DAX Sentiment
Henrik Voigt in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 11. Januar 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
die Serie von durchwachsenen Konjunkturdaten setzte sich auch am vergangenen Freitag weiter fort. Negativ überraschten vor allem die US-Arbeitsmarktdaten. Dort gingen im Dezember 85.000 Stellen verloren, während Volkswirte zum ersten Mal seit zwei Jahren mit einem Ende der Streichungswelle gerechnet hatten. Diese Schätzung erwies sich als zu optimistisch. Seit dem Beginn der Rezession im Dezember 2007 wurden damit in den Vereinigten Staaten insgesamt 7,3 Millionen Arbeitsplätze vernichtet. Die Arbeitslosenquote verharrte unverändert bei 10 Prozent nahe ihrem 26-Jahre-Hoch, was den Konsensschätzungen entsprach. Auch die Arbeitslosenquote im Euroraum ist im November 2009 stärker angestiegen als erwartet. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt damit angespannt und es bleibt zu hoffen, dass wir hier bald eine nachhaltige Verbesserung der Daten sehen, wenn die konjunkturelle Erholung nicht gefährdet werden soll.
Andere Konjunkturdaten sehen dafür bereits besser aus. Die deutsche Industrieproduktion ist im November preis- und saisonbereinigt um 0,7 Prozent gestiegen, nachdem sie im Vormonat leicht aufwärts revidiert um 1,7 Prozent (ursprünglich 1,8 Prozent) abgenommen hatte. Auch die Lagerbestände des US-Großhandels überraschten positiv.
Der Aktienmarkt scheint sich momentan ohnehin eher auf die positiven Daten zu konzentrieren und nimmt die für meinen Geschmack in letzter Zeit etwas zu häufig auftretenden negativen Ausrutscher nur kurz zur Kenntnis. Offensichtlich hat sich der Glaube an eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung bei den Anlegern auf breiter Front durchgesetzt. Da wird zunächst alles ignoriert, was nicht in diese Bild passt. In der Psychologie wird dieses Phänomen durch die Theorie der kognitiven Dissonanz erklärt (falls Sie das Thema einmal weiter vertiefen wollen). Solche Dissonanzen - also Abweichungen zwischen der Realität und der eigenen Meinung - werden entweder durch eine Umbewertung der Realität (einfacher, sehen wir momentan teilweise) oder durch eine Änderung der eigenen Meinung (ungleich schwieriger) vermieden.
Fakt ist, dass wir es beim DAX derzeit mit einem hohen Optimistenanteil bei den Sentimentdaten (57% laut cognitrend) zu tun haben. Das hat den Index bisher zwar nicht daran gehindert, weiter anzusteigen. Allerdings stelle ich mir nun insbesondere zu Beginn des neuen Jahres die Frage, woher in den nächsten Monaten noch neue Käuferschichten kommen sollen. Die mittelfristig agierenden Anleger hatten sich bereits vor dem Jahreswechsel für eine Rallye positioniert. Bleiben nur die kurzfristig agierenden Trader, die allerdings kaum für nachhaltige Kurszuwächse sorgen dürften. Immer wieder negative Überraschungen bei den Konjunkturdaten, dazu eine viel zu optimistische Anlegerschaft - das ist sicher nicht die Börsensituation, in der ich Langfristanleger sein möchte. Es könnte eines Tages zu einer plötzlichen Umbewertung der Situation kommen (gleichbedeutend mit dem Abbau der kognitiven Dissonanzen), die sich in einem heftigen Kurssturz entlädt. Ich glaube, in 2010 können Sie am besten mit Kurzfristtrading Geld verdienen. Schnell rein in den Markt, und ebenso schnell wieder raus. So wie ich es derzeit in meinem Börsendienst DAX Profits handhabe.
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