DAX: Neues Jahreshoch
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 10. September 2009, 08:00 Uhr
ENL5454
Die Bullen haben den Markt nach wie vor fest im Griff. Der kleinen, von mir angekündigten Konsolidierung wurde mit einem Abschlag von knapp 30 Punkte Genüge getan, dann setzen die Bullen ihr Bestreben neue Jahreshoch zu erzielen, schnell ins Werk. Wie im Schlechten so muss auch im Guten aber darauf verwiesen werden, dass es die Terminmarktplayer sind, die für den entscheidenden Impuls nach oben gesorgt haben. Hier macht sich ernsthaft schon der dreifache Terminverfall am übernächsten Freitag bemerkbar. Der Überhang an vorhandenen Short-Positionen muss dabei ebenso beseitigt werden, wie im gleichen Atemzug Neupositionierungen im Bullenlager stattfinden. Da der technische Weg bis zur 6.000er Marke nicht sehr weit ist, könnten die nächsten sechs bis sieben Handelstage für so manchen Fondsmanager noch zu einer stressigen Angelegenheit werden.
Etwaige Indifferenzen lassen sich am Markt zurzeit nicht erkennen. Während die Mehrheit der potentiellen Investoren noch immer staunend an der Seitenlinie steht, kaufen institutionelle Investoren kräftig zu. Das gerne als Trendmesser genommene Kauf-und Verkaufsverhalten von Managern am Aktienmarkt führt aktuell auf eine falsche Fährte. Viel Manager verkaufen ihre Papiere nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Erwartung restriktiverer Regulierungsbestimmungen bei der Unternehmensführung. Da versteht es sich von selbst, dass man vor der Bundestagswahl lieber Kasse macht. Für konservativ handelnde Anleger ist dieser Markt allerdings weniger interessant, denn die aktuelle Aufwärtsphase wird in der letzten September-Hälfte wieder ein Stück weit korrigiert.
Die IAA kommt....
Ein alt bekanntes Phänomen überkommt die Börse alle zwei Jahre im Vorfeld der IAA in Frankfurt. Anleger entdecken plötzlich die Attraktivität von Auto-Aktien und pushen die Kurse vor Beginn der Messe nach oben. Eine gute fundamentale Erklärung für die Aufschläge durch die Bank lässt sich kaum finden, es sollte deshalb niemand enttäuscht sein, wenn die aktuellen Wunderkerzen nicht lange brennen und spätestens in einer Woche Gewinnmitnahmen einsetzen
Keine Bremsklötze mehr
Der DAX hat mit dem Erreichen eines neuen Jahreshochs und einem langen weißen Kerzenkörper das Tor zu weiteren Kursgewinnen weit aufgestoßen. Nächste, kleinere Zwischenetappe auf dem Weg gen Norden ist jetzt der Widerstand bei 5.639 Punkten. Hier sollte sich der Index aber nicht lange aufhalten und zügig in Richtung 5.800 Punkte vorstoßen. Die nächste größere Hürde findet sich tatsächlich erst dicht unterhalb von 6.000 Punkten, wirklich kritisch wird es für die Bullen mittelfristig erst wieder bei 6.112 Punkten.
Die Bären müssen dem Treiben ihrer Kontrahenten vermutlich erst einmal tatenlos zusehen. Tritt nicht ein unvorhergesehenes negatives Ereignis ein, dürfte ihr nächster Part erst in der letzten Septemberwoche kommen. Bis dahin werden sie zwar immer wieder Störmanöver unternehmen, die Aussichten auf einen nachhaltigen Erfolg bleiben aber zunächst gering.
Wie geht's dem englischen Patienten?
Die Weltkonjunktur erholt sich und das Vereinigte Königreich ist nicht dabei? Die letzten Vorhersagen der britischen Notenbank, die heute über den Leitzins zu entscheiden hat, reflektieren genau das. Nicht nur die dramatisch hohe Staatsverschuldung, auch die hoffnungslos überschuldeten Privathaushalte lassen momentan wenig Silberstreife am Horizont aufziehen. Die Bank of England setzt daher ihren Ankauf von Staats-und Unternehmensanleihen fort und signalisiert den Märkten damit, dass ein Ende der Rezession in Großbritannien noch nicht zu erwarten ist.
Derweil beabsichtigt die britische Labour-Regierung die Steuern zum Stopfen der Haushaltlöcher massiv zu erhöhen. Obwohl auch in England demnächst Parlamentswahlen anstehen, hält die Opposition nicht dagegen, sondern stimmt in diesen Chor mit ein. Es sieht so aus, als wenn der englische Patient noch längere Zeit auf der Intensivstation verbringen muss.
US-Handelsbilanz: Der leidende US-Konsument
Das Handelsbilanzdefizit der USA hat sich aufgrund der Finanz-und Immobilienkrise in den vergangenen Monaten erheblich verringert. Die US-Bürger stellen sich der harten ökonomischen Realität und sparen tüchtig, zum Leidwesen großer Exportnationen wie Japan und Deutschland. Nachdem gestern bekannt wurde, dass die Vergabe von Konsumentenkrediten in den USA weiter eingebrochen ist, dürfte klar sein, dass das Handelsbilanzdefizit auch im Juli weiter zurück gegangen ist.
Vor dem nächsten Jahr, wenn sich eine Trendwende bei der Arbeitslosenquote einstellen wird, dürfte der Abwärtstrend in Sachen Defizit der US-Handelsbilanz nicht gebrochen werden. Im Prinzip gut für die Weltwirtschaft, weil dadurch einseitige Verzerrungen endlich korrigiert werden. Die Schwellenländer machen sich bereit, die leidenden US-Verbraucher zu ersetzen.
Konjunkturdaten: GB: 13.00 Uhr: Zinsentscheidung Bank of England zweites Quartal, USA: 14.30Uhr: Handelsbilanz (Juli).
Unternehmenszahlen: ---------------
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.383; 5.444; 5.557
Widerstände: 5.639; 5.701; 5.778
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
