DAX: Kaum Chancen für die Bären
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 23. April 2009, 08:00 Uhr
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Die Bullen bestätigten gestern ihre derzeit gute Form. Den erneuten Angriff der Bären wehrten sie exakt an der Unterstützung bei 4.457 Punkten ab. Ein Hauptgrund für das Comeback der Bullen war die Veröffentlichung der Hauspreise in den USA am späten Nachmittag. Entgegen der erwarteten Fortschreibung des Abwärtstrends, stiegen die Preise im März den zweiten Monat in Folge. Daraus folgerten die Märkte, dass zusammengenommen mit anderen positiven Nachrichten von Immobilienmarkt die Chancen für eine leichte Konjunkturerholung weiter zunehmen. Den DAX beförderte dieser Optimismus immerhin mehr als zwei Prozent innerhalb einer halben Stunde nach oben. Das Jo-Jo-Spiel bei den Banken setzte sich damit fort. Gehörten sie am Vormittag noch zu den Hauptbelastungsfaktoren des Marktes, zogen sie ihn am Nachmittag problemlos aus der Minus-Zone. Auffällig sind auch die mittlerweile robusten Reaktionen des deutschen Standardwerte-Index auf die stark schwankenden US-Futures. Da sich der positive Konjunkturdatenfluss aus den USA zu verstetigen scheint, dürften Belastungen für den DAX in Zukunft eher von der eigenen Konjunkturfront kommen. Der Tiefpunkt der Wirtschaftsschwäche steht den Europäern anders als den Amerikanern nämlich noch bevor.
Post und Telekom als Negativwerbung für den Bund
Würden allein Finanz-und Automobilaktien die Richtung des DAX bestimmen, wären Kurse von 5.000 Punkten und mehr vielleicht schon wesentlich realistischer als aktuell. Als Bremsklötze wirken derzeit die Privatisierungsperlen des Bundes, die Deutsche Telekom und die Deutsche Post. Während die einen noch immer mit schwinden Festnetzkunden und weniger aktiven US-Kunden kämpfen, leiden die anderen unter dem Einbruch der Frachtraten in der Weltwirtschaft. Zu berücksichtigen ist dabei aber die aktuelle Ausnahmesituation, denn während einer normalen Schwächephase wären die Einbrüche in den Umsätzen durchaus verkraftbar. Aktionäre beider Unternehmen müssen sich deshalb noch auf einen kleinen Leidensweg einstellen. Sicher ist aber auch, dass allein der erste Anschein einer Trendwende in der wirtschaftlichen Entwicklung bei beiden Titeln zu stärkeren Kursgewinnen führen wird. Die Telekom könnte trotz zeitweiliger Pannen im Mobilfunknetz sogar früher davon profitieren als die Post. Einstweilen bleiben sie aber alles andere als eine Positivwerbung für den Bund.
Nächster Anlauf auf bekannte Widerstände
Die Ausgangslage für die Bullen hat sich kurzfristig wieder deutlich aufgehellt. Der überkaufte Zustand wurde nahezu vollständig abgebaut, währen der MACD-Indikator ein Verkaufssignal vermeiden konnte. Ein Test des Hochs vom vergangenen Freitag und damit der letzten Widerstandszone vor einem möglichen weiteren Anstieg in Richtung 5.000 Punkte sollte allerdings nun unmittelbar erfolgen. Bleiben die Bullen hingegen um 4.600 Punkte stecken, würde am Freitag wieder die Gefahr eines nochmaligen Absackens unter die Unterstützung bei 4.400 Punkten drohen. Welche zwischenzeitlichen Achterbahnfahrten die Wall Street hinlegt ist für den DAX vernachlässigbar. Wichtig sind Ergebnisse auf Schlusskursbasis und da zählt heute nur ein Schluss über 4.600 Punkte. Alles andere für die Unsicherheitskomponente bei den Investoren wieder stärker erhöhen.
Microsoft sucht nach neuen Geschäftsfeldern
Die Verantwortlichen bei Google sollten mit großer Aufmerksamkeit die aktuelle Entwicklung von Microsoft beobachten. Bei dem aktuellen Zustand des Softwareherstellers könnte sich durchaus ein Spiegelbild für Google in ein paar Jahren abzeichnen. Fand die Börse die Allmacht des Unternehmens in Sachen Software vor ein paar Jahre noch sehr anziehend, fehlt den Investoren mittlerweile die Fantasie für eine neue Wachstumstory. Steve Ballmer, der Vorstandschef von Microsoft, hat das rasch erkannt und wollte mit Yahoo wenigstens den Geschäftsbereich Internetmarketing weiter ausbauen. Doch die Preisvorstellungen des einstigen Wettbewerbers von Google waren Ballmer einfach zu hoch. So sitzt das Unternehmen trotz Wirtschaftskrise zwar auf einem bequemen Liquiditätspolster, allein an brauchbaren Übernahmekandidaten mangelt es. An Innovationen aus dem eigenen Haus ist kaum zu denken, Microsoft erstickt jede Kreativität mit seiner schieren Größe.
Ballmers Glück: In wirtschaftlichen Krisenzeiten könnten sich Anleger für einen Augenblick selbst mit langweiligen Erträgen zufrieden geben und nicht so auf das Wachstum achten. Wie auch immer die Q1 Zahlen ausgefallen sein mögen, lange kann das Unternehmen auf seinen Status Quo nicht mehr zählen.
Europäische Einkaufsmanagerindizes vor der Erholung
Für die europäischen Einkaufsmanager waren die vergangenen sechs Monate ein einziger Horror-Trip. Die starke globale Nachfrageschwäche verhinderte jede Art von Lageraufbau, Kalkulationsgrundlagen waren am nächsten Tag schon nicht mehr das Papier wert, auf dem sie zusammengestellt wurden. Das die Stimmung in diesem Zuge ebenfalls wie ein Stein zu Boden fallen würde, überraschte nicht. Die ersten schwachen Konjunktur-Erholungssignale in den USA werden sich aber nun langsam bei den europäischen Einkaufsmanagern positiv auswirken. Während die Dienstleister aber noch etwas verhaltener sein dürften, gehen Ökonomen bei der Industrie von einer deutlich sichtbareren Stimmungsverbesserung aus. Die deutschen Industrieverbände haben auf der Hannover-Messe ihrem leichten Optimismus Ausdruck verliehen, dass im Verlaufe des Jahres 2010 eine langsame Normalisierung der Nachfrage einsetzen könnte. Gespeist wird diese Hoffnung von der Wirkung der weltweiten aufgelegten Konjunkturpakete. Die darin enthaltenen Mittel für viele Infrastrukturprojekte sollten dann nach bürokratischem Hürdenlauf bei den Unternehmen angekommen sein.
Konjunkturdaten: EU: 11.00 Uhr: Einkaufsmanagerindizes Dienstleistungen und Industrie
Unternehmenszahlen: Q1: Amazon, Microsoft, PepsiCo, Wincor Nixdorf, Fiat; HV: VW
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.409; 4.457; 4.531
Widerstände: 4.636; 4.657; 4.676
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
