DAX: Konsolidierung beendet
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 10. Juni 2009, 08:00 Uhr
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Für einige Marktteilnehmer scheint die 5.000-Punkte-Marke das Maß aller Dinge zu sein, vor allem mit Blick auf den großen Verfallstag in der nächsten Woche. Selten kommt es aber so, wie es sich die Mehrheit wünscht. Das die Schwankungsarmut von gestern sich noch in den kommenden 7 Handelstagen fortsetzt, ist nicht anzunehmen. Zu viele Daten zur Konjunkturentwicklung stehen bis dahin noch auf dem Programm. Als Gewinner können sich weder die Bullen noch die Bären fühlen, denn weder ein DAX-Schluss unter 5.000 Punkten noch das Verpuffen der Kurserholung in den ersten Handelsstunden setzt für eine der beiden Parteien irgendwelche nachhaltigeren Signale. Die kurzfristige Entwicklung spricht allerdings wieder ein Stück weit für die Bullen, denn trotz einer moderaten negativen Veränderung der Indikatoren, kam es nicht zu einem Liebesentzug durch die Investoren. Noch immer fließt tendenziell mehr Geld in als aus dem Markt. Solange sich diese Erkenntnis hält, müssen alle Versuche der Bären, wieder etwas an Einfluss zu gewinnen, versanden. Eine Vielzahl von DAX-Aktien widersetzt sich zudem hartnäckig dagegen, wichtige Unterstützungen zu unterschreiten und konsolidiert daher nur moderat abwärts. Ein weiteres Zeichen dafür, dass die Messe für die Bullen noch nicht gelesen ist.
Bringt der Feiertag wieder Überraschungen?
Eine Auflösung der Konsolidierungssituation könnte der Feiertag am kommenden Donnerstag bringen. Bereits zweimal haben die Bullen die vermeintliche Umsatzarmut deutscher Feiertage dazu genutzt, um die Kurse in größerem Umfang zu bewegen. Da der Feiertag nur für die mehrheitlich katholisch bevölkerten Bundesländer gilt, dürfte sich der Umsatzrückgang in Grenzen halten. Die Hauptumsätze im DAX werden sowieso aus England und den USA gemacht, ein deutscher Feiertag wirkt deshalb weniger schwankungsarm als im umgekehrten Fall. Zudem fallen die Bewegungen an den Devisen- und Währungsmärkten ins Auge, die nach kurzer Konsolidierung bestehende Aufwärtstrends zum Beispiel bei Öl und Euro fortsetzen. Die Wechselwirkung zum DAX besteht aktuell nach wie vor und es gibt keine Anzeichen, dass sich das kurzfristig ändern könnte.
Oberseite wieder gefragt
Ein wenig hat sich der DAX an den gestrigen Fahrplan gehalten, denn mit einem Tiefpunkt bei 4.982 Punkten fiel er im Rahmen einer aufgebauten Bärenfalle nochmals unter 5.000 Punkte zurück. Den erneuten Schluss über dieser psychologischen Marke verpassten die Bullen nur um 3 Punkte. Die charttechnische Situation ist damit aber noch nicht geklärt, ein Abrutschen bis 4.800 Punkte bleibt nach jetzigem Stand noch immer genauso gut möglich, wie ein sofortiger Anstieg bis auf 5.200 Punkte. Die Trendindikatoren sprechen in der Mehrzahl aber nach wie vor für die Bullen. Der Kursverlauf der vergangenen zwei Tage spricht dafür, dass der DAX nach einem verhaltenen Start oberhalb von 5.000 Punkten im Bereich um 5.050 Punkte zunächst eine Seitwärtsbewegung einschlagen wird. Erst am Nachmittag könnte dann ein neuer Angriff der Bullen in Richtung 5.200 Punkte folgen.
US-Handelsbilanz deutet Erholung an
Monatelang verzeichnete die US-Handelsbilanz ein sinkendes Defizit. Ökonomen begrüßten diese Entwicklung, wurde doch damit ein Teil des großen Handelsungleichgewichts zwischen den USA und dem Rest der Welt abgebaut. Zwar ist nun auch dem letzten Exportland klar geworden, dass der Binnenkonsum eine nicht zu verkennende Größe ist, an den Erwartungen hat dies aber nichts geändert. Immer noch hofft die Welt auf die Konjunkturlokomotive USA und verlässt sich auf das Funktionieren alter Rezessionsmechanismen. Im ersten Stadium der Erholung dürften diese auch greifen, denn Analysten erwarten eine leichte Steigerung des Handelsbilanzdefizits von-27,6 auf -28,7 Milliarden US-Dollar im Vergleich zum Vormonat. Eine nachhaltige Belebung des Exportgeschäfts durch den US-Verbraucher wird aber im weiteren Verlauf auf sich warten lassen. Richtig hoffen darf der Rest der Welt erst wieder, wenn die Arbeitslosenzahlen in den USA wieder deutlich sinken.
Konjunkturbericht der US-Notenbank
Die US-Notenbank veröffentlicht heute Abend ihren monatlichen Konjunkturbericht, das Beige Book. Die Kommentierung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung im Land wird Aufschluss darüber geben, ob die Befürchtung des Rentenmarkts im Hinblick auf ein früheres Anziehen der Zinszügel berechtigt ist oder nicht. Vermutlich wird die Notenbank den Zinsbullen den Wind aus den Segeln nehmen, denn eine Erholung der Wirtschaft zwar ab, Umfang und Stärke kann aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös eingeschätzt werden. Hierzu könnte es konkretere Einschätzungen dann in zwei Wochen auf der regulären Notenbanksitzung zur Leitzinsentscheidung geben. In jedem Fall wird Notenbankchef Bernanke den Eindruck vermeiden müssen, die der Liquiditätswelle folgende Inflationswelle zu unterschätzen. Für die US-Notenbank wird dies ohnehin ein Spagat zwischen Himmel und Hölle.
Konjunkturdaten: USA: 14.30 Uhr: US-Handelsbilanz April , 20.00 Uhr: Beige Book der US-Notenbank
Unternehmenszahlen: HV: Rhön-Klinikum, Stada, SMA Solar
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.872; 4.956; 4.980
Widerstände: 5.038; 5.144; 5.283
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
