DAX: Noch mal ein Tag Ruhepause
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 4. Juni 2009, 08:00 Uhr
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Haben die Bären doch wieder größere Ambitionen oder handelte es sich bei der gestrigen Abwärtsbewegung nur um Gewinnmitnahmen? Bisher lässt sich diese Frage zugunsten der Bullen beantworten, denn mit einem Tagestief und Wendepunkt bei 5.036 Punkten drehte der DAX fast genau am Schlusskurshoch vom 20.5. bei 5.038 Punkten ab. Die anschließende Erholung mit mageren 18 Punkten als Schlussstand darüber mahnt aber noch zur Vorsicht. Das sich ein Wendepunkt der laufenden Bärenmarktrally schon manifestiert haben könnte, ist kaum anzunehmen. Dagegen sprechen sowohl der bevorstehende große Verfallstermin am 19. Juni als auch die saisonalen Einflüsse. Kaum ein institutioneller Investor ist daran interessiert, sich seine schöne Halbjahresbilanz oder noch besser Quartalsbilanz von einer Korrektur zur Unzeit kaputt machen zu lassen. Die zwischenzeitlichen Gewinnmitnahmen werden deshalb bis zu bestimmten (technischen) Grenzen zugelassen, mehr aber auch nicht. Das Schwankungen während des Handelstages dabei diese technische Grenzen auch kurzzeitig unterschreiten können, gehört wohl zum Nervenkitzel der Day-Trader. Der Solidität der bestehenden Erholungsbewegung werden sie (vorerst) nichts anhaben können.
Gewöhnliche Gewinnmitnahmen
Betrachtet man die Mehrzahl der betreffenden DAX-Werte, die gestern überdurchschnittliche Verluste erlitten haben, so kommt man zu dem Schluss, dass es sich bei der kleinen Sommerschwäche um gewöhnliche Gewinnmitnahmen gehandelt hat. Ob Salzgitter, Metro oder VW- all diese Titel hatten in den Vortagen zum Teil sehr deutliche Gewinne zu verzeichnen. Das dabei vorgelegte Tempo kann nicht auf Dauer durchgehalten werden, kurze und heftige Gegenbewegungen korrigieren nur zwischenzeitliche Übertreibungen, wirken damit aber Trend bestätigend. Technisch gesehen befindet sich die Mehrheit der DAX-Werte in intakten, untergeordneten Aufwärtstrends. Die großen Chart-Bilder weisen hingegen nach wie vor mehrheitlich Abwärtstrends aus. Einen leichten Anstieg verzeichnete nach langer Zeit wieder einmal der VDAX, der mit 31,5 Punkten wieder deutlicher über der 30er Marke notierte. Diese „Zuckung" liegt aber im Rahmen der Handelsspanne eines normalen Handelstages und deutet nicht auf eine Trendwende hin. Ein Anstieg bis 34 Punkte ist als unproblematisch anzusehen, darüber hinaus wäre allerdings dann als Warnsignal zu bewerten.
Noch keine technische Umkehrformation gegeben
Die Verschnaufpause im DAX hat an den technischen Gegebenheiten nicht viel geändert. Eine Topbildung, die eine Umkehr des bestehenden Aufwärtstrends einleiten könnte ist bisher noch nicht zu erkennen und auch für eine Umkehr mit einem markanten Top fehlen die Voraussetzungen. Die laufende Konsolidierung darf sich im Extremfall noch bis 4.956 Punkte erstrecken, spätestens dort müssen die Bullen wieder Lebenszeichen von sich geben. Im Anschluss ist mit einem erneuten Test des Widerstandes bei 5.144 Punkten zu rechnen, der dann auch fallen sollte. Ziel der gesamten Bärenmarktrally ist zweifelsohne der dominante mittelfristige Abwärtstrend dieses Baisse-Marktes bei 5.319 Punkten, Tendenz fallend.
Tag der europäischen Zentralbankentscheidungen
Sowohl die britische Notenbank als auch die EZB entscheiden heute über die Höhe ihrer Leitzinsen. Während die Briten sich auch wegen des dramatischen Absturzes ihrer Wirtschaftsleistung enger an der US-Notenbank orientieren und deshalb den Zinssatz bis auf 0,5 Prozent nach unten geschleust haben, verfügt die EZB mit einem historisch niedrigen Leitzinssatz von einem Prozent theoretisch noch über ein kleines Notfallpolster. Dies soll nach Aussage verschiedener Zentralratsbanker aber nur noch bei einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage aufgebraucht werden. Beide Notenbanken haben darüber hinaus wie ihr Pendant in den USA mit dem Ankauf von Staatsanleihen des eigenen Währungsraumes begonnen. Dabei gehen die Briten wesentlich aggressiver vor, denn durch den Zusammenbruch vieler großer Banken in Großbritannien befinden sich zahlreiche Unternehmen in Finanzierungsschwierigkeiten. Das 60 Milliarden Euro-Paket der EZB konzentriert hingegen auf den Pfandbriefmarkt, dessen Liquidität durch die Ankäufe wieder erhöht werden soll. Zentrale Frage der heutigen Entscheidung wird daher sein, in welchem Sektor die EZB den Schwerpunkt ihrer Aufkäufe setzt.
Zusammensetzung der Aktienindizes wird überprüft
Der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse überprüft heute Abend turnusgemäß die Zusammensetzung aller Aktienindizes des Börsenbetreibers. Aufgrund der positiven Kursentwicklung in den vergangenen drei Monaten und dem Fehlen von Sonderentwicklungen wie Übernahmen oder Fusionen dürften die Zusammensetzungen unverändert bleiben. Zwar wird der Fall VW mit Sicherheit für genügend Diskussionsstoff sorgen, aber auch hier steht aktuell kein Handlungsbedarf an. Im Hinblick auf die Stabilität der Indizes werden gerade auch viele institutionelle Investoren für eine Kontinuität bei der Zusammensetzung dankbar sein. Die zahlreichen Veränderungen der vergangenen zwölf Monate waren auch für viele Fondmanager kein Vergnügen. Für ein kleine Atempause wären sie deshalb dankbar.
Konjunkturdaten: GB: 11.00 Uhr: Zinsentscheidung britische Notenbank; EU: 13.45 Uhr: Zinsentscheidung der EZB
Unternehmenszahlen: Jahresergebnis: Voestalpine; HV: Hamburger Hafen, AWD, ProSiebenSat1
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.956; 4.980; 5.038
Widerstände: 5.144; 5.283; 5.313
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
