DAX: Warum kein Grund zur Panik besteht
Axel Retz in DAX Daily
vom 11. Juni 2007 08:30 Uhr
ENL5462
Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt nur zwei Faktoren, die die Zeit scheinbar schneller vergehen lassen als gewohnt. Der eine zeigt sich, wenn man als Anleger Optionsscheine im Depot hat. Sechs oder neun Monate Restlaufzeit, beim Erwerb der Scheine für „lang" gehalten, vergehen wie im Flug.
Ein vermeintlich beschleunigter Zeitablauf zeigt sich ansonsten nur im Urlaub. So wie bei mir in den vergangenen beiden Wochen. Kaum angetreten, ist die Auszeit auch schon vorbei.
Und wenn ein Urlaub auch wirklich eine Frei-Zeit sein soll, muss man sich zwingen, die Finger vom Geschäft zu lassen. Und das habe ich getan. Und mich dann nach meiner Rückkehr „überraschen" lassen.
Dass die Aktienmärkte nach den bereits zuvor bestehenden markttechnischen Divergenzen in eine Korrektur eingetreten sind, hat mich nicht verwundert. Wohl aber die Begründungen, die dafür herhalten mussten: Die Notenbanken waren schuld!
Wie bitte? Die Zinserhöhung durch die EZB war ausgemachte Sache. Und dass sich in den USA die Inflation auf einem für die FED unangenehmen Niveau bewegt, ist ebenfalls alles andere als eine neue Erkenntnis.
Keine Veränderung hat es auch von fundamentaler Seite gegeben. Denn die Argumente, die die Anleger bis Ende Mai in einen kleinen Kaufrausch versetzten und den Dax bis auf rund zwei Prozent an seine alte Rekordmarke hochschnellen ließen, sind nach wie vor völlig intakt.
Sicherlich nicht wirklich kalkulierbar sind die vom chinesischen Aktienmarkt ausgehenden Risiken. Aber auch das ist ja nicht neu. Und: Der scharfe Rücksetzer in Shanghai lotete im Tief ganz exakt eine seit über sechs Monaten etablierte Aufwärtstrendlinie an, um von dort aus wieder nach oben abzuprallen.
„Passiert" ist bis jetzt also noch gar nichts. Weder fundamental noch charttechnisch. Das, was wir hier sehen, ähnelt (bis jetzt) dem Korrekturverlauf von Februar/März). Und im Langfristchart verblasst die Korrektur der vergangenen beiden Wochen zur Bedeutungslosigkeit. Vergessen sollten wir aber nicht, welche Ausnahmerallye wir in den vergangenen drei Monaten gesehen haben.
Es erscheint daher verfrüht, auch diesmal von einer sofortigen Wiederaufnahme der Haussedynamik auszugehen. Und? Den heiß gelaufenen Aktienmärkten kann es nur gut tun, wenn jetzt einmal etwas Dampf abgelassen wird. Kritisch würde es nur, wenn dabei wichtige charttechnische Auffanglinien unterkreuzt würden. Sehen wir uns die Charts an!
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