DAX: Noch keine Erholung in Sicht
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 2. März 2009, 08:00 Uhr
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Die Konjunkturdaten aus den USA trugen am Freitag nicht zu einer Stabilisierung des DAX bei. Zu groß war die Enttäuschung über den größer als erwarteten Rückgangs des US-BIP im vierten Quartal 2008. Auch das Verbrauchervertrauen und der Einkaufsmanagerindex zeigen kaum eine Verbesserung der trüben Situation an. Die Gewinner des Vortages, Deutsche Bank und Allianz, mussten deshalb auch wieder Teile ihrer Zugewinne abgeben, der DAX wurde von den Bären auf ein neues Baisse-Tief bei 3.765 Punkten gedrückt. Auf der Oberseite war schon bei knapp 3.900 Punkten Schluss. Wenn man etwas Positives an der derzeitigen Marktsituation finden will, dann die Tatsache, dass sich zumindest die Geschwindigkeit der Abwärtsbewegung verringert hat. Alle anderen Faktoren, inklusive des Umsatzverhaltens, sprechen eindeutig für die Bären.
Unsicherheit um GM und AIG
Gemessen an der Entwicklung an der Wall Street können die deutschen Anleger aber noch ganz „zufrieden" sein, denn der Dow Jones schloss am Freitag auf einem 12-Jahres-Tief. Nimmt man aber diese Tatsache als Vorindikator für den DAX, wäre die Hoffnung gleich dahin. Im Unterschied zum US-Aktienmarkt dürfte das Insolvenz-Gefährdungspotential für viele deutsche Standardwerte aber bei weitem nicht so hoch sein. Schwergewichte wie General Electric, General Motors und American International Group sind nur noch einen Bruchteil dessen Wert, was sie vor einem Jahr gekostet haben. Insbesondere die letzten beiden Unternehmen hängen sind praktisch klinisch tot und werden nur noch durch Steuergelder am Leben erhalten. Angesichts der immer neuen Milliardenabschreibungen und Finanzierungslöcher, die beide Firmen offenbaren, stellt sich die Frage nach der Zweckmäßigkeit der Unterstützungen. Der Kursverfall an der Wall Street nimmt eine Insolvenz praktisch vorweg.
Käufer halten sich noch zurück
Noch immer zeichnet sich keine durchgreifende Erholung beim DAX ab. Wie programmiert scheinen die Anleger auf die nächste Unterstützung bei 3.618/3.645 Punkten zuzuhalten. Die abnehmenden Tageshochpunkte und das Erreichen neuer Tagestiefs komplettieren dieses Bild. MACD und Momentum verhalten sich korrelativ, also gleichlaufend, mit der tatsächlichen Kursentwicklung. Erst wenn sich hier eine Abweichung erkennen lässt, dürfte der Abwärtsdruck nachlassen und neue Kaufbereitschaft aufkommen. In Anbetracht der verhältnismäßig geringen Umsätze reicht dann auch schon ein kleiner Impuls um eine Wende einzuleiten. Noch ist es aber nicht soweit, die Bären führen nach wie vor das Zepter. Von dem am Mittwoch anstehenden Aufstieg der Hannover Rück und Fresenius St. gegen Infineon und die Deutsche Postbank wird kaum ein solcher Impuls ausgehen. Zwar wird Fresenius wie schon das im DAX notierte Tochterunternehmen FMC keine so hohe Volatilität aufweisen wie die ausscheidenden Titel, mit Hannover Rück taucht aber ein weiterer Finanzwert auf. Die Gesamtschwankung des DAX dürfte damit kurzfristig historisch gesehen hoch bleiben.
Blick nach London und New York
Neues aus der Welt der angeschlagenen Finanzunternehmen: Die in London ansässige Großbank HSBC stellt ihre Zahlen zum vierten Quartal 2008 vor. Eines der einstmals größten Finanzkonglomerate der Welt wurde in den vergangenen sechs Monaten auch hart von der Verschärfung der Finanzkrise getroffen. Zwar war das Unternehmen nicht stark in den nun wertlosen Kreditderivaten aus den USA investiert, die allgemeine Börsen-Baisse mit deutlich rückläufigen Börsenkursen reduziert aber den Wert der verwalteten Vermögen und somit auch die lukrativen Provisionen. Der Aktienkurs hat sich alleine in den letzten sechs Monaten halbiert. Bange Blicke richten sich zudem nach New York, wo der praktisch insolvente Versicherer American International über den Verlust des letzten Quartals, angeblich 60 Milliarden US-Dollar, berichtet und nach neuen Kapitalhilfen rufen wird. Die „quasi Staatsbank" Commerzbank hat dieses für sich bereits am Wochenende nicht ausgeschlossen.
Preisdaten schüren Deflationsfurcht
Frische Zahlen von der Preisfront bringen die Verbraucherpreise in der EU vom Februar. Anders als in den USA hält sich in Europa die Deflationsfurcht, also die Kombination aus fallenden Preisen und stagnierendem oder sinkenden Wirtschaftswachstum, noch in Grenzen. Nimmt die Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten in den Euro-Staaten aber genauso rasch zu wie in den USA, könnte sich dieser Trend aber ändern. Die Januar- Verbraucherausgaben in den USA, die heute Nachmittag veröffentlicht werden, dürften wohl kaum ein Zeichen für eine baldige Wirtschaftsbelebung senden. Zu stark ist die Verschuldungs-Not der US-Haushalte noch akut, als das einen Trendwechsel jetzt schon zu denken wäre.
Konjunkturdaten: EU: 10.00 Uhr Verbraucherpreise Februar, USA: 14.30 Uhr MEZ: Verbraucherausgaben Januar
Unternehmen: Q4-Zahlen: HSBC, AIG
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 3.645; 3.733; 3.812
Widerstände: 3.867; 3.998; 4.014
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
