DAX Sector Industrie: Weiteres Kapitel der Bodenbildung
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 25. März 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
die vergangenen sechs Jahre eilten die deutschen Maschinenbauunternehmen von Erfolg zu Erfolg, steigerten kontinuierlich ihre Umsätze und Gewinne, mahnten die beschleunigte Ausbildung von zusätzlich benötigtem Fachpersonal an. Fern lagen die Zeiten der letzten Rezession von 1991 bis 1993, mit zahlreichen Insolvenzen und einem schmerzhaften Anpassungsprozess in Sachen Kapazitäten und Produktivität. Die Globalisierung schien aufgrund unterschiedlicher Konjunkturzyklen zwischen den Industrieländern dafür zu sorgen, dass die Unternehmen die Schwächephasen besser ausgleichen konnten. Die Hypothekenkrise in den USA, die zunächst zur Bankenkrise und schließlich zur weltweiten Wirtschaftskrise mutierte, beendete mit einem Schlag eine fünfzehnjährige Zeit des Wachstums und der vermeintlichen Sicherheit vor starken zyklischen Einflüssen. Für dieses Jahr rechnet der Verband der Maschinen-und Anlagenbauer (VDMA) mit einem Produktionsrückgang von sieben Prozent. Im vierten Quartal 2008 brachen die Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 29 Prozent ein, die schlechteste Entwicklung seit 50 Jahren.
Börse signalisierte frühzeitig den scharfen Abschwung
Sehr frühzeitig signalisierte der Aktienmarkt im Verlaufe des Jahres 2008 der Branche aber was sie zu erwarten hatte. Während die Kapazitätsauslastung Mitte 2008 noch bei 99 Prozent lag, rutschte der DAX Sector Industrie von 4.210 auf 2.692 Punkte um 36 Prozent ab. Während bei den meisten Unternehmen angesichts der Wirtschaftsschwäche in den USA noch das Prinzip Hoffnung regierte, rutschte der Index im Herbst 2008 von 3.000 auf 1.500 Punkte erneut ab. Es folgte der realwirtschaftliche Abschwung: Im Januar lag die Kapazitätsauslastung nur noch bei 78 Prozent. Die Anzahl der sehr günstig bewerteten Aktien lockte zwar erste institutionelle Investoren zum Einstieg an, die wage Vermutung, im zweiten Halbjahr 2009 könnte sich die Situation bei den Auftragseingängen wieder leicht verbessern, überzeugte die Mehrheit der Investoren aber noch nicht. Das von der Bundesregierung geschnürte Konjunkturpaket und dies Diskussion um die staatlichen Hilfen für den Autobauer Opel führte aber wenigstens zu einem Ende der Kursverluste sowie einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Einen stärkeren Erholungsimpuls verspürte der Index durch die Verabschiedung des chinesischen Konjunkturpakets. Weil das Wachstum der deutschen Maschinenbauindustrie dort in den vergangenen Jahren besonders stark war, erhoffen sich die Anleger eine Wiederbelebung der Nachfrage durch die geplanten Infrastrukturmaßnahmen.
Nachholbedarf der Schwellenländer nach wie vor hoch
Da 80 Prozent der deutschen Maschinenbauproduktion ins Ausland exportiert werden, ist eine globaler Nachfrageschub das A und O für den Sektor. Anders als noch vor 15 Jahren spielt der Exportmarkt USA zwar noch eine wichtige Rolle, hat aber angesichts des Nachholbedarfs von Ländern wie Rußland, Indien und Brasilien deutlich an Bedeutung gewonnen. Die globale Wirtschaftskrise hat den Bedarf dieser Länder für die Zukunft deshalb auch nicht verringert, sondern verzögert lediglich das Tempo,mit dem diese Märkte versuchen, die Lücke zu den etablierten Industrieländern zu schließen. Kurzfristig dürfte aber ausgerechnet der US-Markt für den deutschen Maschinenbau interessant sein, hat sich Präsident Obama doch einen Ausbau der erneubaren Energien auf seine Fahnen geschrieben. Die hierfür notwendigen Maschinen werden hauptsächlich in Deutschland hergestellt, insbesondere die zum Aufbau von Massenproduktionen notwendigen Spezialgeräte. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Automobil-und Druckindustrie werden aber noch eine Weile bestehen bleiben, weshalb die aktuelle Entwicklung des DAXSector Industrie nur als Teil einer längerfristigen Bodenbildung begriffen werden sollte.
Erster Abwärtstrend überwunden
Technisch gesehen arbeitet der Index seit Ende Oktober an einer tragfähigen Bodenbildung zur Beendigung der Abwärtsbewegung. Dabei schwankte der DAX Sector Industrie in einer Spanne zwischen 1.400 und 2.000 Punkten. Im Zuge der Erholungsbewegung des Gesamtmarktes gelang es den Bullen, den seit Oktober gültigen Abwärtstrend zu durchbrechen und auch die Widerstandsmarke von 1.600 Punkten zur Disposition zu stellen. Damit wurden die Voraussetzungen geschaffen, um sich in den nächsten Wochen weitere Terraingewinne zu erarbeiten. Analog zur Entwicklung von Anfang Februar steht der MACD kurz davor, ein weiteres Kaufsignal zu liefern. Die anschließende Reaktion des Index von damals zeigte, dass sich dem Erholungsversuch noch nicht ausreichend viele Käufer bereit waren anzuschließen. Die aktuellen Umsätze lassen aber darauf schließen, dass der aktuelle Versuch auf größere Unterstützung trifft. Ein Kursniveau von 1.800 Punkten erscheint aus diesem Grund in den nächsten beiden Wochen erreichbar. Mittelfristig sollte, nach einer kurzen Konsolidierung, der Test des Baisse-Abwärtstrends im Bereich von 2.000 Punkten erfolgen. Dort werden sich dann die Bären wieder zu Wort melden, eine ernsthafte Trendwende dürfte vor Herbst dieses Jahres kein Thema sein.
