DAX; Täuschungsmanöver der Bullen?
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 21. September 2009, 08:00 Uhr
ENL5454
Wie so häufig tat sich am eigentlichen Verfalltermin weniger als erwartet. Hoch- und Tiefpunkte lagen in etwa auf dem Niveau des Vortages, unter dem Strich blieb ein kleines Minus, kein Handelstag mit außergewöhnlichen Schwankungen. Wer sich allerdings die Zeiträume um die Verfallstermine im Jahr genauer betrachtet, dem sollte schon aufgefallen sein, dass die eigentlichen Schwankungen weit im Vorfeld und vor allem direkt nach dem Verfallstermin stattfinden. Im Klartext: Der Montag danach folgt fast immer mit einer größeren Bewegung. Nach der Vorstellung vom Freitag könnte man befürchten, eine größere Korrektur stünde vor der Tür. Wahrscheinlich steckt dahinter aber nicht weiter als ein Täuschungsmanöver der Bullen.
Nach wie vor streben nämlich viele Einzelwerte neuen Jahreshochs zu, nur wenige Standardwerte befinden sich in Seitwärts-oder Abwärtstrends. Darüberhinaus dürfte sich der Markt nun zügig dem Kursziel 6.000/6.100 Punkte zuwenden, auch wenn dadurch eine kleine Überhitzung drohen würde. Es liegt in der Eigenheit von dynamischen Impulsbewegungen die jeweils nächsten Kursziele abzuarbeiten. Ähnlich verfuhr der DAX in der ersten Jahreshälfte, als es um den Widerstand um 5.170 Punkte ging. Trotz vieler Zweifel gelang den Bullen in einem schon etwas überreizten Markt noch der Test dieses Widerstandes, erst danach ging es um mehr als 10 Prozent abwärts. Ein ähnliches Szenario könnte sich in den nächsten vier bis sechs Wochen auch entwickeln.
Bundestagswahl rückt in den Fokus
Für etwas volatilere Zeiten spricht vor allem das „Zuschalten" eines bisher nicht so beachtenswerten Aspekts: die Bundestagswahl. Auch wenn politische Börsen bekanntlich kurze Beine haben, ihre langfristigen Wirkungen sind dennoch messbar. Es steht außer Frage, dass die Börse vordergründig eine schwarz-gelbe Regierung bevorzugt, ein entsprechender Wahlausgang wird also eine sehr kurze, aber kräftige Rally bewirken. Der Fortbestand der großen Koalition wäre ein Non-Event für den Markt auf kurze Sicht, auf mittlere Sicht würde diese Kombination sicher nicht kontraproduktiv sein. Einzig negatives Szenario wäre eine rot-rot-grüne Variante. Aber selbst eine solche Regierungskonstellation müsste sich aber der Macht des Faktischen beugen. Viele Landesregierungen wie in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern beweisen dies. Dort werden wegen leerer Kassen die vollmundigen Sozialversprechen nicht umgesetzt, stattdessen regiert der Rotstift. Je näher also der Wahltermin rückt, desto zurückhaltender werden die Marktteilnehmer werden, auch wenn US-Notenbanksitzung und G-20-Gipfelin Pittsburgh noch für Spannung sorgen dürften.
Bullen weiter am Drücker
Die technische Ausgangslage ist nach wie vor unverändert, die Bullen sind weiter am Drücker. Zwischenkonsolidierungen sind jederzeit möglich, werden sich aber nicht lange halten. Das heißt, isolierte Tage mit Gewinnmitnahmen sind kurzfristig das Maximum, was die Bären bewirken können. Ein wenig hilft vielleicht auch der Rückblick auf den Kerzenchart auf Wochenbasis vor einem Jahr. Da riss der DAX eine Abwärtslücke von 6.015 auf 5.606 Punkte.
Für gewöhnlich werden solche Lücken auf dem Weg nach oben wieder geschlossen, gut möglich also, dass der DAX einen solchen Sprung spätestens in einer Woche wieder produziert. Für die Bären wird erst wieder interessant, wenn der DAX unter 5.606/5.624 Punkten schließt. Das Szenario einer ernst zunehmenden Korrektur hat sich durch den verhaltenden Verlauf des Terminverfalls deutlich verringert.
Institut der Deutschen Wirtschaft gibt Konjunkturprognose
Nachdem die Konkurrenz aus Kiel sich schon in der vergangenen Woche von jenen -6 Prozent getrennt hat und für 2009 nur noch mit einem Minus von knapp 5 Prozent rechnet, dürfte heute das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) nachziehen und seine Vorhersage ebenfalls etwas nach oben korrigieren. Beiden Instituten bleibt aber die Skepsis für 2010 gleich. Man rechnet lediglich mit einer geringen Erholung, gemessen an dem noch düsteren Bild aus dem Frühjahr hat dies aber immerhin etwas Positives.
Möglicherweise bleibt diese Korrektur aber nicht die letzte, missachtet sie doch in hohem Maße die Dynamik der indikativen Erholungsbewegung. Sehr wahrscheinlich wird das BIP im nächsten Jahr in einer Art Rebound wesentlich stärker wachsen und erst im Jahr 2011 wieder auf niedrigerem Niveau notieren. Eine Wachstumsrate von 2 Prozent wäre also durchaus vorstellbar, bei günstigen Konstellationen könnten auch 3 Prozent erreicht werden. Die Fehlsteuerung der Prognosen liegt vor allen in „weichen" Faktoren wie dem menschlichen Verhalten begründet. Die klassischen Reaktionen der Industriegesellschaft finden sich in den Dienstleistungsgesellschaften immer weniger.
Sicherlich ist das Prognosegeschäft ohnehin nicht immer einfach, allerdings müssen sich die Statistiker ebenso wie die Anleger an der Börse davor hüten, den Eindruck des Augenblicks für eine längere Zeit fortzuschreiben. Die Geschwindigkeit der medialen Welt lässt selbst die eindrucksvollsten Momente rasch verfliegen. Vor diesem Hintergrund leben Totgesagte halt auch länger.
Konjunkturdaten: --------------
Unternehmenszahlen: -------------
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.557; 5.653; 5.701
Widerstände: 5.776; 5.853; 5.978
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
