DAX: Täuschungsmanöver gelungen
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 15. Oktober 2009, 08:00 Uhr
ENL5462
Nächster (positiver) Bilanzbericht, nächste Richtungsänderung der internationalen Aktienindizes: Die Zuversicht bei der Technologiebranche riss den Rest der Titel einfach mit nach oben, der Damm der Zurückhaltung wurde entsprechend zügig zum Einsturz gebracht. Das Täuschungsmanöver vom Vortag ist den Bullen damit voll und ganz gelungen. Es scheint so, als dass bisher zurückgehaltende Liquidität wegen Alternativlosigkeit nun zwangsläufig in den Markt fließt. Mit dem Schlusskurs von gestern liegt der Markt nun nur noch drei Prozent unterhalb von 6.000 Punkten. Unter Fortsetzung der bisher gesehenen Schwankungen dürfte der Markt diese Marke noch in diesem Jahr erreichen und auch überschreiten.
Trotz allem Optimismus muss darauf verwiesen werden, dass die Zone zwischen 5.850 und 6.000 Punkten wohl nicht so ohne weiteres überwunden wird. Zudem steigen mit den guten Quartalsberichten auch die Erwartungen an die unmittelbar darauf folgenden Bilanzen. Das Enttäuschungspotential und die Rückschlaggefahr nehmen dadurch deutlich zu. Es bleibt dabei, dass die Schwankungsanfälligkeit der Indizes in den nächsten zwei Wochen noch hoch bleiben wird.
Freie Bahn für Zykliker
Schaut man sich allein die Kurssprünge von Siemens und BASF gestern an, müsste die deutsche Konjunktur im nächsten Jahr eine unerwartete Auferstehung feiern. Nicht, weil die Binnennachfrage plötzlich wie die Feuerwehr zulegt, sondern weil sich die Regionen Asien und Südamerika von der Stagnation der USA und Europas nicht anstecken lassen wollen. Da der deutsche Exportmarkt immer noch sehr flexibel auf Nachfrageschwankungen reagieren kann, würde es nicht wundern, wenn die Börse auch diesmal recht behalten würde. Die Wachstumsprognose für 2010 liegt momentan noch bei 1 bis 1,2 Prozent, eine Anhebung im Laufe des Frühjahrs auf 2 Prozent oder leicht darüber halte ich für gut möglich.
Aufwärtsdruck nimmt wieder zu
Eigentlich sieht jetzt alles ganz bullisch aus beim DAX, auch die gestrige weiße Kerze spricht für weiter steigende Kurse. Nur das obere Bollinger-Band, in deren Begrenzung die Kurse normalerweise schwanken, wurde durch den jüngsten Anstieg etwas nach oben aufgehebelt. Als Folge könnte es nun zu einer weiteren Beschleunigung des Anstiegs kommen oder DAX konsolidiert noch drei bis vier Tage in den Grenzen der Bollinger-Bänder, die sich dann bis 5.950 Punkte geweitet haben dürften.
Für die letzte Version spricht die Unberechenbarkeit des Marktes gegenüber den nächsten der Veröffentlichung der nächsten Bilanzen. Andererseits spricht der MACD nun wieder deutlich für die Bullen. Eine abrupte Trendumkehr scheint auch im Angesicht der sehr verhaltenen Stimmung unter den Investoren eher unwahrscheilich.
Der Marsch in Richtung 6.000.Punkte sollte sich deshalb nun häppchenweise fortsetzen. Rückschläge bis 5.750 Punkte können zwischenzeitlich toleriert werden, Kursverluste darüber hinaus erhöhen eine nachhaltigere Korrekturgefahr.
USA: Was sagt der Philadelphia-Fed-Index?
Mit gleich zwei wichtigen Konjunkturindikatoren warten die Statistiker in den USA heute auf. Zunächst erfahren die Anleger etwas über die Entwicklung der industriellen Nachfrage im Großraum New York (NY Empire State Index). Nur 90 Minuten später schauen die Märkte dann auf das Ergebnis des Philadelphia-Fed-Index, der in etwa mit dem deutschen Ifo-Geschäftsklimaindex vergleichbar ist.
Bei beiden Indikatoren wird mit einem leichten Rückgang gerechnet. Damit würde sich der Trend der vergangenen vier Wochen fortsetzen, der eine Atempause im konjunkturellen Erholungsprozess andeutet. Bestätigen sich die moderaten Abschläge bei beiden Indikatoren, dürfte das die Märkte kaum wirklich berühren. Nur ein deutlicheres Absacken würde den aufkeimenden Optimismus in Frage stellen. Anleger sollten sich auf einen volatilen Handelstag einstellen.
Enttäuscht Nokia erneut?
Kann der Mobiltelefon-und Netzwerkhersteller Nokia diesmal die Märkte mit seiner Bilanz überzeugen? Die Reaktionen auf den jüngsten Quartalsbericht im Juli sind den Anlegern noch lebhaft in Erinnerung. Nach einer enttäuschenden Prognose fiel die Aktie um knapp 20 Prozent von 11 auf 9 Euro zurück. Gestern näherte sich das Papier diesem Niveau wieder an, blieb mit einem Schlusskurs von 10,33 Euro aber weiterhin deutlich unter dem Stand vom Juli.
Analysten erwarten einen Quartalsgewinn von 0,18 Euro pro Aktie, das Enttäuschungspotential ist allerdings gemessen an der Entwicklung des Mobilfunkmarktes in den vergangenen drei Monaten immer noch groß. Retten könnte das Unternehmen eine bessere Prognose, denn die Investitionen in Netzwerke dürften in den kommenden Monaten wieder ansteigen. Zudem boomt der von Nokia neu entdeckte Markt für Netbooks, deren Absatz in diesem Jahr schon um 12,5 Prozent weltweit zugelegt hat. Ein Outperformer wird die Aktie in diesem Jahr aber wahrscheinlich nicht mehr.
Konjunkturdaten: USA: 14.30Uhr: New York Empire State Index Oktober, 16.00Uhr: Philadelphia-Fed-Index Oktober.
Unternehmenszahlen: Zahlen (Q3): Nokia, Roche, Carrefour, Citigroup, GoldmanSachs, IBM, AMD, Südzucker
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.753; 5.778, 5.844
Widerstände: 5.897; 5.922; 5.978
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf

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