Dax im Sog der Bayer-Aktie
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 26. Februar 2003 18:00 Uhr
ENL5462
Viel los ist heute nicht: Der Dax weiter auf Talfahrt. Dies trotz der kleinen Schlussrallye der amerikanischen Indizes. Blair hat Probleme, in den eigenen Reihen die Kriegsfront aufrecht zu erhalten. Saddam Hussein zeigt sich etwas kooperationsbereiter, aber das kennt man nicht anders. Immer, wenn es eng wird, macht Saddam Hussein einen Schritt in Richtung der UN-Resolutionen. Rumsfeld überlegt Möglichkeiten zur friedlichen Lösung des Konflikts, findet aber nur eine: Saddam Hussein müsse den Irak verlassen. Fischer und Blair stellen nach einem Treffen fest, dass es wenig Gemeinsamkeiten im Zusammenhang mit dem Irak-Konflikt gäbe. Naja, alles andere wäre auch verwunderlich gewesen. Blair hatte schließlich vorher bereits den deutsch-französischen Vorstoß in der UN als "fehlgeleitet" zurückgewiesen.
Ach ja, dann sind da noch die vor einem Monat in Spanien festgenommen mutmaßlichen El-Kaida-Mitglieder. Damals als großer Fahndungserfolg gefeiert, stellt sich dieser Coup immer mehr als Flop heraus. Ein großer Teil der Festgenommenen soll bald schon wieder freigelassen werden. Die Substanzen zur Herstellung von Bomben und chemischen Kampfstoffen stellten sich bei Laboruntersuchungen als harmlose Putzmittel (!!!) heraus. Klingt alles ein wenig nach Übereifer der Behörden.
Dann werden deutsche Elitetruppen, die sogenannte KSK, in der Wüste Kuwaits vermutet. Dort sollen sie an Übungen teilgenommen haben. Weiter wird vermutet, dass diese Übung dazu diente, notfalls die ca. 20 aus der Bundeswehr rekrutierten UN-Mitarbeiter in Sicherheit zu bringen. Wahrscheinlich bietet sich eine solche Übung auch aus anderen Gründen an. Das Verteidigungsministerium beharrt auf dem Standpunkt, keine Angaben und Auskünfte zur KSK zu geben. Gerade kommt über die Ticker, dass es nun doch ein Dementi des Ministeriums gebe.
Ein wenig bedrohlich klingen erste Ansätze zu einem Öl-Boykott als Waffe islamischer Länder gegen einen Irak-Krieg. Bisher scheint sich dazu aber nur der malayische Ministerpräsident Mahathir Mohamed zu äußern. Er behauptet, solche Maßnahmen seien bei informellen Beratungen der OIC, der Organisation der Islamischen Konferenz, erörtert worden. Sie wissen vielleicht, dass die Öl-Reserven der Amerikaner mehr als knapp sind. Deswegen könnte ein Öl-Boykott die Amerikaner wirklich hart treffen. Amerika selbst entdeckt unterdessen West-Afrika als alternatives Erdöl-Gebiet. Doch auch West-Afrika würde aktuell bei einem Boykott nicht helfen können.
Alles im Allem sorgen diese Nachrichten und die immer noch ängstliche Stimmung am Markt dafür, dass der Dax gerade 0,74 % im Minus ist. Im Dax kommt belastend hinzu, dass auch heute wieder Bayer knapp 10 % verliert. Bayer hat in den letzten drei Tagen nun fast 30 % verloren. Ein wenig übertrieben, wenn man sich die aktuelle Marktkapitalisierung anschaut. Das Problem: Wenn Bayer nachgewiesen wird, dass es von den schweren Nebenwirkungen des Lipobay-Medikaments gewusst hatte, dann könnte es Probleme mit den Versicherungen geben. Bayer hatte bisher keine Rückstellungen aufgebaut, da das Unternehmen sich gut versichert wähnte. Die Aktie ist also im Moment nur etwas für Zocker, die auf ein kurzes und heftiges Reversal hoffen.
Trotz des Einflusse der Bayer-Aktie, ist der erneute Verlust im Dax nach den gestrigen Verlusten bedenklich. Viele Trader haben sich heute verzockt, indem sie aufgrund der amerikanischen Vorgaben auf steigende Kurse setzten.
Der Dax hatte gestern unterhalb der 2500 Punkte geschlossen, wie gesagt, ein schlechtes Zeichen. Sollten sich in den nächsten Tagen weitere Verluste andeuten, wird er relativ sicher bei 2300 Punkte landen. Erst über 2560 wird es wieder etwas bullisher. Sie sollten auf die amerikanischen Indizes achten. Der gestrige Anstieg zum Handelsende lässt vermuten, dass entweder die ersten beherzten Anleger kaufen oder aber die ersten Shortpositionen glattgestellt werden. Achten Sie darauf, ob diese Käufe weitergehen.
Köln bereitet sich unterdessen systematisch auf den Karneval vor. Viele Unternehmen haben morgen ihren Mitarbeitern frei gegeben. Zumeist nicht, weil sie so nett sind, sondern eher weil sie gelernt haben, dass am Karnevals-Donnerstags, "Weiberfastnacht", arbeiten in Köln eher unsinnig ist. Es geht sowieso nichts mehr in Köln, die Strassen sind verstopft, Anlieferungen kommen gar nicht mehr an, zumindest nach 11 Uhr nicht mehr. Und so rechte Arbeitslust würde auch nicht aufkommen, zumal ab 11.11 Uhr sowieso viele anfangen sich systematisch zu betrinken. Auch der Rosenmontag ist in Köln Feiertag, es machen nahezu alle Betriebe dicht. Selbst die Geschäfte haben nur bis Mittags auf. Hier in Köln gilt der Grundsatz: Entweder mitfeiern oder in Urlaub fahren.
Dabei kann ich Ihnen den Karneval in Köln nur ans Herz legen. Nirgendwo sonst treffen Sie so viele Menschen, die friedlich und harmonisch miteinander feiern. Die herzliche, kölsche Ader ist schon etwas ganz Besonderes. Gerade in den vielen kleinen Kölner Kneipen herrscht eine Stimmung, der man sich einfach nicht entziehen kann. In diesem Sinne: Kölle Alaaf
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