DAX: US-Arbeitsmarktdaten werfen ihre Schatten voraus
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 7. August 2009, 08:00 Uhr
ENL5454
die gestrige Marktentwicklung war sicher für Day-Trader interessant, für Schnäppchenjäger und andere Marktteilnehmer hielt sich die Spannung aber in Grenzen. Mangels Neuigkeiten aus der EZB-Zentrale und in Respekt vor den heute Nachmittag anstehenden US-Arbeitsmarktdaten bewegte sich der DAX im Wesentlichen in der gleichen Handelsspanne wie am Vortag. Gut für die Bären, denn der Aufwärtsdynamik wurde damit ein weiterer Dämpfer versetzt. Andererseits steht auf dem Papier auch kein großer Terraingewinn auf der Minusseite, so dass für die Bullen auf ihrem Weg zu höheren Widerstandsmarken auch noch nichts verloren ist. Der Wochenschluss wird in dieser Hinsicht aber eine Entscheidung darüber bringen, ob der Aktienmarkt in eine stärkere Konsolidierungsphase abtaucht oder ob der Aufwärtstrend fortgeschrieben wird. Bisher haben die Bullen die Anläufe der Bären im Hinblick auf eine Ausweitung der Konsolidierung ganz gut pariert und dabei auch ein gutes Stück der überkauften Situation abgebaut. Die Bereitschaft in Schwäche weitere Positionen aufzubauen hat nur geringfügig abgenommen. Positiv zu vermerken ist, dass die Selbstbereinigung bei einigen Schwergewichten im überhitzten Zustand gut funktioniert. So hat zwar die Münchner Rück nach ihren Quartalsbericht zwar einige Gewinnmitnahmen hinnehmen müssen, im Großen und Ganzen konnte die Aktie ihr neues Kursniveau aber gut verteidigen. Ähnlich sieht es bei den Automobilwerten aus. Eine Konsolidierung mit ausgeprägten Kursverlusten ist also nicht zwingend.
Chart-Verlauf des VDAX eher beruhigend
Blickt man auf das Barometer für die Schwankungsfreudigkeit des DAX, dem VDAX, kann man sich eigentlich eher entspannt zurücklehnen. Den Versuch, den Widerstand um 30 Punkte zu überwinden, haben die Bullen in den vergangen Tagen wieder aufgeben müssen. Gestern verlor der Indikator ganze drei Prozentpunkte und liegt nun wieder bei 27 Punkten. Die noch immer vorhandene Kaufbereitschaft institutioneller Investoren hat bisher jeden stärkeren Konsolidierungsversuch abgebremst. Nehmen die Bären in den kommenden Tagen tatsächlich einen weiteren Anlauf auf die Unterstützungszone bei 23 Punkten, würde das nicht nur eine starke Annährung an nahezu normale Schwankungsbreiten im DAX bedeuten, sondern auch gleichzeitig eine Fortsetzung der Rally mit Kursen über 5.450 Punkten. Wenn man sich die Gesamtheit der Marktkommentare betrachtet, scheint auf diese Variante nur eine Minderheit der Anleger zu setzen. Dies wiederum erhöht die Eintrittswahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios.
Nächster größere Bewegung steht an
Kein neues Tageshoch, aber auch keine Fortsetzung des Vortagestrends mit der Setzung eines neuen Tagestiefs. Die Ausgangslage beim DAX deutet auf ein Ende der kurzen Ruhephase hin. Nicht unbedingt positiv ist die Tatsache zu bewerten, das der Index unweit seines Tagestiefs geschlossen hat. Noch weniger überzeugt, dass am Ende ein kleines Plus steht. Dieser Aufwärtshaken könnte Auftakt für eine kräftigere Abwärtsbewegung sein, die bis in den Bereich um 5.177 Punkte reicht. Eine alternative Variante würde bei 5.296 Punkten zu einer Intraday-Umkehr führen und den DAX anschließend auf neue Jahreshoch (5.502, 5.639Punkte) katapultieren. Eine Vorfestlegung, welches Szenario nun wahrscheinlicher ist, wäre eine gewagte Wette. Klare Signale hat der Markt weder in die eine noch in die andere Richtung abgegeben. Orientiert man sich aber an der Kerzentechnik, sollte die der kleine rote Kerzenkörper den Bären einen moderaten Vorsprung einräumen. Er wäre ohnehin nur temporär, denn noch handelt es sich dann nur um eine Korrektur und nicht um eine Trendwende.
US-Arbeitsmarkt: Wann werden 10 Prozent überschritten?
Nichts Neues vom US-Arbeitsmarkt: Immer noch opfern viele Unternehmen aus Kostensenkungsgründen weitere Arbeitsplätze. Während die Industrie allerdings mit der Anpassung ihrer Kapazitäten durch ist, beginnen nun auch die Dienstleister verstärkt ihre Personaldecke auszudünnen. Dabei geht es längst nicht mehr um Leiharbeiter, sondern um die Stammbelegschaften. Der Durchschnitt der von Bloomberg befragten Analysten erwartet nochmals einen leichten Anstieg der Arbeitslosenrate um 0,1 auf 9,6 Prozent. Das Ende der Fahnenstange ist damit aber noch nicht erreicht, denn die unternehmerischen Entscheidungsstränge sind in den Monaten Juli und August auch traditionell ausgedünnt. Vermutlich wird es im September und Oktober dieses Jahres einen finalen Schub über die 10-Prozent-Marke geben, bevor sich dann im Frühjahr 2010 eine tatsächliche Trendwende am US-Arbeitsmarkt abzeichnen wird. Im Hinblick auf die US-Notenbanksitzung am Dienstag zeichnen sich also noch keine Akzentverschiebungen ab.
Quo Vadis, Allianz?
Ein wenig schlich die Aktie der Allianz in dieser Woche auf den Spuren der Münchner Rück von der vergangenen Woche. Verzeichnete der Titel doch seit Wochenbeginn bis gestern in der Spitze ein Plus von 10 Prozent. Eine gehörige Hypothek für ein Unternehmen, das in Sachen Wachstum derzeit mehr in Moll macht. Die günstige allgemeine Entwicklung an den Kapitalmärkten dürfte dann auch mehr für die Zugewinne verantwortlich gewesen sein als die Aussicht auf einen exzellenten Quartalbericht. Die Realität des jüngsten Geschäftsverlaufs wird aber noch nicht zu einem Durchstarten der Allianz-Aktien auf neue Jahreshochs führen. Vielmehr werden einige kurzfristig orientierte Investoren wieder ein wenig Luft aus der Spekulationsblase lassen. Die gute Nachricht: Kann der Gesamtmarkt seine Perfomance auf Sicht der nächsten Monate bestätigen, dürfte das auch für die Versicherer wieder ein besseres Geschäft bedeuten. Spätestens im letzten Quartal sollten die Aktie aus ihrer aktuellen Handelsspanne dann nach oben ausbrechen. Bis dahin ist allerdings noch etwas Geduld gefragt.
Konjunkturdaten: DE: 10.00 Uhr: Industrieproduktion Juni ; USA: 14.30 Uhr: Arbeitsmarktdaten Juli
Unternehmenszahlen: Q2-Zahlen: Allianz, Hypo Real Estate, Puma, Royal Bank of Scotland
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.212; 5.296; 5.351
Widerstände: 5.451; 5.502; 5.578
Viel Glück, Erfolg und ein schönes Wochenende!
Andreas Wolf
