DAX: Korrektur oder Trendwechsel?
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 16. Juni 2009, 08:00 Uhr
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Angst ist noch nicht zurück an den Märkten, aber Sorge. Das reicht in diesem Umfeld wohl aus, um den DAX wieder deutlich zurück unter die 5.000er Marke zu schubsen. Ein „Hallo wach" für die Bären dürfte diese Entwicklung aber noch nicht sein, denn sie harrt noch ihrer Bestätigung durch weitere Kursverluste in den kommenden Handelstagen. Da wir uns in Riesenschritten auf den Verfallstermin am Terminmarkt zubewegen, darf die gestrige Entwicklung nicht überinterpretiert werden, denn bei den zu erwartenden Schwankungen kann sie relativ schnell wieder nach oben korrigiert werden. Die für den gestrigen Rückschlag gern benutzte Begründung, die Erholung der Realwirtschaft könne unter Umständen doch längere Zeit in Anspruch nehmen, als die Aktienmärkte dies bisher unterstellten, ist allerdings wenig glaubhaft. Diese Erkenntnis zirkuliert schon seit mehr als vier Wochen durch die Analystenstuben und die Fachpresse ohne dabei nachhaltige Wirkung zu entfachen. Eher dürften bestimmte Interessenlagen am Terminmarkt für den kurzfristigen Abschwung verantwortlich sein. Interessant bleibt als Gradmesser für den Aktienmarkt weiter der Blick auf Gold, Öl und den Euro. Gold übernimmt dabei aktuell die Führungsrolle, das es die Abwärtsbewegung am Aktienmarkt und im Verhältnis EUR/USD bereits am Donnerstag vorweg genommen hat. Eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung in dem gleichen Tempo war aber gestern bei dem Edelmetall nicht auszumachen.
Bund-Future überzeugt nicht
Als Gegenpol zum fallenden Aktienmarkt konnte zum ersten Mal seit langem der Rentenmarkt wieder profitieren. Der Anstieg blieb aber gemessen an den Verlusten des Aktienmarktes aber sehr verhalten. Das lässt darauf schließen, dass die noch unentschlossenen Anleger der Entwicklung am Rentenmarkt nicht trauen und die Kurserholung nur als temporäre Erscheinung interpretieren. Zwar haben sie ihre vorhandene Liquidität auch nicht umgehend am Aktienmarkt platziert, ihr Vorgehen scheint aber darauf abgestellt zu sein, Aktien an unteren Wendemarken dieser Korrektur günstiger einzusammeln. Der Bund-Future müsste in dem kommenden Tagen schon deutlich über 120,25 Punkte steigen, damit weiteres Geld in den Rentenmarkt fließt. Nach aktuellem Stand stehen die Chancen dafür allerdings eher schlecht. Nur ein weiterer starker Einbruch der Aktienmärkte würde den Rentenmärkten ein größeres Comeback bescheren.
4.818 Punkte als nächste Unterstützung
Vorausgesetzt es handelt sich nicht um einen Fehlausbruch dürfte im Zuge dieser Korrektur der Bereich um 4.818 Punkte vom Markt umgehend, das heißt in den kommenden Tagen, getestet werden. Nach Kursverlusten von 3,6 Prozent sollte allerdings zu Handelsbeginn ein Erholungsversuch bis an die Untergrenze der gebrochenen alten Handelsspanne bei 4.959 Punkten unternommen werden. Er wird allerdings, wie so häufig in diesem Fall, von vielen Marktteilnehmern zu Gewinnmitnahmen auf niedrigerem Niveau genutzt werden. Danach dürfte es dann recht schnell zum Test der besagten Unterstützungslinie kommen. Können die Bullen auch diesen Unterstützungsbereich nicht verteidigen, könnte es rasch weitere 150 Punkte bergab gehen. Spätestens bei 4.650 Punkten wird dann die reichlich vorhandene Liquidität in den Markt fließen und der Korrektur vorläufig ein Ende machen.

BRIC-Staaten beraten in Jekaterinenburg
Die Vertreter der sogenannten BRIC- Staaten (Brasilien, Russland, Indien und ChinaI treffen sich heute im russischen Jekaterinenburg, um über die Flexibilisierung des bilateralen Handels untereinander zu beraten. Im Mittelpunkt des Austausches steht vor allem die gesteigerte gegenseitige Akzeptanz der eigenen Währungen im Warenverkehr sowie die Diversifikation der eigenen Devisenreserven. Die Schwellenländer wollen sich in Zukunft unabhängiger vom Einfluss des US-Dollars als Weltleitwährung machen und damit eine Abnahme des massiven Ungleichgewichts im Welthandel erreichen. Die aktuelle Gewichtung der internationalen Währungsverteilung spiegelt nicht nur nach Meinung der BRIC-Staaten die tatsächlichen Kräfteverhältnisse im Welthandel kaum noch richtig wieder. Auch viele international anerkannte Ökonomen teilen die Meinung der Schwellenländer. Investoren erwarten deshalb mit Spannung, auf welche gemeinsame Vorgehensweise sich die vier Länder einigen und ob sich im Anschluss schon erste Reaktionen in der Bewertung des US-Dollars zeigen werden.
ZEW-Konjunkturindex bleibt im Aufwärtstrend
Analysten erwarten eine erneute Stimmungsaufhellung, denn bereits die Erwartungskomponenten des Indikators haben sich weiter verbessert. Dem Anstieg aus dem Vormonat von 18,1 auf 31,1 Punkte sollte nach Meinung der Mehrheit der befragten Ökonomen ein weiterer Zuwachs auf 35 Punkte folgen. Die verlangsamte Erholung der Finanzmärkte dürfte dabei etwas dämpfend auf das Meinungsbild der Befragten gewirkt haben. Die im Bezug auf eine wirtschaftliche Erholung noch immer schwachen Signale aus der Realwirtschaft sind eine Folge des erheblichen Zeitverzugs, mit denen eine Verbesserung der Nachfragesituation auf den wichtigsten Exportmärkten bei den deutschen Unternehmen ankommt. Im Abschwung des vergangenen Jahres konnte eine solche Entwicklung ebenfalls im umgekehrten Sinne festgestellt werden. Über die Sommermonate dürfte allerdings mit einem eher schwächeren ZEW-Index zu rechnen sein, weil eine stärkere Beschleunigung der wirtschaftlichen Erholung zunächst nicht zu erwarten ist. Der Indikator wird deshalb den starken Anstieg des zweiten Quartals in einer Konsolidierung verarbeiten müssen.
Konjunkturdaten: 11.00: ZEW-Konjunkturerwartungsindex Juni; USA: 14.30 Uhr: Baubeginne (Mai),Verbraucherpreisindex (Mai), 16.00 Uhr: Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung Mai.
Unternehmenszahlen: HV: Bechtle, MLP
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.777; 4.818; 4.856
Widerstände: 4.959; 4.980; 5.038
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf