DAX: Korrektur im Schnellmodus
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 29. Oktober 2009, 08:00 Uhr
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Einige Wochen hat es den Markt nicht interessiert, ob die eine oder andere Konjunkturzahl eine Verlangsamung des Erholungstempos signalisierte oder nicht. Damit ist es jetzt vorbei und wie auf Knopfdruck, man könnte meinen zufällig, fügen sich nun einige Nachrichten automatisch aneinander. Ob nun wieder enttäuschende Zahlen vom Immobilienmarkt kommen oder Goldman Sachs eine Studie veröffentlicht, in der man die Erwartungen für das BIP-Wachstum in 2010 kurz mal um 10 Prozent nach unten korrigiert, alles passt in die technische Situation der Märkte. Das der DAX seine Korrektur fortsetzen würde war trotz des moderaten Verluste vom Dienstag schon klar, dass die Unterstützung bei 5.557 Punkten mit Verve gerissen würde noch nicht.
Die Abwärtsreaktion auf die gar nicht so schlechten Zahlen und Prognosen von SAP bildete dabei nur den Auftakt für die umfassende Fortsetzung der Abwärtswelle vom Montag. Würden wir uns nicht im Oktober sondern im Februar oder März befinden, müsste man sich ernsthaft Sorgen um den Zustand der Märkte machen. Ein Volatilitätswert von 28 und die nach wie vor unveränderte Situation in Sachen Liquidität werden die aktuelle Marktentwicklung im Nachhinein aber lediglich als Kaufgelegenheit erscheinen lassen. Mit der angeschlagenen Psyche vieler Anleger aus dem vergangenen Jahr lässt sich das allerdings nur schwer erkennen.
Plötzliches Wendemanöver kommt näher
Die laufende Korrektur zeigt alle Anzeichen eines kurzen und reinigenden Gewitters. Wie in diesen Fällen üblich, kippt ein Index aus einer länger andauernden Trendbewegung, das Auslösen von Stopp-Limiten führt dann zu einer schnellen Abwärtsbewegung die mit einer Art kleinen Panik endet. Wenn man sich den außerordentlich schwachen Handelstag von gestern betrachtet, fehlte nicht mehr viel, um dieses Ziel zu erreichen. Die langjährigen Statistiken des Oktober weisen immer wieder beachtenswerte Achterbahnfahrten nach, große Kursverluste wie 1984,1987, 1989, 1997,1998 und 2008 stechen hier hervor.
Doch keine Angst, der Oktober 2009 eifert diesen Vorbildern nicht nach. Die nächsten schon genannten Testmarken für die Bären liegen heute bei 5.442 und darunter bei 5.386 Punkten. Letztere beschreibt eine wichtige Schlüsselmarke, deren Unterschreiten größere Unruhe auslösen könnte. Hier verlaufen einige Hoch- und Tiefpunkte sowie ältere Trendlinien. Wird diese Marke unterschritten, könnte es zu einem Abverkauf kommen, der den DAX um die berühmten 10 Prozent vom Jahreshoch bei 5.891 Punkten korrigieren lassen würde.
Indexstände von 5.300 oder 5.200 Punkten wären für eine kurze Zeit möglich, bevor größere Kauforders den Markt rasch wieder in Richtung 5.650/5.700 Punkten treiben würden. In jedem Fall liegen vor allem institutionelle Investoren schon auf der Lauer, um von einem Wendemanöver in den ersten Novembertagen zu profitieren
Spannung bei der Schätzung zum Q3-US-BIP
Wie schon erwähnt hat sich Goldman Sachs gestern etwas pessimistischer zum Wachstum der US-Wirtschaft in 2010 geäußert. Nichtsdestotrotz wird sich heute erst einmal zeigen, wie stark sich die US-Wirtschaft im dritten Quartal aus der Umklammerung der Rezession gelöst hat. Die Schätzung der Ökonomen geht von einem Anstieg von 3 Prozent aus, ein stärkeres Wachstum ist nach dem Verlauf diverser Indikatoren aber nicht auszuschließen.
Eine gute Wachstumszahl würde dem gerade an seiner Psyche angeschlagenen US-Markt durchaus bekommen, denn die Zweifel an der Fortsetzung der konjunkturellen Erholung nehmen wieder zu. Die Anzahl jener Volkswirte, die ein nochmaliges Abrutschen in eine Rezession für möglich halten, ist auch wegen der Haushaltpolitik der US-Regierung nicht kleiner geworden. Welche Dynamik die Auftriebskräfte in der vergangenen drei Monate entfaltet haben, wird sich heute zeigen.
Fahrstuhlaktie MAN
Eigentlich bestünde für die Aktionäre von MAN kein Anlass zur Besorgnis, kümmert sich doch der größte Anteilseigner VW rührend um die weitere Zukunft des Lastwagenherstellers. Zudem hat Wettbewerber Scania zu Wochenbeginn ein wenig Hoffnung verbreitet, denn man konstatierte im Management einen leichten Aufschwung in Sachen Nachfrage.
Doch ganz so spezifisch scheinen es die Investoren mit der Autonachfrage gar nicht zu nehmen, denn die Aktie schwankte in der jüngsten Vergangenheit gerade dann stärker, wenn allgemeine Aussagen zur Konjunkturentwicklung den Markt erreichten. Schwankungen von 10 Prozent und mehr innerhalb weniger Tage waren in den vergangenen Wochen keine Seltenheit. Die heutigen Quartalszahlen werden wohl kaum zur Beruhigung der Nerven beitragen, denn die anschließende Prognose wird darauf hinweisen, dass Jahr 2010 bleibt für den Sektor schwierig.
Konjunkturdaten: 11.00: EU: Verbrauchervertrauen Europa Oktober, USA: 13.30 Uhr: Bruttoinlandsprodukt drittes Quartal.
Unternehmenszahlen: Zahlen (Q3): Deutsche Bank, Deutsche Lufthansa, MAN, BASF, VW, Continental, Exxon, Motorola, Procter & Gamble.
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.351; 5.414; 5.442
Widerstände: 5.557; 5.610; 5.624
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
