DAX: Insolvenzgerüchte belasten
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 6. März 2009, 09:32 Uhr
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Schnell haben sich die Bullen von den Bären wieder das Fell über die Ohren ziehen lassen. Alles mögliche, von einer möglichen Insolvenz des US-Autobauers GM bis zur endgültigen Verstaatlichung der US-Banken Citigroup und Bank of America, musste gestern wieder herhalten, um die Gewinnmitnahmen zu begründen. Im Wesentlichen kann man aber festhalten, dass nach einem Vortagesgewinn von fünf Prozent einfach die Verlockung zur Sicherung der kurzfristig erzielten Gewinne zu hoch war. Das derzeitige Marktumfeld zeigt sich nicht dafür geeignet, größere Zuwächse mit einer „Kaufen-und-liegenlassen-Strategie" auszusitzen. Es spricht allerdings nicht gerade für die Bullen, dass gestern ein großer Teil der zuvor erzielten Gewinne wieder preis gegeben wurden. Der Anstieg des VDAX-New auf knapp 45 Prozent könnte ein Warnzeichen für einen bevorstehenden Ausverkauf sein.
Bisherige Unterstützungszone vor abermaligem Test
Die zu Beginn der Woche mit einem Verlaufstief bei 3.667 Punkten fast schon angetestete Unterstützungszone im Bereich zwischen 3.618/3.645 Punkten bleibt aktuell kurzfristig weiter im Zentrum des Handelsgeschehens. Die Bären werden sie heute sehr wahrscheinlich einem weiteren Test unterziehen. Können sich die Bullen hier, wie zu Wochenbeginn, wieder behaupten, werden weitere Voraussetzungen zu einer Marktberuhigung geschaffen. Bedenklich stimmt aber immer noch Blick über den Atlantik. Solange die US-Aktienmärkte ihren freien Fall fortsetzen, wird auch der DAX nicht zur Ruhe kommen.
Technik kurzfristig nicht mehr uneingeschränkt bearish
Die fehlenden Anschlusskäufe haben die Hoffnung der Bullen auf eine Trendumkehr zunächst einmal zerschlagen. Die technischen Signale, insbesondere beim Bodenbildungsindikator Coppock stehen aber nicht mehr uneingeschränkt auf Verkaufen. Die Chance für eine Stabilisierung bleibt solange akut, wie das bisherige Schlusskurstief bei 3.690 Punkten nicht nachhaltig unterschritten wird. Unterschreitet der DAX 3.600 Punkte deutlich, ist ein weiteres Abrutschen auf 3.300 Punkte nicht aufzuhalten. Auf der Oberseite stellen die Widerstandsbereiche bei 3.800 und 3.942 Punkten wichtige Hürden dar. In einem näher rückenden Ausverkaufsszenario wäre eine Tagesschwankung von 20 Prozent beim DAX nicht ungewöhnlich.
US-Arbeitsmarktdaten nehmen Einfluss auf die Märkte
Der wichtigste Konjunkturindikator des heutigen Tages sind die US-Arbeitsmarktdaten für den Februar. Der Konsens der Analysten erwartet einen Anstieg der Arbeitslosenquote von 7,6 auf 7,9 Prozent. Die Zuwachsrate würde damit in etwa auf dem Niveau der Vormonate liegen. Angesichts der Schwierigkeiten, mit denen viele Unternehmen auf der Absatzseite noch immer zu kämpfen haben, kann aktuell kaum eine positive Überraschung erwartet werden. Solange sich nicht ansatzweise eine Aufwärtsentwicklung in den Konjunkturindikatoren abzeichnet, wird die Entlassungswelle in den USA weiterrollen. Die Prognosen erwarten noch in diesem Jahr ein Erreichen der Marke von 10 Prozent. In der Rezession Anfang der achtziger Jahre lag die Quote in der Spitze (1982) bei über 11 Prozent. Da es sich bei den Arbeitslosenzahlen um einen sogenannten nachlaufenden Indikator handelt, wird die Spitze der Arbeitslosenzahlen wohl frühestens im nächsten Jahr erreicht werden, vorausgesetzt eine wirtschaftliche Erholung setzt zum Ende dieses Jahres ein.
Fed-Vize-Chef Plosser kommentiert Regulierungsabsichten
Ein wenig Aufmerksamkeit wird die Wall Street zudem einer Rede des Mitglieds des US-Notenbankgremiums und Chefs der regionalen Notenbank von Philadelphia, Charles Plosser widmen. Er nimmt Stellung zu den künftigen Regulierungsmechanismen im US-Finanzsystem. In diesem Zusammenhang könnte auch die aktuell wichtige Frage der Verstaatlichung einzelner, großer privater US-Banken behandelt werden. Ein eindeutige Tendenz hat die US-Notenbank hierzu bisher noch nicht erkennen lassen, ihren Handlungen ist aber zu entnehmen, dass sie es bevorzugen würde, wenn sich jede Art von Verstaatlichung vermeiden ließe. In jedem Falle würde sie eine Verstaatlichung nur für einen kurzen Zeitraum akzeptieren. Anders als in Deutschland wird in den USA aus dem Fiasko der sehr großen Investmentbanken aber die Konsequenz gezogen werden, zunächst kleinere, spezialisierte Geschäftsbanken zuzulassen und die Entstehung von „Global Playern" auf absehbare Zeit zu vermeiden.
Konjunkturdaten: USA: 14.30 Uhr MEZ: Arbeitslosenquote (Februar)
Unternehmen: Q4-Zahlen: Escada
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 3.591; 3.618; 3.645
Widerstände: 3.733; 3.812; 3.867
Viel Glück, Erfolg und ein schönes Wochenende!
Andreas Wolf
