Dax mit 7,23 % im Plus!
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 30. Dezember 2004 18:00 Uhr
ENL5462
Das Börsenjahr 2004 war ein ereignisreiches Jahr im Wechselbad der Gefühle. Der letzte Handelstag im Jahr ist ein guter Zeitpunkt, um ein Resümee zu ziehen. Zwar haben sich letzten Endes viele Jahresprognosen von institutioneller Seite bestätigt, aber ich will nicht wissen, wie viele Investoren in der Mitte des Jahres von ihren Prognosen abgewichen sind.
Für mich verlief das Jahr 2004 im Prinzip zwiespältig: Meine Verlaufsprognose für 2004 hat sehr genau getroffen. Ich hatte zunächst eine enge Seitwärtsbewegung prognostiziert (Sie erinnern sich vielleicht noch daran, wie wir zusammen den "Krebs" als Synonym für eine Seitwärtsbewegung und damit als drittes Tier neben Bulle und Bär ausgewählt haben) und dann eine Wahlrallye erwartet. Den Ölpreisanstieg allerdings habe ich unterschätzt. Ich hatte damit gerechnet, dass die US-Regierung vor der Wahl dafür sorgt, dass der Ölpreis einbricht. Zwar konnte man einen solchen Versuch erkennen, im September wurden die strategischen Ölkäufe der US-Regierung nahezu eingestellt, allein der Effekt blieb aufgrund der übertriebenen Ölpreiseuphorie aus. Und zum Schluss kam auch die Jahresendrallye, die ich erst Mitte des Jahres zur Prognose zugefügt hatte, wenn auch sehr zäh, mit immer neuen Jahreshoch in die Gänge.
Der Dax steht nun im Vergleich zum Jahresanfang mit erstaunlichen 7,23 % im Plus.
Etwas komplizierter sah das Jahr 2004 im Tradingbereich aus. Besonders im Bereich des kurzfristigen Tradens auf Wochensicht gestaltete sich das Jahr 2004 aufgrund der sehr niedrigen Volatilität mehr als schwierig. Das haben besonders die Hedgefonds und die kurzfristig ausgelegten Trader zu spüren bekommen. Nach den vielen Jahren, in denen man mit dieser Art von Trading eindeutig die größten Gewinne machen konnte, muss man nun fairer Weise festhalten, dass in 2004 die Langfristanleger mit einer Rendite von mind. 7,23 % zu den Gewinnern des Jahres zählen.
Hier bestätigt sich wiedereinmal der antizyklische Ansatz. Ist es verwunderlich, dass, nachdem die meisten Investoren vom langfristigen Investieren abgekommen sind und sich auf das kurzfristige Traden spezialisierten, dieses Jahr mit zu den schlechtesten Jahren im kurzfristigen Segment zählt? Verwundert es, dass langfristiges Investieren dieses Jahr vielleicht sogar sinnvoller gewesen wäre? Da dümpeln riesige Mengen Geld bei niedrigsten Zinsen auf den Konten rum und im Dax hätten Sie mindestens die doppelte Rendite erzielt. Nein, es verwundert nicht, die Börse ist wie eh und je immer gegen die Masse gebürstet.
Doch im nächsten Jahr kann alles wieder anders aussehen. Wie Sie wissen, rechne ich damit, dass es zu einem sehr starken Trend kommt und damit die Phase der engen und nervösen Seitwärtsbewegung zu Ende geht.
Selbst im Daytradingbereich, ein Bereich in dem man eigentlich immer gute Gewinne erzielen kann, egal was die Börse auch macht, war das Jahr 2004 eines der schwersten Jahre seit langer Zeit. Es gab sehr viele Tage, an denen der Dax und der Euro Stoxx morgens eine kleine Bewegung vollzogen, um daraufhin ängstlich bis zur Ami-Eröffnung regelrecht zu erstarren. Ein Trading war nicht mehr möglich. Mit der Eröffnung der amerikanischen Börsen startet die nächste heftige Bewegung und wieder folgte: Erstarrung. Da machte selbst Daytrading wenig Freude.
So habe ich mich gezwungenermaßen in diesem Jahr dann auch von meinem geliebten Euro Stoxx Future verabschieden müssen. Ein erfrorener Pinguin bewegt sich schneller als dieser Index! Im Moment trade ich wieder den Future Dax und hin und wieder den Euro/Dollar Future. Ich hoffe aber, dass sich das im Jahr 2005 auch wieder ändert, denn der Euro Stoxx ist immer noch der charttechnisch sauberste Index.
Schließen wir also die Bücher mit der Aufschrift 2004. Das Jahr wird morgen zur Geschichte. In diese Geschichte wird es eingehen, als das Jahr, in dem eine der größten Erdbebenkatastrophen der Menschheit an die 100.000 Opfer forderte. Vielleicht wird in diesem Zusammenhang das Jahr 2004 aber auch als ein Jahr erwähnt, in dem sich wieder einmal zeigte, dass der Mensch neben Machtgier, Korruption, Neid, Missgunst und Aggression auch in unsere modernen Leistungsgesellschaft noch über die wirklich großen "menschlichen" Charakterzüge verfügt: Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.
Ich wünsche Ihnen ganz persönlich für das Jahr 2005: Gesundheit, Erfolg und Zufriedenheit.
Ihr
Jochen Steffens
P.S. Ich erhielt einige Mails zu meinem Spendenaufruf, von Lesern, die Sorge darum haben, dass ihr gespendetes Geld nicht in die richtigen Hände kommt.
Ich empfehle Ihnen, gehen Sie zum Beispiel auf die Seite
http://www.aktion-deutschland-hilft.de
klicken Sie dort links den zweiten Button von oben: "aktuelle Hilfseinsätze" an. Dann das schwarze Dreieck vor Südasien. Dort sehen Sie einige Meldungen, in denen ein kleiner Teil der Hilfseinsätze aufgezeigt ist. Ich denken, die Lektüre dieser Nachrichten wird Ihre Bedenken zerstreuen.
Dort sind jedoch nur die ersten Hilfseinsätze aufgeführt, die Betreuung der Betroffenen wird sich über Monate, zum Teil wahrscheinlich Jahre erstrecken. In wenigen Wochen werden Sie in unseren Medien nichts mehr von dieser Katastrophe hören. Doch auch dann müssen Ihre Spendengelder noch ausreichen. Gleichzeitig wird dem Leser bewusst, wie wichtig es ist, dass überall auf der Welt Mitarbeiter der Hilfsorganisationen beständig vor Ort sind und sich mit den Gegebenheiten der Region auskennen.
Artikel weiterempfehlen