DAX: Vorläufige Stabilisierung
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 24. Juni 2009, 08:00 Uhr
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Der deutsche Standardwerteindex musste nicht bis 4.655 Punkte fallen, um die Schnäppchenjäger aus den Startlöchern zu bewegen, bei 4.669 Punkten griffen die Ersten von ihnen zu und hievten den angeschlagenen DAX wieder über 4.700 Punkten. Ein Ausbruchsversuch gen Norden wurde am Nachmittag bei 4.752 Punkten wieder abgefangen. Aktuell ist damit der Kampfgeist der Bullen wiedererwacht, denn zum ersten Mal konnten sie im Zuge der Abwärtsbewegung eine wichtige Unterstützung verteidigen. Eine umfangreiche technische Gegenreaktion muss daraus noch nicht erwachsen, können die Bullen an dieser erfolgreichen Gegenwehr heute festhalten, dürfte es spätestens Morgen zu einem deutlicheren Anstieg kommen. Noch immer ist aber zu beachten, dass die Einflüsse des großen Terminverfalls vom vergangenen Freitag im Markt wirken. Eine vollständige Bereinigung dürfte erst Morgen wegen der Abrechnungsmodalitäten abgeschlossen sein. Zudem wird der DAX auf die Entscheidung der Federal Reserve zur Leitzinspolitik in den USA erst Morgen reagieren können. Bis dahin wird sich die Patt-Situation zwischen Bullen und Bären auf Tagesbasis fortsetzen.
Euro-Stärke fällt auf
Unter dem Vierklang Öl, Gold, DAX und EUR/USD fiel letzterer zu Wochenbeginn durch außerordentliche Stabilität auf und scherte damit aus den bisher zu beobachtenden gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnissen aus. Diese Widerstandskraft wuchs sich gestern zu einem deutlichen Anstieg um zwei Prozent aus und ist wohl auf die Erwartung zurückzuführen, dass eine Vielzahl von Anlegern kurzfristig wieder in auf Euro lautende Staatspapiere investiert, was jedoch nicht zu Lasten des Aktienmarktes geht. Im Wettlauf der Staatsdefizite steht darüber hinaus unter den Schlechten der Industrieländer Europa noch am besten dar. Das Einsparpotenzial zur Konsolidierung der europäischen Haushalte ist noch wesentlich höher als in den USA, wo die Geldschleusen noch immer weit geöffnet sind. Schließlich dürfte die Nachfrage nach europäischen Unternehmen durch Beteiligungen aus den Schwellenländern das besondere Vertrauen in die Wettbewerbsfähigkeit des Euroraums stärken. Zumindest leiden diese Investitionen nicht unter einer schleichenden Entwertung der Währung.
Bären unter Zugzwang
Den Bären ist gestern ein wenig der Dampf im Kessel entwichen, deshalb sind sie heute unter Zugzwang, wollen sie nicht riskieren, dass den Bullen eine eindrucksvolle Kehrtwende gelingt. Erneut Fahrt nimmt die Korrektur auf, wenn der DAX deutlich unter dem gestrigen Tagestief bei 4.669 Punkten und der wichtigen Unterstützung bei 4.655 Punkten notiert. Gelingt den Bullen hingegen ein Bruch der oberen Begrenzung des jungen Abwärtstrendkanals bei rund 4.770 Punkten, erledigen sich die frisch aufgelegten Träume der Bären auf einen stärkeren Terraingewinn. Ein Rebreak der 4.800er Marke und auch der 4.900er Marke würden sich binnen kürzester Zeit ergeben. Allerdings bliebe den Bullen auch nicht lange Zeit einen Erfolg zu feiern, denn gewinnen sie nicht schnell mehr Land, wird sich der Markt auch wieder schnell drehen. Die Schwankungen bleiben deshalb in den nächsten Tagen hoch. Knacken die Bären die genannten Unterstützungen, geht es weiter abwärts bis in den Bereich zwischen 4.511 und 4.551 Punkte.
Rückgang der US-Auftragseingänge erwartet
Die neu vorgegebene Unsicherheit in den Konjunkturindikatoren über die US-Wirtschaftsentwicklung stellt in Wahrheit nur eine normale Reaktion auf die imposante Erholung der vergangenen vier Monate dar. Seit den Tiefpunkten um den Jahreswechsel kannte die Mehrzahl der Indikatoren nur eine Richtung, nämlich die nach oben. Das die staatliche aufgelegten Konjunkturprogramme noch ein wenig Zeit brauchen, bis sie auch in der Realwirtschaft ihre Wirkung entfalten würden, war klar. Insofern erklärt sich auch die Prognose der Analysten im Hinblick auf den Auftragseingang in der US-Industrie im Mai. Steig dieser im Vormonat noch um 1,2 Prozent, gehen die durchschnittlichen Erwartungen von einem Rückgang im vergangenen Monat von 0,9 Prozent aus. Nicht erfreulich, aber weit entfernt von den Einbrüchen am Hochpunkt der Wirtschafts- und Finanzkrise. Diese Schwankungen dürften noch bis zum Ende des Jahres anhalten, erst danach wird sich dann eine deutlichere Erholung einstellen. Der neu aufgekeimte Pessimismus wird sich dann im Nachhinein als übertrieben herausstellen.
Zinsentscheid der Federal Reserve
Während einige EZB-Notenbanker schon wieder von Inflation reden, sieht sich die US-Notenbank nach wie voran vorderster Front im Kampf gegen die Wirtschaftsflaute. Zwar gehen von dem kurzfristigen Ölpreisanstieg sicher Inflationsgefahren aus, da aber eine weitere Erholung nicht in dem gleichen Tempo zu befürchten ist, werden diese sich mit der Zeit auch wieder verlaufen. Die Botschaft der Federal Reserve wird deshalb lauten, dass die Geldschleusen geöffnet bleiben werden, Ende noch nicht taxierbar. Sicher ist: Solange die Arbeitslosigkeit noch steigt, greift die US-Notenbank noch nicht zu geldpolitisch restriktiven Mitteln. Kann sie den Wendepunkt ausmachen, wird der Kurs um 180 Grad geändert. Bis zum Ende Jahres wird sich aber noch keine nachhaltige Veränderung der aktuellen Situation ergeben. Das Risiko einer vorübergehend stärkeren US-Dollar-Abwertung nimmt die Zentralbank dabei bewusst in Kauf.
Konjunkturdaten: USA: 14.30 Uhr: Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter Mai, 16.00 Uhr: Verkauf neuer Häuser Mai; 20.15 Uhr: Zinsentscheid der Federal Reserve
Unternehmenszahlen: HV: Qiagen
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.551; 4.598; 4.655
Widerstände: 4.717; 4.761; 4.818
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf