DAX: Vor dem Test des Jahrestiefs
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 20. November 2008, 08:00 Uhr
ENL5462
Wenn Leerverkäufe in dem Umfang der ersten Jahreshälfte an den Aktienmärkten nicht mehr möglich sind, die Kurse aber trotzdem kontinuierlich fallen, stellt sich die Frage, woher plötzlich das neue Überangebot stammt, das für zusätzlichen Kursdruck sorgt. Die Antwort kommt aus der Ausbreitung der Finanzkrise in den Bereich der Industrieunternehmen. Es scheint so, als dass zur Finanzierung laufender Geschäfte wegen der durch die Banken verursachten Kreditklemme immer Firmen auf andere Vermögenswerte wie Wertpapiere und Beteiligungen zurückgreifen müssen. Anders lässt sich der fundamental ungerechtfertigte Kursverfall nicht erklären. Märkte interessiert allerdings wenig, was nach Rechenmodellen an Preisen gerechtfertigt ist oder nicht. So lassen sie dann auch Übertreibungen in jede Richtung zu. Das hinter dem wahllosen Verkauf von Wertpapieren längst keine Strategie sondern nur noch die blanke Überlebensangst steht, zeigt den Zustand des Marktes. Nachdem der Dow unter der Marke von 8.000 Punkten und der S&P 500 nur knapp über der Marke von 800 Punkten geschlossen hat, wäre auch beim DAX ein rascher Abverkauf bis 3.800 Punkten und damit zu einem neuen Jahrestiefs möglich. Andererseits haben vor allem die US-Märkte genau in diesen glasklaren Augenblicken immer wieder abgedreht. Die Thanksgiving-Bilanz hatte ich ja zu Beginn dieser Woche veröffentlicht.
Was eigentlich zurzeit die Führung unter den negativen Fakten darstellt, die tatsächliche Lage oder die Stimmungsindikatoren in der Industrie, bleibt sich noch gleich. Immer wieder ist aber davon die Rede, die realwirtschaftliche Situation müsse erst noch viel schlimmer werden, bevor Anzeichen einer Erholung sichtbar werden. Was unter „schlimmer" angesichts der Situation in der Automobilbranche zu verstehen ist, sei einmal dahin gestellt. Tatsache ist jedoch, dass gewisse Entwicklungen trotz höchster Aktivität von Politik und Wirtschaft nicht mehr aufzuhalten sind. Das Übernahmeangebot von Solarworld an GM für Opel hat zwar eine gewisse Logik hinsichtlich der mittleren Zukunftsentwicklung darf, unter Kapitalisierungsgesichtspunkten, das aber getrost als Lachnummer bezeichnet werden. Ob der Vorstand von Solarworld unter dem Aspekt der eigenen Aktienkurspflege damit gut beraten war, ist äußerst zweifelhaft. Auch so kann man Vertrauen verspielen. Fakt ist: In den nächsten drei bis vier Tagen werden neue Weichen an den Aktienmärkten hinsichtlich der weiteren mittleren Kursverläufe gestellt.
Konjunkturdaten: USA: Frühindikatoren Oktober, Philadelphia-Fed-Index November
Unternehmensbereich: Zahlen Q3: Ahold, Gap
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.201; 4.278; 4.314
Widerstände: 4.460; 4.501; 4.551
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf

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