Dax Profits: Skepsis ist weiter angebracht
Henrik Voigt in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 17. März 2009, 18:00 Uhr
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Liebe Leser,
die Meldung der vergangenen Woche schlechthin war diese Nachricht: Die Banken machen plötzlich alle wieder Gewinne! In den vergangenen Tagen liefen entsprechende Aussagen von der Deutschen Bank, Citigroup, J.P.Morgan, Bank of America und Wells Fargo über die Ticker und lösten eine beachtliche Kursrallye an den Aktienmärkten aus. Also nichts wie rein in Aktien, weil der nächste Bullenmarkt gerade gestartet ist?
Lage immer noch kritisch
Unsinn! Auch wenn viele Medien diese Meldungen überschwänglich feiern und suggerieren, dass es den Banken wieder gut geht: Wenn ich jedoch genau nachlese und meinen Verstand gebrauche, haben wir es weiterhin mit einer äußerst kritischen Lage zu tun. Die Banken machen vielleicht Gewinne, jedoch vor Steuern und Abschreibungen. Das ändert aber nichts daran, dass die Abschreibungen ein Vielfaches der Gewinne betragen und diese inder Summe komplett ausradieren.
Erinnern wir uns: Eben jene Banken, die sich jetzt feiern lassen, mussten noch vor wenigen Wochen massiv mit Steuergeldern in Milliardenhöhe gestützt werden, damit sie überhaupt überleben können. Und zwar mit einem zweiten Rettungspaket innerhalb kurzer Zeit, das erste reichte ja - wie Sie wissen - noch nicht einmal aus.
Welche Gewinne bei den Banken?
Warum dann diese extremen Maßnahmen, wenn doch alles gut ist? Das viele Großbanken inzwischen wieder ein paar Gewinne einfahren, ist sicher ermutigend und könnte den unmittelbaren Zusammenbruch des Finanzsystems vorerst abwenden. Aber erst wenn diese Gewinne Größenordnungen erreichen würden, welche die noch ausstehenden Abschreibungen auf wertlose Kredite wenigstens auf lange Sicht kompensieren können, wären die Banken aus dem Schneider. Und da reden wir über mindestens zweistellige Milliardensummen bei jeder Großbank pro Jahr. Wo Gewinne in dieser Größenordnung in einem rezessiven Umfeld herkommen sollen, ist mir jedoch schleierhaft.
Ben und die Rezession
Aber Moment mal: US-Notenbankchef Bernanke stellte kürzlich doch ein Ende der Rezession im zweiten Halbjahr in Aussicht. Also wird doch alles gut? Nun ja, dieser Mann ist leider nicht gerade ein Musterbeispiel an Glaubwürdigkeit und Prognosequalität. Er sagt seit über einem Jahr ein baldiges Ende der Rezession voraus, nachdem er geraume Zeit bestritten hatte, das wir uns überhaupt in einer solchen befinden. Ebenso war er fest davon überzeugt, dass die Bankenkrise niemals auf die Realwirtschaft übergreift. Spätestens die Schieflage von General Motors sollte ihn vom Gegenteil überzeugt haben.
Bleiben Sie deshalb skeptisch, wenn urplötzlich euphorische Meldungen über die Medien laufen. Kurse machen Nachrichten, selten umgekehrt.
Außerdem sind hierzulande bald Bundestagswahlen. Lassen Sie sich nicht zu blindem Aktionismus verleiten. Am Aktienmarkt fanden letzte Woche in großem Stil Eindeckungen von Leerverkäufen statt, was zu kräftigen Kursanstiegen vor allem bei den zuvor stark gefallenen Bankaktien führte. Die Medien versuchen bei solch extremen Kursbewegungen immer im Nachhinein plausible Begründungen dafür zu finden. Aber diese sind meist großer Unsinn.
Bärenmarkt-Rallye
Eine wirkliche Verbesserung der Lage bei den Banken oder bei der Konjunktur kommt nicht über Nacht, sondern zeichnet sich allmählich ab. Und diese Spuren kann man dann auch in den Charts sehen. Ich analysiere diese für Sie täglich. Sobald sich etwas abzeichnet, bekommen Sie von mir entsprechende Meldungen. Bislang haben wir jedoch nichts weiter als eine Bärenmarktrallye, wie ich Sie in der letzten Wochenausgabe angekündigt hatte, keine große Bodenbildung. Und in dem Umfeld bleiben wir vorsichtig und skeptisch, aber nutzen dennoch jede sich bietende Gelegenheit auf Kursgewinne ohne großes Risiko (wie zuletzt unseren Put-Positionen...)
Ihr
Henrik Voigt
Chefredakteur Dax Profits
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