DAX: Seitwärtskonsolidierung setzt sich fort
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 24. September 2009, 08:00 Uhr
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Es kam wie so oft vor den Zinsentscheidungen der US-Notenbank. Der Markt schwankte in seiner seit Tagen vordefinierten Handelsspanne zwischen 5.606 und 5.750 Punkten auf und ab ohne dabei wirklich den Anschein einer Ausbruchsdynamik zu entwickeln. Zum Handelsschluss entstand eine „Unsicherheitskerze", die sich von ihren Hoch-und Tiefpunkten fast identisch zu jener des Vortages zeigte. Große Überraschungen blieben also aus. Möglich, dass die Schwankungen in den letzten beiden Tagen der Woche wieder zunehmen werden, mit einem endgültigen Ausbruch aus der Seitwärtsrange sollte aber nicht vor der Wahlentscheidung in Deutschland gerechnet werden.
Kaum ein Investor wird sich bei dem wieder zunehmend unsicheren Wahlausgang in dieser Woche noch zu weit aus dem Fenster lehnen. Wie schon in den vergangenen Ausgaben ausgeführt hätte aber selbst ein schwarz-gelber Wahlsieg nur einen kurzen Freudensprung zur Folge. Prinzipiell stehen alle Parteien vor denselben Problemen, die Lösungsansätze werden deshalb alle in dieselbe Richtung zeigen müssen. Dennoch steht genügend Kapital an der Seitenlinie bereit, um im geeigneten Augenblick in den Markt zu fließen. Die Geschwindigkeit des Auf und Ab wird aber wieder zunehmen.
Bund-Future weiter unter Druck
Den zunehmenden Konjunkturoptimismus spiegelt auch der Verlauf des Bund-Futures wieder. Als Gegenspieler des Aktienmarktes bildete der Index im Bereich um 121,5 Prozent eine Top-Formation aus und musste danach deutliche Verluste hinnehmen. Der Abzug von Investorengeldern aber auch die noch nicht offensiv vertretene Meinung, Inflation könnte bald wieder zum Thema werden, belasteten die Kurse am Rentenmarkt.
Setzt sich der aktuell dominierende Trend weiter durch, dürfte sich die Verlustserie am Rentenmarkt weiter fortsetzen. Kleinere Aufwärtshaken sind spiegelbildlich als Konsolidierungen am Aktienmarkt zu sehen und sollten deshalb nicht Trendwende fehlinterpretiert werden. Auch die Kursgewinne des Euro gegenüber dem US-Dollar unterstützen den erhöhten Risikowillen der internationalen Investoren.
Handelsspanne mit Tendenz nach oben
Der DAX konsolidiert nach wie vor im Bereich zwischen 5.606 und 5.750 Punkten, der seit mehreren Tagen gültigen Handelspanne. Der negative Turnaround an der Wall Street wird zwar zum Handelsauftakt erst einmal belasten, wenn nicht alles täuscht, dürfte der weitere Handelsverlauf am Nachmittag dann aber positiver werden. In der Regel ist die erste Reaktion der Wall Street auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank nicht nachhaltig, in den folgenden Sitzungen schlägt der Markt dann die Gegenrichtung ein.
Ein Überschreiten des Widerstandes um 5.750 Punkte auf Schlusskursbasis rückt dann näher.
Nächste Kursziele darüber lägen bei 5.853 und 5.955 Punkten. Das der DAX die nächste Widerstandszone anvisieren wird ist unstrittig. Auf der Unterseite gilt mittlerweile der Bereich 5.669/5.672 Punkte als kurzfristige Unterstützung. Schließt der DAX darunter wäre ein weiteres Abrutschen bis in den Bereich um 5.606/5.624 Punkten wahrscheinlich.
Ifo-Geschäftsklimaindex bleibt im Aufwärtstrend
Noch immer fragen sich viele Ökonomen, wie weit der Rebound der Konjunkturindikatoren die Wirtschaftsbelebung tragen kann. Obwohl es nach dem deutlichen Einbruch der vergangenen 12 Monate klar war, dass die eingeleiteten Stützungsmaßnahmen der Regierungen und Notenbanken einen stärkeren Rebound provozieren würde, bleibt die Mehrzahl von ihnen skeptisch. Ein wenig Psychologie mag dahinter stecken, denn wer den Absturz im letzten Jahr nicht hat kommen sehen, der möchte mit seiner Prognose nun nicht zu optimistisch wirken.
Im Falle des ifo-Geschäftsklimaindex, bei dem für heute ein Anstieg von 90,5 auf 92 Punkte erwartet wird, kann man nicht ernsthaft von einem zu großen Optimismus der Analysten sprechen. Der seit einigen Monaten bestehende Aufwärtstrend bleibt demnach erhalten. Vermutlich wird sich die Stimmung auch so schnell nicht wieder eintrüben, denn noch sind die Rahmenbedingungen für einen zumindest kleinen Wirtschaftsaufschwung vergleichsweise gut.
Um die Wiederbelebung der Wirtschaft nicht zu früh abzuwürgen, werden die Notenbanken zinspolitisch wohl nicht vor der Mitte nächsten Jahres aktiv werden. Damit dürfte vor allem die Angangsphase der Erholung in der Realwirtschaft stärker ausfallen als bisher prognostiziert. Bei allen dann noch folgenden Problemen sollte berücksichtigt werden, dass kein Erholungsprozess linear verläuft. Das Hauptbeben der jüngsten Wirtschaftskrise hat die Weltwirtschaft aber schon hinter sich. Die Erholung der Konjunkturindikatoren wird deshalb zunächst weiter voranschreiten.
Konjunkturdaten: DE: 10.00 Uhr: ifo-Geschäftsklimaindex (September); USA: 16.00 Uhr: Verkäufe bestehender Häuser (September).
Unternehmenszahlen: Gerry Weber, Escada
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.624, 5.669, 5.701
Widerstände: 5.776; 5.853; 5.955
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
