DAX: Im Schneckentempo vorwärts
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 16. Oktober 2009, 08:00 Uhr
ENL5462
Das Offensichtliche gehört nicht zu den bevorzugten Handlungsmustern der DAX-Akteure in diesen Tagen. Kaum überschreitet der Index eine wichtige Marke und lädt die Optimisten zu größeren Hoffnungen ein, schon rückt er am nächsten Tag die Verhältnisse wieder ein wenig zurecht. Der gestrige Tag bescherte den Anlegern genau das Szenario, welches sie eigentlich am wenigsten erwarteten. Inmitten einer weiteren Sturm-und Drangperiode dämpften sowohl die Daten von Nokia als auch der Philadelphia-Fed-Index die Kauflaune der Investoren.
Aus technischer Sicht sah das schon eindeutiger aus, denn ich verwies ja darauf, dass die Zone zwischen 5.850 und 6.000 Punkten wohl nicht so ohne weiteres überwunden werden würde.
Grund zur Sorge besteht aber deshalb nicht. Mit genügend Beharrlichkeit, die dank ausreichender Liquidität auch gegeben ist, sollte das Widerstandsfeld in ein bis zwei Wochen abgearbeitet sein. Für Day-Trader könnte die Systematik der vergangenen Tage auch kurzfristig noch lohnenswert sein.
Konsumwerte wieder hoch im Kurs
Die optimistischere Wachstumsprognose der Wirtschaftsweisen für das Jahr 2010 in Deutschland stimulierte Anleger, Konsumwerte in ihr Depot zu nehmen. Metro und Henkel gehörten bis zum Handelsende zu den Gewinnern im DAX. Die Belastungsprämie, die zu aufgrund der düsteren Prognosen zu Beginn dieses Jahres eingepreist wurde, wird nun teilweise wieder zurückgenommen. Ob sich noch weiteres Potential erschließt, hängt auch vom Verlauf des Weihnachtsgeschäfts ab.
Respekt vor den Bollinger-Bändern
Wie bereits gestern beschrieben, bedarf es schon besonderer Ereignisse zum Aushebeln der Bollinger Bänder. Der Respekt der Investoren vor dieser technisch bedingten Hürde ließ den DAX am Nachmittag bei 5.869 Punkten kehrt machen. Die wieder abnehmende Volatilität deutet schon das gestern skizzierte Szenario an. Vermutlich kommt es in den nächsten drei bis vier Tagen zu einer eher geringen Schwankungsbreite zwischen 5.748 und 5.900 Punkten.
Erst danach haben die Bullen wieder genügend Spielraum und auch die notwendige Kraft, um das Widerstandband zwischen 5.850 und 6.000 Punkten zu überwinden. Nur ein nachhaltiger Rückfall unter 5.750 Punkten, der einen Schlusskurs deutlich unter diese Marke einschließt, würde dafür sorgen, dass die 6.000 Punkte erst im November auf die Agenda des DAX rücken.
Die heutige Eröffnung könnte den DAX nochmals bis auf 5.790 Punkte nach unten führen, am Nachmittag könnte der nächste Anlauf in die Widerstandszone 5.870/5.917 Punkte folgen.
USA: Kapazitätsauslastung und Industrieproduktion bleiben schwach
Noch immer fehlt der wirtschaftlichen Erholung in den USA der Schwung. Dies werden heute die Zahlen zur Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung bestätigen. Analysten erwarten kaum eine Veränderung der niedrigen Niveaus, die private Nachfrage ist weiterhin mau und der Kostenvorteil der US-Produktion für internationale Unternehmen trotz schwachen US-Dollars noch nicht attraktiv genug. Das könnte sich aber bald ändern, denn die Amerikaner drehen schon kräftig an der Abwertungsschraube.
Hierzu ist noch nicht einmal ein gesondertes Konjunkturpaket notwendig. Kommt die Gesundheitsreform nach den Plänen der Regierung Obama durch und sinken die Kosten der US-Militäreinsätze nicht bald dramatisch, versinken die USA weiter im Schuldensumpf. Bizarrer Weise könnte ein dann sehr schwacher Dollar die Produktion in den USA wieder lohnenswert machen.
Nächster Gradmesser: General Electric
30 Prozent hat die Aktie von General Electric in den ersten beiden Septemberwochen zugelegt, dass nun die Investoren bei soviel Vorschusslorbeeren auf das nächste Quartalsergebnis einen Gang zurückschalten sollte nicht überraschen. Aber ähnlich wie Siemens profitiert auch GE von den großen Konjunkturprogrammen rund um den Globus und so war es nur eine Frage der Zeit, wann sich dies in den Auftragseingängen der Unternehmen wiederspiegeln würde.
Wie dem auch immer sei, die Analysten erwarten von GE ein Ergebnis von 0,20 US-Dollar pro Aktie im dritten Quartal. Wahrscheinlich wird der Konzern mehr als das liefern und dabei aber gleichzeitig auf die Euphorie-Bremse treten. Der Ton macht die Musik und wenn der richtig getroffen wird, kann es durchaus zu einem weiteren Kursschub kommen. Die Voraussetzungen hierfür liegen vor.
Konjunkturdaten: USA: 14.30Uhr: Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung September, 16.00 Uhr: Verbrauchervertrauen Uni Michigan Oktober.
Unternehmenszahlen: Zahlen (Q3): General Electric, Bank of America.
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.753; 5.778, 5.844
Widerstände: 5.897; 5.922; 5.978
Viel Glück, Erfolg und ein schönes Wochenende!
Andreas Wolf

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