die mittelfristige Wirkung, dass hatte ich bereits in einem Artikel hier dargelegt, ist indes sehr begrenzt. Besonders schwierig fällt die Kontrolle von abwärts gerichteten Kettenreaktionen vor allem dann, wenn die Umsätze von ausländischen Investoren getätigt werden. Da in jedem Teil der Welt mittlerweile ein Xetra-Anbindung installiert ist, fällt es leicht, durch Dritte Umsätze vorzunehmen und so die reellen Motive eines Investors zu verschleiern. Porsche hat das ja sehr konsequent, zunächst mit Erfolg, demonstriert.
Konjunkturdaten: USA: 15.45 Uhr: Einkaufsmanagerindex Chicago Mai, 16.00 Uhr: Verbraucherstimmung der Universität Michigan Mai
Unternehmenszahlen: Q2-Ergebnisse: Arcandor
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.802; 4.860; 4.913
Widerstände: 4.956; 4.980; 5.038
Viel Glück ,Erfolg und schöne Pfingsten!
Andreas Wolf
