DAX: Mit Wonne in den Mai
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 5. Mai 2009, 08:00 Uhr
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Auch im Mai scheint alles beim alten zu bleiben: Die Bullen geben Gas und die Bären verziehen sich zurück in die Winterhöhle. Mit dem Überschreiten der Widerstandsmarke bei 4.813 Punkten setzte sich das positive Momentum beim führenden deutschen Aktienindex weiter durch. Nächste Zielmarke wird in absehbarer Zeit der Test des 5.000er Widerstandes sein. Mögliche Zwischenkonsolidierungen auf Stundenbasis müssen dabei aber eingerechnet werden. Ein kleiner warnender Unterton muss auf dem aktuellen Niveau aber auch schon eingearbeitet werden, denn dass was die Aktienmärkte aktuell einpreisen ist nur die normale Gegenbewegung nach einem sehr starken Absturz. Einen Rückfall wird es in den nächsten Monaten auf jeden Fall geben, allerdings dürfte dieser noch nicht bis zum Ende des zweiten Quartals einsetzen. Interessant ist aber das die Marktteilnehmer ihrem Optimismus im unmittelbaren Vorfeld wichtiger marktbewegender Termine freien Lauf lassen. Denn am Donnerstag wird die EZB ihr Geheimnis zur weiteren Vorgehensweise in der Leitzinspolitik lüften und am Freitag kommen dann die US-Arbeitsmarktdaten für den April. Die in den vergangenen Monaten zu beobachtende Vorsicht im Vorfeld solcher Termine scheint im Augenblick wie weggeblasen. Es ist aus psychologischen Gründen zu hoffen, dass das noch eine Weile so bleibt.
Industrietitel geben den Ton an
Entgegen den aktuell pessimistischen Prognosen von Wirtschaftinstituten und Bundesregierung im Bezug auf das Wirtschaftswachstum für dieses Jahr legten Industriewerte wie MAN, Linde und Thyssen gestern stark. Damit wird immer deutlicher, dass die Börse von einem anderen Szenario für den Konjunkturverlauf ausgeht als die Wissenschaftler und der Staat. Wie bereits vor ein paar Tagen erwähnt, erinnert diese gegensätzliche Entwicklung stark an das Muster des letzten Jahres mit umgekehrten Vorzeichen. Während die Wissenschaftler zwar von einem etwas schwächeren Wachstum, aber keinem Einbruch ausgingen, war Finanzminister Steinbrück schon über das Wort Krise echauffiert. Die starken Kursverluste an den Aktienmärkten wurden nicht als ernstes Warnsignal wahr genommen. Die bisher vorgelegten Drehbücher für den weiteren Verlauf der Wirtschaftsentwicklung taugen daher wenig. Zwar wäre es nicht seriös, jetzt schon von einem Ende der Baisse und einer dem Beginn eines neuen Aufschwungs zu reden, die Erholung konjunktursensibler Titel in dem gerade in den letzten Tagen gesehenen Umfang ist aber ein ermutigendes Zeichen.
Der Blick bleibt nach oben gerichtet
Die Bullen bestimmen weiter die Richtung, die Bären haben Sendepause. 4.973 und 4.989 Punkte lauten die nächsten Widerstandsmarken, deren Bedeutung aber nicht zu unterschätzen ist. Der letzte Absturz des Index nahm seinen Ausgang genau von dem Niveau um 5.000 Punkte zu Beginn dieses Jahres. Gelänge es den Bullen nach einer einzukalkulierenden Konsolidierung dieses Widerstandsniveau nachhaltig zu überwinden, könnte sich daraus auch ein mittelfristiges Umkehrsignal entwickeln. Es gilt aber nicht den Tag vor dem Abend zu loben und das positive Momentum bis zu den besagten Marken zunächst entspannt zu nutzen. Das dem überaus erfolgreichen April ein nicht ebenso starker Mai in einem noch gültigen Bärenmarkt folgen wird, dürfte den meisten Beobachtern klar sein. Ein Durchmarsch ohne Atempause würde die Gefahr eines neuerlichen Absturzes nur erhöhen. Geduld bleibt deshalb oberste Pflicht.
Chemieverband gibt Brancheneinschätzung ab
Der Verband der Chemischen Industrie wird heute seine Einschätzung und einen Ausblick zur Lage der Branche in Deutschland geben. Kein einfacher Job, denn der aktuelle Abschwung nimmt in der über mehr als ein Jahrzehnt Erfolgs verwöhnten Branche mehr als historische Züge an. Mit Erstaunen muss man aber den zum Teil schon übergroßen Fatalismus zur Kenntnis nehmen, der sich in den neuen Prognosen anschließt. Das diese Rezession deutliche Spuren in den Firmenbilanzen hinterlässt ist jeder mit der Materie vertrauten Person verständlich, dass die extremen Abwärtskurven bei Umsatz und Ertrag in absehbarer Zeit von einer deutlichen Erholung abgelöst werden sollte aber ebenso außer Frage stehen. Scheinbar fällt es nach 15 Jahren relativer Krisenresistenz schwer anzuerkennen, dass es eben Phasen einer Wirtschaftsschwäche gibt, deren Ausprägung so gut wie alle Wirtschaftszweige erfasst. Im Grunde ist eine solche Entwicklung mehr als nur positiv zu bewerten, schafft sie doch die notwendigen Voraussetzungen um einen Bereinigungs- und Innovationsprozess in Gang zu bringen der unter den denn bisherigen Bedingungen weitaus langsamer vollzogen worden wäre. Zudem sind die Chancen der deutschen Chemieindustrie in dem laufenden weltweiten Konsolidierungsprozess auf lange Sicht ohne Zweifel exzellent.
Adidas und die US-Verbraucher
Der Sportartikelhersteller gehörte zu einer der ersten DAX-Titel, die auf die rasante Talfahrt der US-Wirtschaft mit einem entsprechenden Kursabschlag reagierte. Hauptumsatzgebiet ist und bleiben für Adidas die USA, insofern verwundert es nicht, dass die Quartalsberichte des Unternehmens durchaus als Seismograph für die Kauflaune der US-Verbraucher genutzt werden. In Übereinstimmung mit den sich langsam bessernden Konjunkturdaten dürfte die Entwicklung des vergangenen Quartals zwar noch keine Trendwende, dafür aber ein Ende des Abwärtsdrucks aufzeigen. Kehrt auch beim Vorstand wieder ein klein wenig Zuversicht im Hinblick auf den Verlauf des Rest des Jahres ein, könnte der Schub für den Aktienkurs entsprechend stark ausfallen. Die notwendige Konsolidierung hat die Aktie in den vergangenen Tagen hinter sich gebracht. Auf schlechte Nachrichten sind die Investoren also einigermaßen vorbereitet.
Konjunkturdaten: EU: 11.00 Uhr: Einkaufsmanagerindex Industrie April
Unternehmenszahlen: Q1: Adidas, Beiersdorf, Dt. Postbank, Hannover Rück (+HV), Metro, Linde, Pfeiffer Vacuum, Walt Disney
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.676; 4.744; 4.813
Widerstände: 4.961; 4.973; 4.989
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
