DAX: No Limits
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 24. Juli 2009, 08:00 Uhr
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war das jetzt tatsächlich ein Ausbruch aus der bisherigen Handelsspanne oder nur ein spektakulären Höhepunkt einer ungewöhnlichen Aufwärtsbewegung? Aus dem bisherigen Chart-Bild lässt sich bisher jedenfalls noch keinerlei Hinweis auf eine gegenläufige Entwicklung erkennen. Allerdings nimmt mit jedem Tag die Rückschlaggefahr zu. Das hängt mit dem natürlichen Streben der kurzfristig orientierten Anleger zusammen, ihre dich beträchtlichen Gewinne sicherzustellen. Die Erfahrungen der vergangenen 18 Monate führen zudem viele Anleger zu dem Schluss, dass auch diese Rally nicht lange halten wird und durch einen plötzlichen Abbruch wieder umgekehrt wird. Diesem Szenario fehlt jedoch noch immer jede Grundlage. Ganz im Gegenteil: Das Erreichen eines neuen Jahreshochs knapp zwei Wochen nachdem der Blick eigentlich schon wieder nach unten gerichtet war, verheißt ganz andere Perspektiven. Zunächst muss darauf hingewiesen werden, dass die hartnäckige Widerstandszone zwischen 5.100 und 5.144 Punkten gestern praktisch weggesprengt wurde. Darüberhinaus überzeugt der Anstieg auch mit der überaus großen Dynamik und einem Schlusskurs der fast Prozent über dem besprochenen Widerstand liegt. Damit erfüllt der Ausbruch viele technische Bedingungen, die größere Zweifel wenig berechtigt erscheinen lassen. Zudem stimmt auch das steigende Umsatzverhalten positiv. Ein zwischenzeitlicher Rücklauf an das Ausbruchsniveau bis 5.144 Punkte würde der Dominanz der Bullen jetzt keinen Abbruch tun.
Die Börse geht von einem „V" aus
Während die Ökonomen noch die Frage diskutieren, mit welcher Geschwindigkeit der Zug aus dem Rezessionstunnel heraus fahren wird, schicken sich die Aktienmärkte an, die Antwort auf ihre Art zu geben. Von Seiten des langfristigen Chart-Bildes nimmt eine sogenannte V-förmige Erholung langsam Gestalt an. Viele Analysten zweifeln aber ein solches Szenario an und gehen entweder von einer W-förmigen Erholung aus, die nach einer vollzogenen Erholung einen nochmaligen Einbruch der Wirtschaftsleistung voraussetzt oder sie halten ein sehr niedriges Wirtschaftswachstum über einen längeren Zeitraum für wahrscheinlich. In diesem Fall spricht die Wissenschaft von einer L-förmigen Erholung. Noch sind die Würfel nicht endgültig gefallen, vor allem im Hinblick auf die drei nicht gerade als wenig volatil bekannten Börsenmonate August, September und Oktober. Aktuell favorisiert die Börse eine schnellere Erholung der Weltwirtschaft, vorausgesetzt die Entwicklung der Rahmendaten macht den Märkten keinen Strich durch die Rechnung.
Die Sprünge werden größer
Die Überwindung der Widerstandsmarke bei 5.144 Punkten und die anschließende Rally mit der Herausnahme des bisherigen Jahreshochs bei 5.177 Punkten stellt den noch gültigen Bärenmarktmarkt vor eine echte Bewährungsprobe. Da viele institutionelle Investoren über ihre Handelsprogramme Kaufsignale generiert bekommen haben, dürfte nach einer kurzen Atempause zu Handelsbeginn eine Fortsetzung der Rally folgen. Mögliche Konsolidierungsziele auf Stundenbasis liegen bei 5.212 und 5.181Punkten. Mit der Kalkulierbarkeit der Kurssprünge ist aber jetzt erst einmal vorbei. Der DAX wird seinen nächsten Widerstand bei 5.351 Punkten recht schnell anvisieren, danach könnte es zu Wochenbeginn einen etwas ausführlicheren Rücklauf bis 5.200 Punkte geben. Tagesbewegungen von 200 bis 300 Punkten sind in den nächsten Tagen nicht auszuschließen, denn die nun folgenden Widerstands- und Unterstützungsmarken liegen etwas weiter auseinander. Weitere Stationen nach oben wären 5.502 und 5.639 Punkte. Die Bären müssen dem Ganzen zunächst einmal etwas tatenlos zusehen, ganz vorbei ist ihre Zeit aber mit Sicherheit nicht.
Ifo-Geschäftsklimaindex hat noch Luft nach oben
An die Erholung des ifo-Geschäftsklimaindex haben sich die Marktteilnehmer in den vergangenen Monaten gewöhnen können, deshalb spielt der erwartete Zuwachs von 85,9 auf 86,5 Punkte auch weniger eine Rolle. Vielmehr interessiert die Investoren, ob auch die Erwartungskomponente bei den Unternehmen eine Verbesserung zeigt. Hierin lag bei den jüngsten Umfragen eine Diskrepanz zur Entwicklung des reinen Geschäftsklima-Index. Bleiben die Unternehmen in ihrer eigenen Erwartungshaltung deutlich konservativer, folgt daraus, dass die künftigen Indexwerte wieder eher gen Süden tendieren und die Hoffnung auf eine stärkere Wirtschaftserholung erst einmal wieder begraben werden könnte. Allein von einer Stabilisierung der Banken und einer Erholung der Aktienmärkte erhalten die Unternehmen keine neuen Aufträge. Bei allen Zweifeln darf aber auch nicht vergessen werden, dass die Nachfrage in vielen zyklischen Sektoren genauso schnell wieder anziehen kann wie zusammengebrochen ist. Einen Wirtschaftseinbruch wie in den letzten zwölf Monaten hatte zuvor auch kein Unternehmer erwartet.
US-Verbrauchervertrauen in der Sommerpause
Auch die Universität Michigan wird bei ihrer monatlichen Befragung zu keinem anderen Schluss kommen als andere Marktforscher. Das Verbrauchervertrauen ist zunächst einmal am Ende seiner mehrmonatigen Erholungsphase angekommen und stagniert. Für den Juni wird ein leichter Anstieg von 64,6 auf 65 Punkte erwartet. Dieser Stillstand hängt nicht allein mit der Sommerpause zusammen, sondern rührt auch von einer abnehmenden Begeisterung für de Regierung Obama her. Nach langen Vorschusslorbeeren ist die Administration im Alltag angekommen, die Lösung vieler großer Probleme benötigt Zeit und lässt sich nicht im Hau-Ruck-Verfahren bewältigen. Solange es der Regierung aber gelingt, die Bevölkerung von ihren Umstrukturierungsplänen zu überzeugen, wird es auch nicht zu einem Absturz der Verbraucherindices kommen. Nach hat Obama ausreichend Kredit.
Konjunkturdaten: DE: 10.00 Uhr: ifo-Geschäftsklimaindex; USA: 16.00 Uhr: Verbrauchervertrauen der Universität Michigan.
Unternehmenszahlen: Q2-Zahlen: Merck KGaA, Schlumberger, Black & Decker, Baidu.
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.144; 5.181; 5.212
Widerstände: 5.351; 5.450; 5.502
Viel Glück, Erfolg und ein schönes Wochenende!
Andreas Wolf
