DAX: Hängepartie setzt sich fort
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 23. März 2009, 08:00 Uhr
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Wäre die Wall Street nicht so schwach ins Wochenende gegangen, könnten die Bullen unter den Investoren formaltechnisch von weiteren Zugewinnen im DAX träumen. Doch auf die Besonderheiten rund um den dreifachen Terminverfall kann man nicht oft genug hinweisen. Als zusätzliche Unsicherheitsfaktoren gesellen sich noch das langsam nahende Ende des laufenden Quartals und die Spekulationen über die Unternehmensergebnisse für diesen Zeitraum hinzu. Aber der Reihe nach: Die Schwäche der Wall Street muss heute keinen schwachen Handelsstart bedeuten. Zwar verlor der DAX nachbörslich gut ein Prozent, aber zeigen die US-Futures heute morgen ein positives Bild, könnte der DAX unverändert in den Tag starten. Die Erkenntnis der US-Börse zum Wochenausklang, dass mit den hoffnungsvollen Aussagen einiger Bankenchefs zum Geschäftsverlauf seit Jahresbeginn die Wirtschaftskrise noch nicht vorbei ist, taugt als alleiniger Grund für die neue Schwäche nicht. Vielmehr sind man einen Widerspruch in den optimistischen Aussagen von Fed-Chef Bernanke zur baldigen Wirtschaftserholung und der weiteren Erhöhung der Liquiditätszufuhr durch den Anlauf lang laufender Staatsanleihen.
Ende des ersten Quartals wieder schwierig
Die bisher schwachen Konjunkturindikatoren versprechen kaum gute Bilanzzahlen der Unternehmen im ersten Quartal. Zwar steckt in vielen Aktienkursen schon ein sehr niedriges Erwartungsniveau, dennoch könnte die eine oder andere Gewinnwarnung das fragile Kartenhaus wieder zum Wanken bringen. Darüber hinaus bestehen noch Risiken bei einigen Hedge-Fonds, gerade in der vergangenen Woche musste wieder einer seine Tore schließen. Wegen der schwierigen Entwicklung der Aktienmärkte auch zu Jahresbeginn leiden zahlreiche Fonds unter Kapitalnot und sind gezwungen, Positionen zu verkaufen. Das könnte nochmals zu einer kleinen Abwärtswelle an den Börsen führen. Die Bereinigung unter diesen Investment-Vehikeln dürfte allerdings langsam zu ihrem Ende kommen und damit die Anzahl der unwägbaren Risiken reduzieren. Die Schwankungsintensität an den Märkten würde dann auch abnehmen.
Bis Mittwoch noch unsaubere Marktverhältnisse
Die leichten Vorteile für die Bullen zeigten sich auch zum Wochenschluss, aus technischer Sicht ergibt nach wie vor keine grundlegende Veränderung. Die Aufwärtsdynamik des MACD und des Bodenbildungsindikators Coppock besteht unverändert fort. Überschreitet der DAX heute nachhaltig den Widerstand bei 4.127 Punkten, setzt sich die Erholung dynamisch fort. Nachhaltig bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der betreffende Widerstand um mehr als ein Prozent überschritten wird. Fällt der DAX hingegen nachhaltig unter 3.983 Punkte, dürfte die Erholung zunächst einmal wieder beendet sein. Die verringerte Handelsspanne von Freitag zwischen 3.995 und 4.081 Punkten hat die Volatilität, gemessen am VDAX-New, wieder ein Stück absinken lassen. Die 40 Prozent-Marke rückt damit wieder stärker ins Blickfeld, wird sie nach unten durchbrochen, wäre das ein gutes Zeichen für eine bevorstehende Stabilisierungsphase.
Hannover Rück und Fresenius im DAX
Heute werden die Beschlüsse des Arbeitskreises Aktienindizes zu den Veränderungen in den einzelnen Marktbarometern wirksam: Infineon und die Deutsche Postbank verlassen den DAX in Richtung MDAX, der Versicherer Hannover Rück und der Medizindienstleister Fresenius rücken dafür in den Standardwerte-Index auf. Schaut man sich die Geschichte der jüngsten Aufsteiger Kali+Salz und Salzgitter so an, dürften sich die Aktionäre der beiden Neuankömmlinge erst einmal auf einen kalten Wind für ihre Titel einstellen. Bereits am Freitag mussten beide Papiere Verluste von 8 bzw. 10 Prozent hinnehmen. Da nun die Gewichtung der Aktien im DAX feststellt, trennen sich institutionelle Investoren von ihren in den vergangenen Wochen auf Vorrat eingekauften Anteilen. Das führt nach der Spekulationswelle im Vorfeld der DAX-Aufnahme nun zu den starken Verlusten. Für den DAX selbst stellt dies weniger ein Problem dar, beeinflussen die Kursveränderungen der beiden Papiere die Performance des Index doch nicht allzu spürbar.
US-Finanzminister Geithner mit nächstem Anlauf
Die Gerüchteküche in Washington will erfahren haben, dass US-Finanzminister Geithner heute einen erneuten Anlauf zu Vorstellung eines Planes hinsichtlich der Bereinigung der Bankbilanzen von faulen Krediten unternehmen will. Im Mittelpunkt der rettenden Engel stehen investitionswillige Privatinvestoren, allen voran die so harsch kritisierten Hedge-Fonds. Neben der Unterstützung dieser Gruppe von Käufern mit Staatsgeldern, soll auch die US-Notenbank durch die Ausweitung ihres Bilanzrahmens zu den Käufern zählen. Als dritte Gruppe der Käufer ist der staatliche Einlagensicherungsfonds im Gespräch. Da ist der Begriff „Privat" doch etwas sehr frei interpretiert worden. Vielleicht hält Geithner eine weitere Überraschung für Analysten und Ökonomen bereit.
Häusermarkt wieder im Blickpunkt
Neues Zahlenmaterial veröffentlicht heute der Nationale Verband der Immobilienmakler (NAPM) in den USA zum Häusermarkt. Nachdem die Zahl der Baubeginne in der vergangenen Woche mit einem überraschenden Zuwachs aufwartete, sehen die Ökonomen den Verkäufen bestehender Häuser aus dem Februar mit Spannung entgegen. Erwartet wird im Durchschnitt wie im Vormonat eine fast unveränderte Zahl von 4,5 Millionen verkauften Einheiten. Sollte sich dies bestätigen, so wäre zumindest die Hoffnung zu rechtfertigen, dass die Talfahrt auf dem Immobilienmarkt langsam ihren Boden erreicht hat.
Der Chicago Fed National Activity Index aus dem Februar reflektiert die Intensität der wirtschaftlichen Tätigkeit im nördlichen Industriegürtel der USA. Hier dürfte sich noch kaum eine größere Belebung abzeichnen, ein weiterer Rückgang wegen der verschärften Krise in der Automobilindustrie ist nicht auszuschließen. Neue Schockwellen an den Aktienmärkten würde das aber nicht mehr auslösen.
Konjunkturdaten: USA: 13.30 Uhr: Chicago Fed National Activity Index Februar, 15.00 Uhr : Verkäufe bestehender Häuser Februar
Unternehmen: Aufnahme von Hannover Rück und Fresenius in den DAX, Jahreszahlen: Ergo, Dyckerhoff, MTU
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 3.945; 3.983; 4.053
Widerstände: 4.127; 4.240; 4.331
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
