DAX Optimismus
Henrik Voigt in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 22. Februar 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
es ist schon erstaunlich: der DAX kommt seit Monaten nicht mehr auf dem Weg nach oben voran - den aktuellen Kursstand von ca. 5700 Punkten sahen wir bereits im September 2009 - aber der Optimismus der Anleger kennt kaum noch Grenzen. Die jüngsten Stimmungsindikatoren von cognitrend für den DAX sind erstaunlich: 61% Bullen stehen nur 22% Bären gegenüber. Damit notiert der cognitrend Bull/Bear-Index auf dem höchsten Stand seit Januar 2009 (!). Sie erinnern sich vielleicht: damals stand der DAX kurz vor einem Einbruch um fast 2000 Punkte bzw. über 30 Prozent.
Allein die schiere Dauer der Erholungsrallye seit März 2009 scheint die Anleger immer optimistischer werden zu lassen, denn Kursgewinne gibt es unter dem Strich seit Monaten kaum noch zu vermelden. Dabei ist die Gefahr, dass der flache Aufwärtstrend seit August 2009 Teil eines großen Trendwendeprozesses und nicht Anzeichen für einen neuen Bullenmarkt ist, als sehr hoch einzustufen. Auch die fundamentalen Risiken haben sich in letzter Zeit durch Ereignisse wie beinahe Staatspleiten in der Eurozone, eine beginnende weltweite Zinswende, wieder eingetrübte Konjunkturdaten und eine ausgeuferte Staatsverschuldung signifikant erhöht.
Diese Risiken werden vor allem von den inländischen DAX-Anlegern in letzter Zeit konsequent ignoriert. Stattdessen wird jeder Kursrücksetzer im DAX gekauft. Ohne dass dies jedoch einen dynamischen Aufwärtstrend zur Folge hätte. Die Aufwärtsbewegung schwächt sich dennoch immer weiter ab. Sorgten in 2009 Korrekturen im DAX für Angst und Skepsis und waren damit durch ihre bereinigende Wirkung förderlich für einen weiteren Anstieg, so haben wir es in 2010 mit einer völlig anderen Trendmechanik zu tun. Offensichtlich haben zu viele Anleger gelernt, die Rücksetzer zum Einstieg zu nutzen. Nicht die Skepsis steigt nunmehr in Korrekturen, sondern der Optimismus und die Investitionsquote der Anleger. Weitere Kurszuwächse werden damit deutlich schwieriger.
Käme es jetzt zu Verkäufen, könnten diese zudem kaum noch durch zusätzliche Nachfrage auf tieferem Niveau aufgefangen werden, da zu viele Anleger in Erwartung weiterer Kursgewinne bereits komplett investiert sind. Eine sich selbst nährende Verkaufswelle von großem Ausmaß wäre die Folge. Diese Situation zeigt auch das Chartbild beim DAX (in meinem zweiten Beitrag unten). Ein so flacher Aufwärtstrend wie der beim DAX seit August 2009 enthält eine Menge bärische Gegenspannung, die sich bei Unterschreiten bestimmter Kursmarken sehr heftig entladen kann. Lediglich die Initialzündung dafür fehlt noch.
Was bedeutet diese Situation für Sie? Sie müssen deshalb nicht sofort alles verkaufen, aber achten Sie bitte auf klug gesetzte Stoppkurse, die Sie vor großen Verlusten bewahren, falls der Trend tatsächlich kippt. Dann können Sie sogar eine Spekulation auf fallende Kurse wagen. Bis dahin laufen Sie den Kursen nach oben nicht hinterher und reduzieren Sie Ihr Risiko, indem Sie Ihre Positionen verkleinern. Egal was die Kurse dann in 2010 machen: Ihnen kann nichts passieren.
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