DAX: Noch keine Entscheidung
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 19. März 2009, 08:00 Uhr
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Wieder endet ein Handelstag für Bullen und Bären im Niemandsland. Keiner von beiden konnte für eine Entscheidung zu seinen Gunsten sorgen. Einen kleinen Vorteil verbuchen die Bullen für sich, denn mit 4.066 Punkten konnten sie ein geringfügiges höheres Hoch als am Dienstag erzielen , verhinderten aber gleichzeitig mit einem Tiefpunkt bei 3.948 Punkten einen tieferen Tiefpunkt als am Tag zuvor. Das Hin und Her bei den US-Futures setzte sich wie in den Tagen zuvor fort, beeinflusst von der Einschätzung US-Notenbankchef Bernankes, dass eine Konjunkturerholung und ein Ende der Wirtschaftskrise nicht mehr weit seien. Erste Zweifel, dass sich die Erholung der Banken wegen der schlechten Nachrichten aus dem Kreditkartenbereich schon wieder beendet sei, wurden aber durch die unverändert liquiditätsfördernde Politik der US-Notenbank zerstreut. Die Federal Reserve ließ den Leitzins erwartungsgemäß unverändert und bestätigte ihre Bereitschaft, durch den Ankauf von Anleihen der Wirtschaft weitere Liquidität zur Verfügung zu stellen.
Entscheidender Impuls fehlt
Noch immer fehlt dem Markt ein entscheidender Impuls, um den Widerstandsbereich um 4.050/4.060 Punkten zu überwinden. Für Day-Trader ist das Schauspiel der vergangenen Handelstage, freundliche Eröffnung, starker Vormittag, schwacher Nachmittag und mäßiger Abschluss zwar eine tolle Spielwiese, unter dem Strich wird die Patt-Situation aber nicht mehr lange anhalten können. Gelingt den US-Märkten in den nächsten Tagen ein Bruch wichtiger Widerstandsmarken, wird der DAX sich alle Mühe geben, dieser Entwicklung zu folgen. Zu einem nicht zu unterschätzenden Belastungsfaktor könnte aber in den nächsten Tagen die fundamentale Veränderung der Wetterlage beim Währungsverhältnis Euro/US-Dollar werden. Folgen dem gestrigen Kursgewinn in dem Währungsverhältnis noch weitere Aufschläge im gleichen Umfang, dürfte das auf einen Teil der DAX-Werte wegen stärkerer Belastungen der Exporterlöse negativ wirken.
Aufwärtstrendkanal zur Seite verlassen
Der DAX konnte nicht in den jüngsten Aufwärtstrendkanal zurückkehren. Technisch gesehen hat sich die günstige Ausganglage für weitere, schnelle Zugewinne damit wieder etwas eingetrübt. Auch der auf kurze Sicht überkaufte Markt spricht im Angesicht der starken Widerstandszone gegen einen raschen Durchmarsch an die nächsten Widerstandsmarken 4.127 und 4.240 Punkte. Einzig die nach wie vor die intakte Aufwärtsdynamik von MACD und Coppock-Indikator lässt die Bullen noch hoffen. Ein nochmaliges Abtauchen bis 3.900 oder 3.820 Punkte muss aber nicht eine erneute Trendumkehr bedeuten, sondern könnte im Zuge einer Atempause den überkauften Zustand beim DAX abbauen helfen. Solange das kurzfristige Kaufsignal im MACD noch Gültigkeit hat, sind die Bullen noch am Zug. Wollen sie ihre Chance noch nutzen, müssen sie aber jetzt einen Zahn zulegen.
Bilanzen von Q-Cells und Drägerwerk
Heute verlagert sich der Fokus der Investoren vom MDAX auf den TecDAX. Neben Bechtle berichten die Schwergewichte Q-Cells und Drägerwerk über ihre Erwartungen für 2009. Der Hersteller vom Medizin- und Sicherheitstechnik, Drägerwerk, leidet unter der Börsen-Baisse mehr als seine Wettbewerber. In der Hauptsache liegt dies aber weniger an der Qualität der Produkte oder deutlichen Umsatzeinbrüchen, sondern viel mehr an dem Glauben der Investoren, dass Nebenwerte in einer Wirtschaftskrise auf weniger Liquidität zurückgreifen und so Finanzierungsschwierigkeiten bekommen könnten. Was der Vorstand auch immer zu sagen haben wird, in dem Kursabsturz der vergangenen 12 Monate dürfte eigentlich schon die schwärzeste Prognose enthalten sein.
Stark gelitten hat auch die Aktie von Q-Cells, im Gegensatz zu Drägerwerk hängen aber fast alle Hersteller von Solartechnik von staatlichen Aufträgen ab. Nachdem die Investoren in der Vergangenheit die Sorge umgetrieben hat, dass die staatlichen Aufträge international wegen der stark ausufernden Schulden deutlich zurück gefahren werden könnten, wird der Vorstand heute einen ersten Überblick über die tatsächliche Situation geben. Vielleicht hilft ja die neue Energiepoltik von Barrack Obama die Krise leichter zu bewältigen.
Hoffnungszeichen vom Philadelphia-Fed-Index?
Wie steht es um die industrielle Produktion in der Region Philadelphia? Diese Frage beantwortet heute der Philadelphia-Fed-Index, der im Auftrage der regionalen Notenbank ein möglichst realistisches Stimmungsbild unter den Unternehmen reflektieren soll. Nach einem kleinen Aufschwung in Folge der Wahl von Barrack Obama zum neuen US-Präsidenten fiel der Index im vergangenen Monat wieder auf das niedrige Niveau vom Oktober 2008 zurück. Die Prognosen der Analysten gehen für den März von einem neuen Stimmungstief im Zuge dieser Wirtschaftskrise und einem Rückgang von 41,3 auf 38 Punkte aus. Da die Märkte eine moderate Stimmungsverschlechterung einkalkuliert haben, könnte schon ein nur leicht besseres Ergebnis für eine positive Marktreaktion sorgen. Insbesondere die leicht verzögerte Verabschiedung des großen Konjunkturpakets könnte nochmals einen finalen Rückgang ausgelöst haben, der April-Index dürfte dann aber schon ein Hoffnungszeichen setzen.
Konjunkturdaten: EU: 11.00 Industrieproduktion Euroraum Februar; USA: 14.45 Uhr: Philadelphia-Fed-Index
Unternehmen: Jahreszahlen: Drägerwerk, HeidelbergCement, Bechtle, Q-Cells; Q4 Zahlen: Palm
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 3.912; 3.945; 3.983
Widerstände: 4.053; 4.127; 4.240
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
