DAX: Kleine Gegenwehr der Bullen
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 19. August 2009, 08:00 Uhr
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Ein wenig Logik kann dem Verhalten der Marktteilnehmer an den internationalen Aktienbörsen schon entlockt werden. Hierzu gehört die Tatsache, dass nach einer kurzen heftigen Phase von Kursverlusten zunächst einmal eine Gegenreaktion einsetzt. Beim DAX vollzog sich diese Entwicklung mit dem Anlaufen der gestern beschriebenen Widerstände bei 5.235 und 5.253 Punkten. Mehr als der Abschluss auf dem Tageshoch bei 5.251 Punkten war aber erwartungsgemäß nicht drin. Zwar wurde der kurzfristige Abwärtstrend damit nach oben wieder leicht durchbrochen, eine nachhaltige Gegenreaktion ist davon aber nicht zu erwarten.
Dagegen spricht neben dem schwachen Zustand der Trendindikatoren vor allem der Abschluss des Handelstages auf dem Tageshoch. Einer solchen Handelsbewegung folgt in neun von zehn Fällen eine negative Folgeeröffnung. Die Bewährungsprobe für die Bullen dürfte trotz der Gegenreaktion noch nicht beendet sein. Immerhin bewies der Markt, dass er auf positive Konjunkturdaten wie den anziehenden US-Baubeginnen noch entsprechend reagieren kann. Da aber die Quartalsberichtssaison so gut wie vorüber ist, rücken die Konjunkturdaten wieder generell stärker in den Vordergrund.
Käufer nicht im Markt zurück
Den Umsatzzahlen des gestrigen Tages ist zu entnehmen, dass die Käufer so gut wie nicht an den Markt zurückkehrt sind. Stattdessen ist die leichte Aufwärtsbewegung im DAX eher dem Terminmarkt zu verdanken, an dem Marktteilnehmer ihre Positionen der aktuellen technischen Lage angepasst haben. Die Shorties zeigen sich dabei kurzfristig eindeutig in der Mehrheit.
Solange aber neben VW nicht andere Schwergewichte ähnliche Kurseinbrüche in den nächsten Tagen hinlegen, dürfte die Korrektur in einem überschaubaren Maß ablaufen. Besonderes Augenmerk sollten Anleger auf die Entwicklung der ursprünglichen Aufschwung-Sektoren Banken und Automobile legen. Zeichnen sich hier Umkehrformationen ab, dürfte auch der Gesamtmarkt wieder drehen.
Ausrichtung bleibt bearish
Der DAX wird zu Handelsbeginn zunächst wieder abverkauft werden. Im Visier der Bären steht dabei die Unterstützungszone zwischen 5.177 und 5.200 Punkten. Da das Verteidigungspolster der Bullen nicht sehr groß erscheint, nimmt die Gefahr einer Fortsetzung der Korrektur über besagte Unterstützungszone hinaus zu. Unterschreitet der DAX 5.177 Punkte, dürfte es rasch weiter abwärts in Richtung 5.121 und 5.051 Punkte.
Die weniger zu bevorzugende Variante sieht den DAX heute wieder über den Widerstand bei 5.296 Punkten steigen. Die aktuelle Korrektur wäre damit beendet und ein weiterer Anlauf auf den Widerstand bei 5.444 Punkten würde sich auf Sicht von mehreren Tagen anschließen. Obwohl der Markt nach wie vor schnelle Wendungen hinlegt, erscheint es kurzfristig wenig wahrscheinlich, dass die Bullen schon wieder so viel Kraft aufbringen können.
Ifo veröffentlicht Weltwirtschaftklimaindex
Ist die Weltwirtschaft wirklich auf dem Weg der Besserung? Das ifo-Institut versucht diese Frage mit einem Klimaindex für die Weltwirtschaft erfolgreich zu untersuchen. Die Tendenz des Indikators verlief in den vergangenen Monaten recht parallel zum bekanntesten Produkt des Instituts, dem ifo-Geschäftsklimaindex. Die Erhebungsperiode des Weltwirtschaftsindex wird allerdings quartalsweise und nicht monatlich vorgenommen.
Die positive Tendenz dürfte sich im vergangenen Quartal noch verstärkt haben, denn die Entwicklung einzelner Konjunkturindikatoren sowie der Weltbörsen werden ihre Spuren hinterlassen haben. Interessant wird die Differenzierung der Entwicklungen in den einzelnen Regionen sein. Hieraus lässt sich ablesen, ob die These von der Abkoppelung der stark wachsenden Schwellenländer von den Industrieländern bestand hat oder die wechselseitigen Abhängigkeiten noch zu stark sind. Aus heutiger Sicht erscheint die Abkoppelungstheorie noch etwas verfrüht.
Schwäche in der EU-Leistungsbilanz hält an
Was des einen Freud ist des anderen Leid: Während die USA wegen des stark nachlassenden Konsumhungers ihrer Bürger seit Monaten von einem stark fallenden Leistungsbilanzdefizit berichten, leidet die stark exportorientierte Eurozone analog dazu unter einem fallenden Leistungsbilanzüberschuss. Dieser Trend dürfte auch im Juni nicht gestoppt worden sein. Leicht anziehende Nachfrage ist allenfalls in China, Teilen Asiens und teilen Südamerikas zu beobachten. Das zweite Halbjahr 2009 könnte aber für eine Trendwende sorgen, denn die staatlichen Konjunkturprogramme der großen Industriestaaten sollten dann ihre Wirkung entfalten. Auch in einigen europäischen Staaten wie Irland oder Spanien wird der freie Fall gebremst werden. Der folgende Aufschwung fällt aber wohl zunächst verhalten aus.
Konjunkturdaten: DE: 10.00 Uhr: Ifo-Weltwirtschaftsklimaindex; EU: 11.00 Uhr: Leistungsbilanz des Euroraums (Juni).
Unternehmenszahlen: --------------------------------
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.121, 5.177; 5.235
Widerstände: 5.296; 5.351; 5.444
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf