DAX: Konsoliderung jederzeit möglich
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 14. September 2009, 08:00 Uhr
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Vom 13. bis zum 23. Juli schaffte es der DAX das letzte Mal eine so lange Gewinnserie hinzulegen wie aktuell. Mit dem vergangenen Freitag befinden wir uns an Tag sechs der jüngsten Aufwärtswelle und lesen sich natürlich zahlreiche warnende Kommentare, dass vor dem Hintergrund des bevorstehenden dreifachen Verfalls am Terminmarkt am Freitag dieser Woche Ungemach drohen könnte. Richtig daran ist allein die Tatsache, dass mit einem zu starken Kursanstieg auf kurze Sicht eine heftigere Gegenreaktion droht. Allerdings muss man einfach darauf hinweisen, dass sich der aktuelle Anstieg in einem moderaten Umfang vollzieht. Es handelt sich eher um ein Vortasten denn um einen übertrieben starken Anstieg. Betrachtet man sich den starken Willen der Bullen und Schnäppchenjäger, immer wieder an kleinen kritischen Unterstützungspunkten in den Markt einzugreifen, so erscheint eine durchgreifende Trendwende nicht vor nächster Woche wahrscheinlich.
Zunächst wollen die terminmarktorientierten Trader den DAX bis Freitag und auch noch zwei bis drei Tage im Anschluss daran auf einem höheren Niveau halten. Erst danach werden die Korsettstangen heraus gezogen und größere Gewinnmitnahmen werden einsetzen. Die Reaktion der Marktteilnehmer auf schlechte Konjunkturnachrichten verläuft sehr genau nach diesem Muster. Vereinzelte Besserungstendenzen bei den Gewinnaussichten diverser Unternehmen wie zuletzt beim US-Logistiker Federal Express werden hingegen groß gefeiert. Der Grundton bleibt also an den Aktienmärkten vorläufig positiv.
VDAX nähert sich dem Juli-Tief
Ein Blick auf den VDAX zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung, denn der aktuelle Wert von 26 Punkten liegt nur noch knapp über dem Jahrestief von 25,6 Punkten von Mitte Juli. Sinkt der VDAX nun unter diese Schwelle in den nächsten Tagen, läge das nächste Ziel bei 20 Punkten. Da der langjährige durchschnittliche Volatilitätswert beim VDAX zwischen 14 und 16 Punkten liegt, käme eine Annährung an dieses Niveau einem Signal auch an langfristig orientierte Anleger gleich. Auch wenn noch nicht von einer vollständigen Normalisierung der Situation an den Finanzmärkten gesprochen werden kann, so bleibt es außer Frage, dass zumindest der Alarmzustand aufgehoben werden könnte.
Widerstandszone 5.800/5.850 soll erreicht werden
Das Verfahren ist bekannt: Solange sich keine Umkehrsignale aus der Chart-Technik ergeben, heißt es: Folge dem Trend! Bisher haben sich eben diese Umkehrsignale nicht gezeigt, der Pfeil richtet sich demnach weiter nach oben. Mit dem Tageshoch (5.653 Punkte) und dem Tagestief (5.601 Punkte) verschoben sich auch bisherige Hoch- und Tiefpunkte des bisherigen Aufwärtstrends weiter nach oben. Etwas störend wirkt vielleicht der überkaufte Zustand des Marktes, der natürlich die Korrekturanfälligkeit erhöht. Sowohl auf Tages-wie auch Wochenbasis liefert die Chart-Technik aber neue Kaufsignale.
Eine beschleunigte Fortsetzung der Rally ergibt sich, wenn der DAX das Freitagshoch bei 5.653 Punkten überwindet. 5.701 und anschließend 5.778 Punkte sollten dann möglich sein. Kurse unterhalb von 5.550 Punkten rufen hingegen die Bären wieder auf den Plan und öffnen einer vorübergehenden Konsolidierung Tür und Tor. Eine seitwärts gerichtete Bewegung erscheint im Hinblick auf die vorliegende starke Impulsbewegung wenig wahrscheinlich.
EU-Statistiker lassen von sich hören
Zu Wochenbeginn herrscht in Sachen Konjunktur- und Unternehmensdaten erst mal Funkstille in den USA, deshalb dürfen sich die EU-Statistiker besonderer Aufmerksamkeit sicher sein. Sie berichten heute über die Industrieproduktion im Juli und die Entwicklung der Beschäftigung im EU-Raum im zweiten Quartal. Anders als in den USA dürfte die Industrieproduktion in Europa im Juli keinen überraschenden Rückschlag erlitten haben. Ganz im Gegenteil, die positiven Effekte der Abwrackprämie und der Konjunkturpakete dürften ihre erste Spuren in dem Zahlenwerk hinterlassen haben.
Die Sorgen im Bezug auf den starken Anstieg der Arbeitslosigkeit sind bisher zumindest nur teilweise berechtigt. Bisher zeigt sich die aktuelle Statistik noch moderat, vor allem im direkten Vergleich mit den USA. Deutschland und Großbritannien konnten einen stärkeren Beschäftigungsabbau bisher verhindern, in Spanien ist der starke Anstieg zum Stillstand gekommen, nur Frankreich litt bisher überproportional unter der Wirtschaftskrise. Dennoch ist damit noch nicht alles ausgestanden, denn nur wenn die Nachfrage wieder stärker anzieht wird eine größere Kündigungswelle verhindert.
Die entscheidende Hürde wird also die Entwicklung der Arbeitslosen- und Beschäftigungszahlen im Herbst und Winter 2009/2010 sein. Da die meist sehr wetteranfällige Bauindustrie eine Sonderkonjunktur erfährt, dürfte von dieser Seite kein großer Druck aufkommen. Kritisch bleiben hingegen die Entwicklungen in den Branchen Maschinenbau und allgemeine Dienstleistungen. Können die Unternehmen hier die nächsten zwei bis drei Monate ohne große Entlassungen auskommen, dürfte das Gröbste überstanden sein.
Konjunkturdaten: EU: 11.00 Uhr: Beschäftigung im Euroraum (zweites Quartal) und Industrieproduktion (Juli).
Unternehmenszahlen: ---------------
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.383; 5.444; 5.557
Widerstände: 5.639; 5.701; 5.778
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
