DAX: Nagelprobe für die Bullen
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 15. Juli 2009, 08:00 Uhr
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Dem starken Kursanstieg vom Wochenbeginn folgte gestern ohne große Konsolidierungsphase der Versuch der Bullen, mehr Substanz in die Erholungsbewegung hinein zu bekommen. In der Spitze schaffte es der DAX bis 4.802 Punkte bevor den Bären ein erster Gegenangriff gelang. Das Ruder herumreißen konnten sie aber nicht mehr, der Tagessschlusskurs bei 4.781 Punkten deutet zumindest für heute noch nicht auf ein schnelles Ende der Gegenbewegung hin. Mehr als ein Achtungserfolg ist den Bullen mit den Kursgewinnen in den beiden vergangenen Tagen aber noch nicht gelungen. Wollen sie die Mehrheit der Marktteilnehmer von ihrer positiven Meinung überzeugen, muss in den nächsten Tagen auch der kurzfristige Abwärtstrend bei rund 4.870 Punkten überwunden werden. Das könnte gemessen an dem zu erwartenden Tenor der Bilanzsaison aber schwierig werden, denn von einer einheitlichen Entwicklung bei den Unternehmensergebnissen dürfte wohl kaum die Rede sein. Auf dem besonderen Prüfstand stehen dabei die Technologiewerte, die im ersten Halbjahr dieses Jahres eine deutlich bessere Entwicklung aufzuweisen hatten als der Durchschnitt aller Aktien. In den kommenden zwei Tagen wird sich mit den Zahlen von IBM, Nokia und General Electric erweisen, ob diese Sonderentwicklung gerechtfertigt war oder nicht. Ein plötzlicher Abbruch der Erholungsbewegung sowie ein Unterschreiten der bisherigen Verlaufstiefs in den aktuellen Konsolidierungstrends ist jederzeit noch möglich.
Berechtigte Hoffnungen bei den Automobilwerten?
Begeisterung rief auf dem Parkett die Nachricht hervor, dass BMW die Krise beim Automobilabsatz für beendet hält und mit einem deutlichen Anstieg des Absatzes seiner Premiumklassenfahrzeuge in den nächsten zwölf Monaten rechnet. Bedenken, dass deutliche positivere Signale von Seiten der allgemeinen Konjunkturindikatoren kommen müssten, um dieser Einschätzung mehr Aussagekraft zu verleihen, waren gestern nicht gefragt. Die Schwankungsanfälligkeit der Kurse im Rahmen der aktuellen Bilanzsaison könnte aber den neu aufgekommenen Optimismus rasch wieder beenden. Die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise sind noch nicht in allen Branchen so sichtbar geworden, wie in den am stärksten betroffenen Sektoren Banken und Automobile. Zudem werden die Notenbanken, neue Euphorie-Wellen mit dem Entzug der übermäßig zur Verfügung gestellten Liquidität entgegen zu wirken. Allein die rasche Beendigung der Insolvenzverfahren von Chrysler und General Motors ist noch kein Indiz für eine schnell Gesundung der Branche. Mehr als ein paar optimistische Sätze wird es deshalb schon brauchen, um eine nachhaltige Aufwärtsbewegung zu iniitieren.
Oberes Ende des Abwärtstrendkanals vor dem Test
Der DAX hielt sich an den Fahrplan nach einer kurzen Konsolidierung den nächsten Widerstand bei 4.819 Punkten anzuvisieren. Erwartungsgemäß konnten die Bullen aber noch nicht genügend Kraft aufbringen, um stärkere Terraingewinne zu erzielen. Der Widerstandsbereich dürfte deshalb auch heute wieder im Zentrum des Handelsverlaufs stehen. Ein Anstieg über 4.819 Punkte hat weitere direkte Kursgewinne bis 4.870 Punkte zur Folge. Spätestens am oberen Rand des kurzfristigen Abwärtstrendkanals ist mit einer deutlichen Abwehrreaktion der Bären zu rechnen. Legen die Bullen heute schone eine Atempause mit einer Konsolidierungsphase bis in den Bereich um 4.700 Punkte heute, erhöht dass ihre Chancen, auf einen Kursgewinne bis 5.000 Punkte in den nächsten Handelstagen. Nur ein Tagesschlusskurs unterhalb von 4.680 Punkte lässt die Bären wieder die Oberhand im DAX gewinnen.
US-Industrieproduktion erholt sich
Die positiven Signale von der US-Wirtschaftsfront dürften sich heute fortsetzen. Analysten erwarten für die Entwicklung der US-Industrieproduktion im Juni eine deutlichere Verringerung des Minus von 1,1 auf 0,6 Prozent. Auch beim Empire State Index für den Juli, der die Stimmungslage des produzierenden Gewerbes in New York wiedergibt, geht die Mehrzahl der befragten Ökonomen von einer Verbesserung der Kennzahl aus. Demnach soll sich das Minus von 9,41 auf 4,75 Punkte verringern. Allerdings besteht wegen der Unsicherheit der vergangenen Wochen hier durchaus auch Enttäuschungspotential, denn beide Indikatoren haben sich seit Beginn des Jahres bereits deutlich erholt. Die Diskussion um ein neues Konjunkturpaket für die US-Wirtschaft zeigt die Instabilität, die Ausdruck der vergangenen Monate an den Aktienmärkten war. Das A und O für ein Ende der US-Wirtschaftskrise ist ein deutliches Belebungszeichen an den Immobilienmärkten. Bis dahin bleiben die Zweifel ständige Begleiter von Analysten und Händlern.
Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der geldpolitischen Sitzung der US-Notenbank
Die Uneinigkeit der Mitglieder im Offenmarktausschuss der US-Notenbank über den Zeitpunkt für die Beendigung der liquiditätsfördernden Maßnahmen ist kein Geheimnis. Wie groß der Dissens zwischen den einzelnen Gruppen in dem Gremium ist, könnte sich heute im Protokoll über die letzte geldpolitische Sitzung von Ende Juni in einzelnen Kommentaren wiederspiegeln. In jedem Fall dürfte nicht jeder der mitwirkenden regionalen Notenbankgouverneure von der Notwendigkeit des Ankaufs von Staats- und Unternehmensanleihen überzeugt sein. Allein die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen dürfte darüber entscheiden, ob Notenbankchef Bernanke für eine weitere Amtszeit nominiert wird. Bisher stehen seine Karten noch ganz gut, verpasst er jedoch den richtigen Zeitpunkt für ein straffen der geldpolitischen Zügel, könnte es eng für ihn werden.
Konjunkturdaten: USA: 14.30 Uhr: Empire State Index Juli; 15.15 Uhr: Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung (Juni), 20.00 Uhr: Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der geldpolitischen Sitzung der US-Notenbank 23./24. Juni.
Unternehmenszahlen: Q2-Zahlen: Südzucker AG, Gerresheimer AG, Abbott Labatories.
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.655; 4.740; 4.770
Widerstände: 4.819; 4.891; 4.932
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
