DAX: weiter unentschlossen
Andreas Wolf in Investors Daily Update zum Thema Dax 30
vom 19. Dezember 2008, 10:30 Uhr
Heute mit Gastbeiträgen von Andreas Wolf (Dax Daily) und Marcus Neugebauer (Turnaround-Brief)
Liebe Leser,
Die Unentschiedenheit zwischen Bullen und Bären hat sich auch am fünften Handelstag in Folge fortgesetzt. Die Handelsspanne beim DAX verringerte sich auf 70 Punkte und reflektierte damit zum ersten Mal seit den Sommermonaten Juli/August einen fast durchschnittlichen Handelstag. Entscheidende Handelsgrenzen wurden nicht annähernd berührt.
Der Rutsch der US-Indizes setzte erst nach dem Ende des Xetra-Handels ein, so dass die Entwicklung nicht mehr Eingang in die DAX-Bilanz fand. Zur Erinnerung sei aber bemerkt, auch die Wall-Street-Rallye nach der Zinssenkung am Dienstag am Folgetag kaum Eindruck beim deutschen Leitindex hinterließ. Das es durchaus nicht so langweilig unter den dreißig DAX-Titeln zugeht, wie es die Performance des Gesamtindex vermuten lässt, zeigen die Sonderbewegungen bei Werten wie Continental und Linde. Der Kampf um die Abrechungspreise in den Morgen um 17.30 Uhr verfallenden Einzeloptionen ist damit voll entbrannt. Auch bei den Schwergewichten wie Allianz oder RWE ist Bewegung erkennbar. Charttechnisch kann der DAX problemlos noch einmal einen Ausflug in Richtung 4.550 Punkte unternehmen, ohne den jungen Aufwärtstrend zu verletzen. In den sich nach diesem Freitag anschließenden vier Handelstagen ist deshalb noch vieles möglich, eine Abgeltungssteuer-Hausse dürfte es aber wohl kaum noch geben. Wahrscheinlich wird der Ausbruch aus der bestehenden Handelsspanne auf die erste Handelswoche im neuen Jahr verschoben.
Die traditionelle Vorgehensweise der großen institutionellen Anleger, zum Jahresende schlechte Aktien aus dem Depot zu werfen und in gut Gelaufene noch einmal verstärkt einzusteigen, fällt in diesem Jahr praktisch aus. Bis auf VW findet sich nämlich kein Titel, der nicht von der Baisse erfasst worden wäre. Dafür sieht man an der Hausse des Bund-Futures das sich noch einige Marktteilnehmer bei Staatsanleihen etwas unterversorgt fühlen.
Mit Beginn des neuen Jahres werden diese bilanzbestimmten Prozesse sofort wieder umgekehrt. Aktienpositionen werden, da die Quoten extrem abgebaut wurden, auf ein Mindestmaß wieder hochgefahren, während die hohen Engagements in Staatsanleihen wegen der geringen Renditen wieder auf ein normales Maß abverkauft werden. Ein Augenmerk bleibt von Seiten der Investoren auf der Entwicklung des Währungspaares EUR/USD. Die EZB hat gestern auf die rasche Aufwertung des Euro reagiert und untergeordnete Zinssätze gesenkt, um vor allem die Auflösung von Anlagen in US-Dollar zu bremsen. Auch dieses Phänomen ist den Bilanzzwängen geschuldet, mit einer Beruhigung ist zu Beginn des neuen Jahres zu rechnen. Die Volatilität bei Euro/US-Dollar wird aber auch im nächsten Jahr insgesamt hoch bleiben.
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.551; 4.622; 4.668
Widerstände: 4.770; 4.818, 4.964
Viel Glück, Erfolg und ein schönes Wochenende!
Andreas Wolf