Tom Firley ist einer der anerkanntesten Börsenexperten und Charttechniker Deutschlands. Tausende Privatanleger profitieren täglich von seinem Investors Daily.
Tom Firley in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom
wohl beschwingt durch meine passende Dax-Prognose zu Jahresanfang, forderten einige Investors-Daily-Leser eine aktuelle Prognose bzw. wie ich „die weitere Entwicklung" sehe.
Prognosen sind immer schwierig...
... besonders die für die Zukunft. Sie wissen, ungern gebe ich Prognosen für Börsenstände ab, die in weiter Zukunft liegen. Ich deutete dies bereits heute Morgen in meinem Beitrag „Rezession in Deutschland" im Investors Daily update an. Zu groß sind die Unwägbarkeiten, die einem dabei die Suppe versalzen können (Bank-Analysten können ein Lied davon singen...). Andererseits möchte ich mich nicht gegen diesen vielfachen Leserwunsch „sperren".
Kollegen-Gespräche
Schlussendlich gebe ich in Gesprächen mit Kollegen ja auch eine Meinung ab. In diesen oft hitzigen, aber sehr interessanten Gesprächen wird diese Meinung dann zwar oft von meinem Gegenüber auseinander genommen... je nachdem, welchem, Lager er sich gerade angeschlossen fühlt und ich dann die andere Meinung entsprechend demontiere (wenn es sein muss). Ich bin gespannt, was Sie von meiner Prognose halten...
Raus aus dem Gröbsten?
Im Grunde genommen, ist es ganz simpel. Laut BIP (plus 0,3%, ich berichtete) sind wir also nicht mehr in einer Rezession. Fein. Die Börse hat dies bereits vorweg genommen und stieg seit März fast unaufhaltsam (ohne zu wissen, dass Deutschland rezessionstechnisch auf dem aufsteigenden Ast ist...). Das sind die Fakten.
Ein Pessimist ist oft intelligent
Fakt ist aber auch, dass noch zahlreiche Probleme (gerade im Mittelstand) zu bewältigen sind. Das klingt hoffnungsfroh. Ein Pessimist würde das sicherlich anders ausdrücken, z.B. dass die Probleme bis auf viele Jahre hinaus gar nicht zu lösen sind und die Krise noch einmal mit voller Wucht zuschlagen wird.
Sie sollten aber bedenken (mit einem Lächeln im Knopfloch): Pessimisten sind oft intelligente Menschen, aber die schlechteren Börsianer. Ein Blick auf den langfristigen Chart beweist das.
Langfrist-Chart Dow Jones Industrial
Sie sehen: Notorische Bären hätten in den letzten 59 Jahren nicht viel Geld verdient. So, jetzt aber mal Tacheles:
Die Welt-Börsen im Allgemeinen, der Dax im Speziellen ist in den letzten Monaten einfach davon gelaufen. Zwar hatten wir Anfang Juli eine Art Bärenfalle, die dann wieder in eine umso heftigere Rally mündete.
Ist positiv wirklich positiv?
Momentan werden schlechte (Unternehmens-)Nachrichten eher ignoriert und positive Nachrichten entsprechend „gefeiert". Allerdings dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass positive Nachrichten wie zum Beispiel steigende Gewinne oft einhergehen mit (stark) sinkenden Umsätzen und / oder Entlassungen, Kurzarbeit oder rigiden Kosteneinsparungen.
Und sinkende Umsätze lassen logischerweise kein Unternehmen wachsen. Irgendwann werden auch Kosteneinsparungen nicht mehr zu Gewinnen führen, wenn die Aufträge ausbleiben. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Die entscheidende Höchst-Marke im Dax
Im Dax liegt meines Erachtens die entscheidende Marke bei etwa 6.170 Punkten (scharze Horizontale im nächsten Chart). Dort stand der Dax vor der Lehman-Pleite, welche den zweiten Abwärtsschub an den Welt-Börsen einleitete. Bis dahin kann der Dax noch laufen, dann ist erst einmal Schluss und uns dürfte eine längere Seitwärtsphase bevorstehen.
Freilich, Miss Börse wäre nicht Miss Börse, wenn sie uns nicht bei etwa 6.170 noch einmal ärgern würde und eine Bullenfalle produziert. Auch diese Falle habe ich in diesem Szenario in den folgenden Dax-Chart eingebaut. Betrachten Sie bitte die blauen (auch gestrichelten) Linien.
Chart Dax-Prognose
Nach dieser möglichen Bullen-Falle (oder natürlich auch etwas früher) würde dann eine kräftige Korrektur einsetzen. Dies übrigens wäre die positive Variante. Daneben sehen Sie im Chart die von mir favorisierte grüne Variante.
Hier würde die Korrektur wesentlich eher einsetzen und den Dax zu den Juli-Tiefs zwingen. Und dann käme die große Frage, die Ihnen leider keiner beantworten kann: Sind wir wirklich auf dem aufsteigenden Ast oder geht die Krise dann es erst richtig los? Sie erkennen:
So oder so: Eine Korrektur wird fällig
Eine Korrektur wird früher oder später fällig. Es ist dann die Frage, wie intensiv diese ausfällt. Und genauso heftig wie die aktuell laufende Rally kann auch die nächste Korrektur werden. Mein Anliegen:
Ziehen Sie Ihre Trailing Stopps Gewinn bringend nach und machen Sie keine Kompromisse, wenn Ihr mentaler Stopp erreicht wird. Es wäre schade, wenn aus den aktuellen Gewinn- (wie z.B bei der Krones-Aktie) noch größere Verlust-Positionen werden sollten.
Viel Erfolg an der Börse und ein schönes Wochenende
Ihr
Tom Firley
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