DAX: Ruhig Blut
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 4. September 2009, 08:00 Uhr
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Die Patt-Situation zwischen Bullen und Bären vom Vortag bliebt auch gestern fast nahtlos bestehen. Zwar starteten die Bullen einen erneuten Anlauf, den kurzfristigen Abwärtstrend zu durchbrechen. Am Ende war es aber die Scheu der Anleger vor den heutigen US-Arbeitsmarktzahlen, die zu einer Reduzierung weiterer Risikopostionen und somit zum fünften Minustage infolge führte. Als kleinen Punktgewinn dürfen sich die Bullen allerdings einen Tief-und Hochpunkt im Vergleich zum Vortag auf die Fahnen schreiben.
Auch die Schlussnotierung knapp oberhalb der 5.300er Marke dürfen sich die Bullen gutschreiben, denn der Sprung über diese wichtige Unterstützung gelang praktisch mit der Schlussglocke. Da der DAX es bei dieser Konsolidierung noch immer nicht unter das Tief der vergangenen abgeschlossenen Konsolidierungswelle vom (Verlauf 5.173, Schlusskursbasis 5.201 Punkte), müssen die Bären jetzt Gas geben. Gelingt ihnen in den nächsten zwei Tagen kein weiterer Terraingewinn, sind die Bullen wieder am Zug.
Keine Stabilität unter den Zugpferden
Der unsichere Eindruck, den der Gesamtmarkt so hinterlässt, macht sich vor allem am durchlaufenden Favoritenwechsel der Zugpferde fest. Vor allem die VW-Aktie entwickelt sich zur Dauerbelastung im DAX, der keine gleichwertige Aktie auf der Habenseite entgegensteht. Während also die Finanzaktien den Index mit ihrer positiven Tagesperformance vor einem deutlichen Rutsch nach unten bewahrten, zerrte auch die BASF an den Kräften der Bullen und verlor überdurchschnittlich an Wert. Der Rest der Automobile folgte hingegen dem Finanzsektor und erholte sich ein Stück weit von den Verlusten der Vortage.
Solange es jedoch bei dem Durcheinander ohne klare Wideraufnahme eines Trends bei einzelnen Zugpferden bleibt, kann die Konsolidierung noch nicht beendet sein. Ein nachhaltiger Wechsel unter den Anführern der jüngsten Erholung hat sich aber noch nicht ergeben. Nach wie vor sind die Finanzaktien die Trendsetter. Schwingen sie sich noch in diesem Jahr zu neuen Jahreshoch auf, wird das beim Gesamtindex nicht lange auf sich warten lassen. Brechen sie allerdings erneut ein, wird das auch den DAX stärker belasten.
Letzte Chance für die Bären
Der mehrtätige Versuch der Bären, die seit Mittwoch der vergangenen Woche laufende Konsolidierung ein weitere Stück voran zu bringen, ist bisher an der 5.300er Marke gescheitert. Es ist für die Bären jetzt höchste Zeit, mehr Druck aufzubauen, ansonsten droht auch dieser Angriff, ähnlich jenem von Anfang August, im Sande zu verlaufen. Die Bullen scheinen indes die Ruhe weg zu haben, denn sie wissen um die Anlagenot vieler Investoren.
Die tröpfchenweise fortgesetzte Abwärtsbewegung deutet daher darauf hin, dass die nächste größere Bewegung wieder nach oben zeigt. Entscheidender Widerstandsbereich für die Bullen ist sind die Marken 5.400 und 5.440 Punkte. Die nächste stärkere Unterstützungsmarke im Falle eines fortgesetzten Kursrutsches wäre der Bereich um 5.173 Punkte.
US-Arbeitsmarklosenzahlen treiben dem Höhepunkt zu
Sechs Millionen Arbeitsplätze wurden in den USA in den vergangenen knapp zwei Jahren vernichtet, die Dunkelziffer nicht mitgerechnet. In der Arbeitslosenquote kommt das durch einen Anstieg derselben von 4,5 auf 9,4 Prozent zum Ausdruck. Die leichte Erholung am Arbeitsmarkt im Juli war nach Überzeugung von Analysten nur ein Ausrutscher. Für den August erwarten sie einen leichten Anstieg der Quote von 9, 4 auf 9,6 Prozent. Allerdings würde diese Zunahme sich kaum von den Sommermonaten durchschnittlicher Wachstumsjahre kaum unterscheiden, denn der Anstieg entspricht normalen saisonalen Effekten.
Die letzte größere Rezession in den USA 1982 trieb die Arbeitslosenzahlen sogar bis auf eine Quote von knapp 11 Prozent, Goldman Sachs erwartet einen solchen Extremwert allerdings nicht. Vielmehr gehen die Investmentbanker davon aus, dass der die Quote noch bis auf 10,25 Prozent bin ins Jahr 2010 steigt und ein Turnaround dann im zweiten Halbjahr sichtbar wird. Ob das den Politikern in Washington, die im November 2010 die nächsten Parlamentswahlen zu durchstehen haben, jedoch reicht, ist fraglich.
Neben den hohen volkswirtschaftlichen Kosten ist es vor allem die Unzufriedenheit dieses Heeres von Arbeitslosen, die die Regierung fürchtet. Es wäre daher nicht überraschend, wenn Präsident Obama weitere Steuer-Milliarden in die Hand nehmen würde, um die Wirtschaft schneller in Schwung zu bringen. Der Impuls müsste dann aber früh genug gesetzt werden, damit er seine Wirkungen zum gewünschten Zeitpunkt entfaltet. Bis zum Winter werden die Arbeitslosenzahlen zumindest weiter ihrem Höhepunkt entgegentreiben.
Konjunkturdaten: USA: 14.30 Uhr: Arbeitsmarktdaten (August).
Unternehmenszahlen: ---------------
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.173; 5.223; 5.269
Widerstände: 5.351; 5.383; 5.444
Viel Glück, Erfolg und ein schönes Wochenende!
Andreas Wolf
