DAX:Kein Bulle weit und breit
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 21. Januar 2009, 08:00 Uhr
ENL5454
Wer aktuell keine Lust hat auf die deprimierenden Charts am Aktienmarkt zu schauen, der sollte daran denken, dass im Zweifel unter Bulle und Bär immer einer von beiden die Sonne auf seiner Seite hat. Wer also nur mit steigenden Chart-Linien etwas anfangen kann, dem sei empfohlen die Charts einfach umzudrehen, dann stimmt die Richtung wieder. Schnurstracks und ohne irgendwelche größeren Pausen bewegt sich der DAX auf sein im Oktober 2008 verzeichnetes Verlaufstief bei 4.014 Punkten zu. Mit dem gestrigen Handelstag ist nun auch die letzte leichte Hürde bei 4.310 Punkten nach unten auf Schlusskursbasis durchbrochen worden, so dass der Test des beschriebenen Tiefpunktes noch in dieser Woche erfolgen dürfte. Die Urheber dieses Schwächeanfalls beim deutschen Standardwerteindex, die nachgebenden Bankenaktien, führen das Trauerspiel weiter an. Hinzu treten nun aber auch wieder vermehrt Rohstoffaktien, die in den vergangenen Wochen von der Hoffnung einer eingeschränkten Rezession profitiert hatten. Nach den aktuellsten Projektionen dürfte die ökonomische Schlechtwetterfront in den USA aber noch rund sechs Monate anhalten. Für die Aktienmärkte bedeutet dies vermutlich noch eine Leidens-Phase von drei bis vier Monaten. Allerdings sollte unter den derzeit sehr depressiven Eindrücken nicht vergessen werden, dass ein Großteil der Abwärtsstrecke bereits hinter uns liegt und sich für die zweite Jahreshälfte enormes Aufwärtspotential generiert. Noch aber ist Geduld angesagt. Der Abwärtstrendkanal lässt dem DAX heute Raum bis rund 4.115 Punkte, im Extremfall kann es aber auch schon darunter gehen.
Während der ZEW-Indikator mit einer leichten Verbesserung noch für eine kurze Stützung der Kurse sorgte, drückten die Probleme des US-Finanzsystems die Indizes weiter tief ins Minus. Von der neuen US-Administration erwarten die Märkte nun konkrete Lösungsvorschläge für die Misere. Sicher ist, das Obama mit einem Team aus Finanzspezialisten bereits einige Modelle zu einer durchgreifenden Gesundung des Sektors entwickelt hat. Die Entscheidung, für welches er sich entscheidet, hängt aber auch davon ab, wem er wo mit seinen Maßnahmen am stärksten schadet. Das Erstellen eines möglichst ausgewogenen Maßnahmepakets dürfte die wohl schwierigste Aufgabe in dem selbstgesteckten Rahmen der Regierung sein. Bevor Obamas Mannschaft aber dazu kommt, erste Entscheidungen zu treffen, richten sich die Blicke der Anleger auf die Zahlen von General Motors, eBay und nach Börsenschluss auf Apple. Vielleicht ist ja ein Unternehmen dabei, das die Liste der Grausamkeiten wenigstens nicht verlängert. Aus technischer Sicht jedenfalls sollte in den nächsten fünf bis sieben Handelstagen eine positive Überraschung dabei sein.
Konjunkturdaten: --------------------------------------------------------
Unternehmen: Q4-Zahlen und HV: General Motors, ebay, Bancorp, Q1-Zahlen: Apple
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 3.998; 4.014; 4.154
Widerstände: 4.310; 4.460; 4.510; 4.551
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
