DAX: Unverhofft kommt oft
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 11. März 2009, 08:00 Uhr
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Ben Bernanke und dem Vorstandsvorsitzenden der Citigroup haben die Bullen zu verdanken, dass es gestern zum Start der nächsten Bärenmarktrally kam. Kleine Signale zu Wochenbeginn deuteten bereits an, dass den Bären das Heft des Handelns zunächst entrissen werden würde. Auffallend ist, wie sensibel der Markt auf positive Nachrichten wie Unternehmensfusionen oder Anzeichen für eine Konjunkturerholung reagiert. Die lange Kette der immer noch belastenden Fakten wurde einmal mehr zur Seite geschoben. Immerhin: Wenn sowohl Citigroup als auch die Deutsche Bank von besseren Geschäften im ersten Quartal des laufenden Jahres sprechen, so darf damit auch das Bemühen um eine Stabilisierung der Lage verbunden werden. Auch Ben Bernanke scheint von US-Präsident Obama inspiriert worden zu sein, weiß er doch wohl um die psychologische Wirkung seiner ökonomischen Einschätzungen auf die Märkte. Aus kaum einem Konjunkturindikator lässt sich bisher herauslesen, dass eine Gesundung der Konjunktur im Jahre 2010 nachhaltig sein könnte. Was Bernanke aber völlig richtig erkannt hat: Neben den Fakten muss auch die Stimmung besser werden. Schließlich hat auch vor 12 Monaten kaum ein Verantwortlicher von Notenbank oder Regierung auch nur ansatzweise einen derartigen Absturz der US-Wirtschaft vorausgesehen.
Geht's den Banken gut...
Den Zugewinn von über 5 Prozent verdankte der DAX der überaus starken Vorstellung der Finanz- und Versicherungsaktien. Einen ähnlichen Push legte der Markt in der vergangenen Woche auch schon hin, nur um am nächsten Tag das Plus vollständig im Rahmen der Verstaatlichungsdebatte um die US-Banken wieder abzugeben. Fraglos, der Schlüssel zu einer durchgreifenden mittelfristigen Trendumkehr im DAX liegt bei zunächst einmal bei einer Bodenbildung der Finanzaktien. Die Vorstellung, mit der großen Krise des US-Bankensystems und dem Untergang der Investmentbank Lehman Brothers würden sich die Gewichte zugunsten anderer Banken verschieben ist abwegig. Ein Ende der Bankenkrise in den USA wäre deshalb ein Hoffnungszeichen für weltweit alle Börsenplätze. Ein Ende der Aktienkursbaisse in diesem Sektor und der Beginn einer Bodenbildung dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Aber auch der Weg der Erholung wird von vielen Rückschlägen geprägt sein.
Kurzfristiger Trendwechsel diesmal gelungen
Im Gegensatz zur vergangenen Woche ist der kurzfristige Trendwechsel diesmal gelungen, ein Rückschlag wie in der vergangenen Woche wird heute nicht drohen. Möglich, das es zu Gewinnmitnahmen im Rahmen von ein bis zwei Prozent kommt, doch der Test der 4.000-Punkte-Marke wird sich noch in den nächsten beiden Handelstagen anschließen. Dafür spricht das sich anbahnende kurzfristige Kaufsignal. Da sich die starke Überverkaufheit des DAX mit dem gestrigen Anstieg nicht automatisch neutralisiert hat, besteht auch noch weiteres Erholungspotenzial über die wichtige 4.000er Marke hinaus. Allerdings hängt eine Fortsetzung der Bärenmarktrallye vom Umfang der Zwischenkonsolidierungen ab. Mögliche weitere Kursziel sind 4.127 und 4.226 Punkte. Die starke Kaufdruck an den US-Börsen am Dienstag spricht für diese Variante.
Lufthansa und Hannover Rück berichten
Die Deutsche Lufthansa muss momentan an vielen Fronten kämpfen: Kaum haben die Ölpreise wieder ein erträgliches Niveau erreicht, brach die Nachfrage bei den Geschäftsreisen deutlich ein, zudem drohte bis gestern auch noch ein Streik der Flugbegleiter. Darüber hinaus liegt das lukrative Frachtgeschäft praktisch brach, Kurzarbeit und Flugzeugstilllegungen sind die Folge. Anleger werden sich deshalb auch viel intensiver mit der Prognose des Vorstandes für 2009 als mit den noch relativ guten Zahlen des Jahres 2008 beschäftigen. Zwar gehört die Fluggesellschaft zu den Marktführern in Europa, baut ihre Marktposition kontinuierlich und strategisch intelligent aus, aber die aktuellen Nachfrageeinbrüche lassen sich nicht über längere Zeit mit konventionellen Maßnahmen bekämpfen. In der Rezession infolge des ersten Irak-Kriegs 1992/1993 hat die Airline neben einem absoluten Einstellungsstopp auch temporäre Gehaltskürzungen eingefordert. Die gestrige Einigung mit den Gewerkschaften über ein Gehaltsplus von im Durchschnitt 4,2 Prozent könnte schnell wieder durch die realwirtschaftliche Entwicklung kassiert werden. Autobauer und Maschinenbauer können ein Lied davon singen.
Der Aktienkurs des DAX-Aufsteigers Hannover Rück profitierte in den vergangenen Wochen von dem Zwang der institutionellen Anleger, die den DAX nachbilden, Zukäufe vornehmen zu müssen. Ob das Ergebnis im operativen Geschäft den Kursanstieg gerechtfertigt hat, wird sich heute zeigen. Auch in diesem Fall werden die Investoren mit Interesse auf die Prognose des Vorstandes schauen, vor allem weil viele Branchenkollegen sich außer Stande gesehen haben, konkrete Angaben zu machen.
Europäisches Konjunkturpaket im Parlament
Heute starten die Beratungen des Europäischen Parlaments zum EU-Konjunkturpaket. Sein Umfang ist aber bedeutend kleiner als die Gesamtheit der Einzelpakete die die größten europäischen Industriestaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien jeweils geschnürt haben. Um aber wenigstens als eigene konstitutionelle Instanz wahrgenommen zu werden, versuchen auch die EU-Parlamentarier einen eigenen Beitrag zum Kampf gegen die Wirtschaftskrise zu leisten. In letzter Instanz werden aber die Regierungschefs auf dem nächsten EU-Gipfel darüber entscheiden, ob den nationalen Maßnahmen zusätzlich noch ein europäisches Maßnahmenpaket folgen wird. Beachtung werden auch die Auftragseingänge der deutschen Industrie für den Januar finden. Alles andere als eine Fortsetzung des bestehenden Abwärtstrends würde zwar für große Freude sorgen, allein die Nachrichtenlage zu Jahresbeginn spricht gegen eine solche Überraschung. Für etwas geringere Sorgenfalten würde aber auch schon eine Verringerung der Abwärtsdynamik sorgen.
Konjunkturdaten: DE: Auftragseingänge Industrie, GB: Handelsbilanz
Unternehmen: Jahreszahlen: Deutsche Lufthansa, Hannover Rück
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 3.733; 3.812; 3.867
Widerstände: 3.912; 3.945; 3.991
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
