DAX: Unterstützungszone ärgert Bären
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 10. März 2009, 08:00 Uhr
ENL5454
Am gestrigen Vormittag hatten die Bären die Sektflasche schon in ihrer Hand, voll der Erwartung eines neuerlichen großen Kursrutschs beim DAX. Von 10.00 Uhr bis kurz nach 14.00 Uhr wurde der Bereich um 3.600 Punkte dreimal einem Belastungstest ausgesetzt, tiefer als 3.588 Punkte konnten die Bären den Index aber nicht drücken. Die zurück kehrende Fusionitis verdarb den Bären ihr Erfolgserlebnis. Der US-Pharmakonzern Merck & Co. übernimmt den Wettbewerber Schering-Plough für 41,1 Milliarden US-Dollar. Der DAX konnte daraufhin rund 100 Punkte zulegen, unterstellen die Investoren in der Regel doch, dass einer großen Übernahme mehrere Kleine im Zuge des Wettbewerbs folgen. Zudem würde dies auch den Finanzsektor durch höhere Provisionseinnahmen wieder etwas beleben. Da die Pharmabranche aber ohnehin zu den weniger gebeutelten Branchen in Krisenzeiten gehört, für gewöhnlich auch über hohe Barbestände verfügt, bedeutet der Deal keinesfalls das Ende der restriktiven Kreditvergabe durch die Banken. Die positive Signalwirkung für den Aktienmarkt hält sich deshalb am Ende wohl auch in Grenzen.
Investoren warten auf Entscheidungen
Der gestrige Handelstag hat gezeigt, sobald der Markt vor vollendete Tatsachen gestellt wird und Entscheidungen getroffen werden, ziehen die Umsätze an. Die Vielzahl an unentschiedenen Krisenfällen, sei es bei der Regulierung des Finanzsystems oder den möglichen Finanzhilfen für die Automobilindustrie, verleitet die Anleger aber zu einer fortdauernden Wartehaltung. Das ganze noch garniert mit den täglichen Negativ-Rekordmeldungen über den zu erwarteten Konjunkturverlauf (...größter Rückgang seit dem Zweiten Weltkrieg....) und schon tritt Emotion an die Stelle von Ratio. Nicht nur die Unternehmer „fahren auf Sicht", auch die Anleger sind dazu übergegangen. Sprich: Fallen Entscheidungen wird reagiert, ansonsten heißt es: „Im Zweifel gegen den Angeklagten".
Noch keine Umkehrsignale beim DAX erkennbar
Auch der zweite Anlauf auf die zentrale Unterstützungszone bei 3.618/3.645 Punkten wurde von den Bullen unter der gütigen Mithilfe der Pharmabranche abgewehrt. Mag es zwischenzeitlich auch zu einem neuen Jahres-Tief für die Bären gereicht haben, am Ende stand ein kleines Plus auf der DAX-Tafel. Es scheint also so, als offenbarten sich an der zentralen Unterstützungszone ernsthafte Probleme für einen weiteren Terraingewinn der Bären. Der kleine Erfolg der Bullen sollte nicht unterschätzt werden, auch wenn sich noch keine klaren Trend-Umkehrsignale erkennen lassen. Ein weiteres Scheitern dürfen sich die Bären nicht leisten, denn als Folge würde sich die nächste Bärenmarktrallye im DAX entfalten. Der Verlauf der nächsten zwei Handelstage wird darüber entscheiden, wohin die Reise geht. Schließt der DAX unterhalb von 3.600 Punkten, geht unmittelbar weitere 300 Punkte abwärts. Ein Schlusskurs oberhalb von 3.800 Punkten hat zunächst einmal den Widerstand bei 4.000 Punkten zum Ziel.
Industrieproduktion in Frankreich und England im Mittelpunkt
Frankreich und England berichten heute über ihre Industrieproduktion im Januar. Ohne Umschweife: Die Talfahrt wird sich fortsetzen, freundliches wird sich daraus nicht ablesen lassen. Von Interesse für die Börsen wird sein, ob sich das Tempo nochmals verschärft hat oder ob es schon eine kleine Bremsspur gibt. Auch die französische Handelsbilanz zieht die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer auf sich, ist doch der westliche Nachbar der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Zwar hat Präsident Sarkozy ebenfalls ein umfangreiches Konjunkturpaket in Gang gesetzt, die Ausgabefreude der Franzosen dürfte sich dennoch in Grenzen gehalten haben. Die Zahlen werden aber nochmals eindrucksvoll belegen, dass die vorhandenen Abhängigkeiten der Industriestaaten untereinander jegliche Art von Protektionismus und nationalen Handelshürden ad absurdum führen. Ein abgestimmtes Konjunkturpaket der EU würde daher, wenn überhaupt, viel mehr Sinn machen, als die auf Profilierung der Politik angelegten nationalen Aktivitäten.
Jahresbilanz von E.ON
Von wegen Krisenresistent: Die Aktie des Versorgers E.ON hat seit Beginn der Aktien-Baisse im Januar 2008 rund 60 Prozent an Wert verloren. Der Glaube an einstige Klischees wie „Versorger- und Pharmaaktien können sich aufgrund ihrer stabilen Einnahmen des allgemeinen Kursrückgangs besser erwehren" sind durch die Ereignisse der vergangenen 15 Monaten in ihren Grundfesten erschüttert worden. Die heutigen Geschäftszahlen sowie der Ausblick für 2009 werden zeigen, wie stark das Unternehmen von den großen Produktionsrückgängen der Industrie bei der Nachfrage nach Strom und Gas getroffen wurde. Außerdem wird sich schon der Rückgang des Ölpreises bei Umsatz und Gewinn bemerkbar machen. Erst im Jahresverlauf 2009 dürfte sich die Situation für E.ON wieder etwas stabilisieren. Da der Aktienkurs diese Tatsachen und Prognosen bereits vollständig eingepreist hat, darüberhinaus sogar ein Risikoabschlag im aktuellen Kurs enthalten ist, könnte die heutige Bilanzpressekonferenz für ein wenig Hoffnung bei den Aktionären sorgen. Da auch die Verschuldungsquote des Unternehmens wesentlich entspannter als die des Wettbewerbers RWE ist, könnte es für einen moderaten Kursanstieg reichen.
Konjunkturdaten: GB+FR: Auftragseingänge Industrie, FR: Handelsbilanz
Unternehmen: Jahreszahlen: E.ON, Carl-Zeiss-Meditec, EADS
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 3.589; 3.618; 3.645
Widerstände: 3.733; 3.812; 3.867
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
