DAX: Kleiner Rücksetzer angesagt
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 20. Juli 2009, 08:00 Uhr
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Zurück am kritischen Widerstandsbereich von 5.000 Punkten setzt das alte Spiel zwischen Bullen und Bären wieder ein. Während die Bullen versuchen, mit aller Macht über den Widerstand zu kommen, stemmen sich die Bären mit all ihren Kräften gegen dieses Vorhaben. Zunächst scheint ihnen dieses Unterfangen noch ganz gut zu gelingen, denn nach einem Ausflug bis auf 5.017 Punkte mussten die Bullen schnell wieder ihre Ambitionen begraben. General Electric und mäßige US-Konjunkturdaten drückten den deutschen Standardwerteindex wieder unter die 5.000 Punkte-Marke. Allerdings kamen auch die Bären nicht weit, denn bei 4.960 Punkten war auch für sie Schluss. Die Wahrscheinlichkeit für eine Gegenreaktion hat sich durch dieses Patt zwischen Bullen und Bären jetzt deutlich erhöht. Nach fünf Handelstagen mit steigenden Kursen sollte es aber niemanden wundern, wenn kurzfristig orientierte Anleger ihre erzielten Gewinne nun einmal mitnehmen. Mischen sich in den nächsten Tagen nicht zu viele negative Quartalsbilanzen unter die Ergebnisflut, dürfte der Kursrückgang wie in der Aufwärtsphase zwischen Anfang März und Anfang Juni nur kurz, dafür aber eben etwas heftiger ausfallen. Die ausreichende Anzahl an in den Startlöchern stehenden Schnäppchenjägern wird einen Kursrückgang in der aktuellen Marktsituation nur zu einer kurzweiligen Zwischenepisode degradieren.
Metro-Aktionäre freuen sich
Der Überlebenskampf des angeschlagenen Kaufhauskonzern Arcandor scheint sich dem Ende zuzuneigen. Die Hoffnung von Unternehmensführung und Insolvenzverwalter, die bisherigen Anteilseigner zu einer umfangreicheren Kapitalzufuhr zu bewegen, waren wohl zu groß. Zumindest möchte vor allem die Investmentbank Sal. Oppenheim nicht bedingungslos weiteres Kapital zuschießen. Ein nachhaltiges Konzept, dass die Überlebensfähigkeit des Konzerns mit frischem Kapital belegt, scheint aber zu fehlen. Damit dürfte sich in Deutschland die „spanische" Lösung durchsetzen und es praktisch nur noch auf die Existenz einer großen Kaufhauskette hinauslaufen. Die Rolle des spanischen Unternehmens El Corte Ingles wird dann in Deutschland unzweifelhaft Kaufhof respektive Metro übernehmen. Der Kursanstieg vom Freitag darf als konsequente Reaktion dieser Entwicklung durch die Börse verstanden werden.
Nicht in eine Bärenfalle laufen
Meine Beschreibung vom Freitag erfüllte sich auf den Punkt: „Die wahrscheinlichste Variante besteht heute in einem erneuten erfolglosen Anlauf auf die 5.000er Marke auf Schlusskursbasis, ein übersteigen des Widerstandes im Handelsverlauf ist dennoch möglich. Schließt der DAX dann zwischen 4.957 und 5000 Punkten, wäre das Signal für eine Konsolidierung gegeben".
Die Topbildung steht aus kurzer Sicht damit vor ihrem Abschluss, die stark überkaufte Lage gibt den Bären in den nächsten ein bis zwei Tagen Rückenwind. Das schließt eine erneute, überaus freundliche Eröffnung am heutigen Handelstag nicht aus. Vermutlich wird sich das daraus resultierende Plus aber nicht über die gesamte Sitzung halten. Selbst wenn der DAX in den kommenden Tagen bis 4.869 oder im Extremfall bis 4.819 Punkte zurück setzt, sollte keine Panik aufkommen. Mehr als eine klassische Bärenfalle würde sich daraus aber nicht entwickeln, denn der Anfang vergangener Woche gesetzte Trendwechsel bliebe bestehen. Der kommende, zweite Teil der Sommerrally stünde mit einer Konsolidierung aber wenigstens auf einer breiteren und damit gesünderen Basis.
US-Frühindikatoren gönnen sich Verschnaufpause
Die Serie der US-Konjunkturindikatoren, die nach einer starken Erholungsphase nun zunächst eine Auszeit nehmen, setzt sich mit den US-Frühindikatoren heute fort. Die Frühindikatoren setzen sich auf zehn verschiedenen Einzelkomponenten zusammen, die durch Forschungsinstitut Conference Board im Auftrag der US-Notenbank erhoben werden. Zu ihnen gehören die Auftragseingänge in der Industrie genauso wie die Verbraucherpreise als auch die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen. Für die Juni-Zahl erwartet der Durchschnitt der Analysten einen Rückgang von 1,2 auf 0,5 Punkte. Die leichte Abschwächung soll vor allem durch die etwas schwächeren Zahlen des Immobilienmarktes bedingt sein. Zudem legt der Index in den vergangenen zwei Monaten überdurchschnittlich zu, so dass eine Konsolidierung nur als normale Marktreaktion zu verstehen ist. Das Tal der wirtschaftlichen Abwärtsentwicklung in den USA ist nach Meinung der Analysten nicht nur erreicht, sondern wird wohl auch bald verlassen werden.
Augen auf Texas Instruments
Der Chipmarkt soll kurz vor seiner Wiederauferstehung stehen. So sagen es zumindest einschlägige Branchendienste wie das US-Forschungsinstitut Gartner. Betrachtet man sich die Aktienverläufe von Intel, Infineon und Texas Instruments scheinen das die Anleger auch zu glauben. Ob Letztere mit seinen Quartalszahlen noch eine Schippe Optimismus drauf legen kann, bleibt abzuwarten. Die Erwartungen sind derzeit doch schon sehr hoch gesteckt, so dass ein Rückschlag der kräftigeren Art doch nicht verwundern sollte. Den mittelfristigen Aufwärtstrend würde das vermutlich nicht beschädigen, aber die zu viel angesammelte Luft aus dem Papier nehmen. TI initiiert den Auftakt für eine Woche, die im Zeichen der US-Unternehmens-Bilanzen steht. Die deutschen Titel, insbesondere jene aus dem DAX, starten Donnerstag mit der Deutschen Post und Freitag mit der Merck KgaA.
Konjunkturdaten: USA: 16.00 Uhr: Frühindikatoren
Unternehmenszahlen: Q2-Zahlen: Texas Instruments
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.869; 4.891; 4.932
Widerstände: 4.989; 5032; 5.144
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
